Sonderausstellung | Bis 30. April : Dresdner Militärmuseum beleuchtet Stalingrad-Schlacht
Seine erste Sonderausstellung widmet das neue Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden einer der größten Schlachten des Zweiten Weltkriegs - der Schlacht um Stalingrad vor 70 Jahren. Museumsdirektor Matthias Rogg sagte: "Für viele Menschen ist Stalingrad bis heute das Symbol für die Wende des Krieges. Das ist es mit Sicherheit nicht. Es war psychologisch eine Wende, aber nicht strategisch."
Die Schau mit dem Titel Stalingrad ist seit 15. Dezember für Besucher offen. Sie beleuchtet die Schlacht aus deutscher und russischer Perspektive und lässt Soldaten zu Wort kommen - anhand ihrer Feldpostbriefe. In einem der Briefe hat beispielsweise ein Wehrmachtssoldat russisches Steppengras in die Heimat geschickt und den für ihn ungewöhnlichen Geruch seiner Familie beschrieben. Ein anderer Soldat hatte eine Flussmuschelschale aus dem Don seinen Angehörigen geschickt.
600 Exponate aus Deutschland und Russland
Rogg ist stolz: "Es ist das erste Mal überhaupt, dass Stalingrad umfassend in einer großen historischen Ausstellung gezeigt wird", sagt er. Für die Ausstellung trug das erst im Oktober 2011 wiedereröffnete Museum rund 600 Exponate aus Deutschland und Russland zusammen. Zu sehen sind Uniformen, Geschütze, Militärfahrzeuge, Karten, Fotos und zahllose - teils äußerst persönliche - Dokumente. An Medienstationen können unter anderem Feldpostbriefe gelesen werden. Als besonders beeindruckendes Exponat hebt Rogg das Original der sogenannten Stalingradmadonna hervor. Sie gilt als eine der Ikonen in der Erinnerung an die Kesselschlacht von 1942/43. Ihr Schöpfer ist der Pfarrer und Arzt Kurt Reuber. Er zeichnete die Madonna zu Weihnachten 1942 im Kessel von Stalingrad auf die Rückseite einer russischen Landkarte. Das Bild hängt normalerweise in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.
Stalingrad: Synonym für Hunger, Kälte, Krankheit und Tod
Kurator Jens Wehner sagte, der Kampf um die Stadt mit dem Namen des sowjetischen Diktators Stalin - heute Wolgograd - sei schon damals ein "richtiges Medienereignis" gewesen. "Jeden zweiten oder dritten Tag war Stalingrad in den Medien." Das sei vor allem der Grund, warum die Schlacht noch immer so stark in Erinnerung sei.
Erst mit der Einkesselung von 200.000 deutschen Soldaten sowie gut 10.000 verbündeten Rumänen und Kroaten durch die Rote Armee wurde die deutsche Propaganda stiller. Nachdem sie die Stadt fast erobert hatten, mussten die deutschen Truppen Anfang Februar 1943 aufgeben. Weitgehend von der Versorgung abgeschnitten waren viele Soldaten schon vorher an Hunger, Kälte und Krankheiten gestorben. Symbol dafür ist in der Ausstellung das Präparat eines amputierten Fußes mit einer erfrorenen Ferse.
Museum rechnet mit vielen russischen Besuchern
Für die Ausstellung mit dem für Deutsche und Russen noch immer schwierigen Thema kooperierte das Bundeswehrmuseum mit Einrichtungen in Wolgograd, Moskau und St. Petersburg. Rogg erinnert sich, es sei schon einige Zeit notwendig gewesen, um für Vertrauen zu werben. Kontakte knüpften die Dresdner noch vor Wiederöffnung des einstigen Armeemuseums im Norden der sächsischen Landeshauptstadt. Nach anfänglichem Zögern hätten die russischen Partner aber doch der Zusammenarbeit zugestimmt, erzählt Rogg. Leihgaben wurden zur Verfügung gestellt, soweit dies unter konservatorischen Gesichtspunkten unproblematisch war. Die Ausstellung soll zwar später nicht komplett in Russland gezeigt werden - dennoch bot das Dresdner Museum an, Medienstationen nach Ende der Sonderschau am 30. April 2013 nach Wolgograd zu geben. "So kann die Ausstellung ein bisschen weiter leben", sagt der Direktor.
Die Ausstellungsmacher rechnen damit, dass auch viele Russen zu der Sonderausstellung nach Dresden kommen werden. Deshalb werden auch russischsprachige Führungen angeboten. Zudem wirbt die Dresdner Tourismus-Marketinggesellschaft für die Stalingrad-Schau. Rund um den Jahreswechsel strömen ohnehin Tausende Russen traditionell nach Dresden.
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Die Schlacht um Stalingrad
Die Schlacht um Stalingrad dauerte von Ende August 1942 bis Anfang Februar 1943. Rund 150.000 deutsche Soldaten fielen dem Kampf, der Kälte und dem Hunger zum Opfer. Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums gerieten rund 91.000 Mann in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der nur 6.000 Überlebende bis 1956 nach Deutschland zurückkehrten.
Service-Info
Stalingrad
Militärhistorisches Museum Dresden
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01099 Dresden
+49 (351) 823 -2803
+49 (351) 823 -2805
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