Solar Factory III, 2011
Großer Konkurrent in der Solarindustrie ist China. Dort gibt es günstige Massenproduktionen. Bildrechte: dpa

Solarworld-Insolvenz Wirtschaftsminister Dulig erst "kalt erwischt", jetzt hoffnungsvoll

Sachsens Wirtschaftsminister zeigte sich im Landtag hoffnungvoll, dass der Freiberger Solarworld-Standort gerettet werden kann. Dies liege in den Händen des Insolvenzverwalters, die Regierung soll nur begleiten.

Solar Factory III, 2011
Großer Konkurrent in der Solarindustrie ist China. Dort gibt es günstige Massenproduktionen. Bildrechte: dpa

Sachsens Wirtschaftsminister Dulig hat nach der Insolvenz des Photovoltaik-Herstellers Solarworld vor politischem Aktionismus gewarnt. Es dürfe keine parteipolitische Profilierung auf dem Rücken der Beschäftigten geben, sagte er im Sächsischen Landtag. Dulig räumte ein, dass ihn der Insolvenzantrag "kalt erwischt" habe. In den letzten Wochen habe man Restrukturierungspläne begleitet. Weder Aktionismus noch energiepolitische Grundsatzdebatten könnten nun helfen, das Unternehmen zu retten.

Dulig setzt Hoffnungen auf Insolvenzverwalter

Der Innenminister von Sachsen, Markus Ulbig (CDU, l-r), der Wirtschaftsminister von Sachsen, Martin Dulig (SPD), und der Ministerpräsident von Sachsen, Stanislaw Tillich (CDU), verfolgen am 17.05.2017 die Aktuelle Stunde im Landtag in Dresden (Sachsen).
Dulig im Landtag: "Es lohnt sich, um jeden einzelnen Arbeitsplatz zu kämpfen." Bildrechte: dpa

Dulig zeigte sich mit Blick auf das Insolvenzverfahren optimistisch. Der Insolvenzverwalter Horst Piepenburg aus Düsseldorf habe Vorschussvertrauen verdient. Er gelte als Sanierungsexperte, der Firmen erfolgreich durch die Insolvenz geführt habe. Als Referenzen nannte Dulig Sinn Leffers, Strauss und MG Rover. Die Staatsregierung werde den Prozess aktiv begleiten.

Grüne: Krise war abzusehen

Grünen-Politiker Gerd Lippold hatte Dulig zuvor in der Landtagsdebatte vorgeworfen, nicht gut über die Situation des Unternehmens informiert gewesen zu sein. "Wirklich schockiert hat mich, Herr Minister, dass Sie sich davon überrascht gezeigt haben. Es habe sie 'kalt erwischt'. Wie konnte das passieren? (...) Jahresabschlüsse und Quartalsberichte sind ja öffentlich, die Krise kam nicht plötzlich." Nun soll es dem wirtschaftspolitischen Sprecher der Grünenfraktion zufolge darum gehen, sich "zu kümmern" und unter anderem Kontakte zur EU und Investoren zu suchen.

Der energiepolitische Sprecher der Unionsfraktion, Lars Rohwer, betonte, dass die Solar-Branche nun zeigen müsse, dass sie konkurrenzfähig ist. "Wir können Branche nicht retten mit Subventionen, nach dem Gießkannenprinzip." Nun sei Wettbewerb an der Tagesordnung, das sage auch das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

AfD sieht Seifenblase zerplatzen

Der AfD-Abgeordnete Jörg Urban brachte die Abneigung seiner Fraktion gegenüber der subventionierten Solarindustrie zum Ausdruck. Solarworld lebe überhaupt erst durch politische Unterstützung und Lobbyismus. "Photovoltaik war nie wirtschaftlich." Nun platze eine Seifenblase.

Der Solarhersteller hatte am 12. Mai Insolvenz beantragt. In Freiberg werden neben Solarzellen vorrangig Wafer (Halbleiter-Scheiben) und Solarmodule hergestellt. Über 1.200 Menschen sind am Freiberger Standort beschäftigt. Der Mutterkonzern hat seinen Sitz ist Bonn.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.05.2017 | 13:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 18.05.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2017, 16:28 Uhr

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