Statistik Mehr Schwangerschaftsabbrüche in Sachsen

Ultraschallbild, Nuckel und Informationsmaterial zum Schwangerschaftsabbruch
In ganz Deutschland wurden 2016 rund 99.000 Abtreibungen registriert. Bildrechte: IMAGO

In Sachsen haben im vergangenen Jahr knapp 5.400 Frauen Schwangerschaftsabbrüche durchführen lassen. Damit ist die Zahl der registrierten Abbrüche im Vergleich zu 2015 wieder gestiegen. Damals wurden 285 Abbrüche weniger registriert.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beziehen sich die Angaben auf Frauen, die ihren Wohnsitz in Sachsen haben. Im Freistaat würden aber auch Abbrüche bei Frauen durchgeführt, die in anderen Bundesländern oder sogar im Ausland leben. Bundesweit registrierte das Statistische Bundesamt rund 99.000 Abbrüche im vergangenen Jahr.

Sachsen liegt über dem Bundesdurchschnitt

Im Freistaat entscheiden sich der Statistik zufolge überdurchschnittlich viele Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch. Im Bundesdurchschnitt haben sich im vergangenen Jahr 56 von 10.000 Frauen für einen Abbruch entschieden, in Sachsen waren es 70 von 10.000 Frauen. In Bremen und Berlin liegt die Quote am höchsten: Dort waren es 2016 mehr als 100 von 10.000 Frauen. In Baden-Württemberg und Bayern ist die Quote am niedrigsten (40 von 10.000).

Die meisten Abbrüche ließen im vergangenen Jahr Frauen zwischen 25 und 30 Jahren vornehmen. 25 Prozent aller Abbrüche wurden in dieser Altersgruppe registriert. Die meisten Frauen, die sich für einen Abbruch entschieden hatten, waren ledig, 28 Prozent waren verheiratet.

Kosten tragen Frauen meist selbst

Die meisten Frauen beenden ihre Schwangerschaft nach der sogenannten Beratungsregelung (§ 218a Strafgesetzbuch), d.h. aus persönlichen Gründen und nach einer ausführlichen Beratung. 2016 waren es rund 96 Prozent. Die Kosten für eine solche Abtreibung muss die Frau selbst tragen – zwischen 300 und 400 Euro. Nur wenn eine Gefahr für das Leben oder den körperlichen bzw. seelischen Zustand der Frau nachgewiesen wird, übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Das ist auch der Fall, wenn die Frau Opfer sexueller Übergriffe wurde.

Zwei Drittel weniger Abbrüche als noch 1991

Seit Erhebung der Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 1991 ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bis auf wenige Ausnahmen kontinuierlich gesunken. Damals wurden noch rund 15.000 Abbrüche registriert. Drei Jahre später hatte sich die Zahl schon halbiert. Und 2010 lag die Zahl der Abbrüche schon unter 6.000.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR 1 RADIO SACHSEN | Nachrichten | 21.04.2017 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 08:56 Uhr

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1 Kommentar

21.04.2017 11:53 Mal ne Anmerkung 1

Und warum werden die Ursachen für die Schwangerschaftsabbrüche hier nicht genannt?Kann es sein ,das mit der Geburt eines Kindes bei manchen die Zukunftsängste steigen?