Sachsen

MDR INFO | Hörer machen Programm | 31.12.2012 : Schadstoffreicher Silvesterspaß

Das neue Jahr begrüßt man in unseren Breiten traditionell mit Silvesterraketen. Eigentlich um Mitternacht, aber hier und da wird schon tagsüber geböllert. Am Silvesterabend liegt dann dichter Qualm über den Städten. Aber wie passt das zu Feinstaubverordnung und Umweltzone? Um die Luft sauberer zu halten, dürfen immerhin nur noch schadstoffarme Autos in viele Innenstädte fahren - z.B. in Leipzig. MDR INFO-Hörer Daniel Zetzsche ärgert sich jedes Jahr wieder über die großen Rauchschwaden über der Stadt. Er fragt, warum auf der einen Seite grüne Plaketten verlangt werden und auf der anderen Seite Feste so gefeiert werden, dass sie die Luft und Straßen verschmutzen.

von Elisabeth Ihme

Feuerwerk

Goldregen, Kometenhagel, Knallfrösche. Manche Silvesterböller sehen schön aus, andere machen nur Krach. Eines aber haben sie gemeinsam. Sie produzieren Qualm, verschmutzen die Luft. Die Feinstaubverordnung verlangt: Maximal 50 Mikrogramm Feinstaub dürfen in einem Kubikmeter Luft enthalten sein. Dieser Wert darf nur 35 Mal pro Jahr überschritten werden. Zu Silvester wird er das meistens, sagt Angelika von Fritsch, Leiterin des Leipziger Amts für Umweltschutz: "So haben wir zum Beispiel im Jahr 2008 sowohl am 31. Dezember wie auch am 1. Januar kräftige Überschreitungen. Zum Jahreswechsel 2009 hatten wir eine Messung von 142 Mikrogramm pro Kubikmeter, eine sehr extreme Situation also."

Tradition als Ausnahme von der Regel

Aber widersprechen die Silvesterraketen nicht eigentlich den Vorgaben der Leipziger Umweltzone? Immerhin dürfen seit 2011 ins Stadtgebiet nur noch schadstoffarme Pkw mit grüner Plakette fahren. Es ist umstritten, ob die Umweltzone wirklich für saubere Luft sorgt, immerhin ist der Grenzwert 2011 an 63 Tagen überschritten worden. Aber wer ohne Plakette erwischt wird, muss vierzig Euro Bußgeld berappen und bekommt einen Punkt in Flensburg. Böllern ist aber nach wie vor erlaubt. Angelika von Fritsch erklärt das so: "Das Silvesterfeuerwerk ist eine einmalige Angelegenheit die unter Brauchtum fällt. Natürlich würden wir es als Amt für Umweltschutz viel lieber sehen, wenn die Bürger verstärkt aufs Abbrennen von eigenem Feuerwerk verzichteten." Zum einen wegen der Luftbelastung, zum anderen wegen des Abfalls.

Wer räumt hinterher auf?

Die rosa-braunen Papphülsen der Knaller bedecken nach Silvester die Straßen, Wege und Wiesen. Gleich am 1. Januar wird dann die Leipziger City gereinigt. Anderswo liegt der Böllerschmutz meist länger. Dort wird erst aufgeräumt, wenn die nächste routinemäßige Straßenreinigung fällig ist. Doch allein diese Innenstadtreinigung zu Neujahr kostet die Leipziger Stadtreinigung 10- bis 15.000 Euro. Wenn besonders viel Silvesterschmutz anfällt, muss die Stadt auch Geld nachschießen. MDR INFO-Hörer Daniel Zetzsche will wissen, warum die Kosten nicht durch die Verursacher des Drecks getragen werden müssen? Frank Richter, Leiter der Stadtreinigung, findet diesen Gedanken im Prinzip richtig. Aber das Problem sei es, den Verursacher zu fassen. Das ginge in der Anonymität im Stadtzentrum nicht. Anders sehe es aus, wenn sich zum Beispiel vor Gaststatten größere Ablagerungen von Verpackungen und Resten von Feuerwerkskörpern befinden. "Da ist in erster Linie der Grundstückseigentümer, quasi der Gaststättenbesitzer, in der Pflicht." Das wäre in den jeweiligen Straßenreinigungsverordnungen geregelt.

Umweltamt sieht es gelassen

Zurück zum Qualm der Silvesterraketen. Könnte man das Böllern in der Umweltzone schlichtweg verbieten? Vom Ordnungsrecht her gäbe es dafür Möglichkeiten, so Umweltamtsleiterin von Fritsch. Aber: "Wir wollten in unserem Luftreinhalteplan nicht so weit gehen, und ich denke auch, es würde politisch nicht umsetzbar und schwer händelbar sein, das Silvesterfeuerwerk in der Innenstadt komplett zu verbieten." Immerhin ist unumstritten - Raketenfeuerwerk und Böller sind in Deutschland Tradition zu Silvester. Und abgesehen von Qualm, Lärm und Knallerresten kann es doch auch mal ganz schön sein, in der Silvesternacht das bunte, leuchtendeTreiben am Nachthimmel zu beobachten.

Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2012, 19:04 Uhr

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