Sachsen

Dresden : Stipendium erinnert an ermordete Ägypterin Marwa El-Sherbini

Mit einem Hochschulstipendium soll an die 2009 aus fremdenfeindlichen Motiven im Landgericht Dresden ermordete Marwa El-Sherbini erinnert werden. Oberbürgermeisterin Helma Orosz sagte, das Stipendium, das den Namen der Ägypterin trägt, soll Masterstudenten an einer der Hochschulen der Stadt mit monatlich 750 Euro unterstützen. An der Finanzierung ist der Freistaat Sachsen zur Hälfte beteiligt. Es soll das erste Mal zum Wintersemester 2012/13 vergeben werden. Zuvor muss der Stadtrat noch zustimmen.

Stipendium statt Straßenname als Zeichen für Weltoffenheit

Marwa El-Sherbini mit ihrem Mann am Tag der Hochzeit.
Marwa El-Sherbini mit ihrem Mann am Tag der Hochzeit. Der Witwer soll zur Übergabe des ersten Stipendiums nach Dresden kommen.

Die Landeshauptstadt will mit dem Stipendium ihre Weltoffenheit dokumentieren. Unlängst war dieser Versuch misslungen: Ein Stück Straße in der Nähe des Landgerichts, in dem die Frau umgebracht wurde, sollte nach Marwa El-Sherbini benannt werden. Der Vorschlag fand im Stadtrat jedoch nicht die notwendige Mehrheit, war vor allem an der CDU gescheitert. Deren Fraktionschef Georg Böhme-Korn hatte später mit dem Hinweis auf diese Pläne davor gewarnt, die Stadt mit einem "Netz der Schande" zu überziehen. Diese Aussage sorgte bundesweit für Entsetzen.

In Dresden gibt es bereits einen Platz, der den Namen Jorge Gomondais trägt. Der Mosambikaner war 1991 aus einer fahrenden Straßenbahn gestürzt und starb an den Folgen. Zuvor war er von einer Gruppen rechtsgerichteter Jugendlichen bedrängt und beleidigt worden. Mit dem Stipendium sind nun die Pläne für eine weitere Straßenumbennung zu Ehren eines Rassimusopfers vom Tisch.

Witwer der Ermordeten soll zur Stipendienvergabe kommen

Kriterien für die Vergabe des Stipendiums seien unter anderem gute Studienleistungen, aber auch interkulturelle Kompetenz, teilte Orosz mit. Über die Vergabe des Stipendiums, das vorerst alle zwei Jahre ausgelobt wird, entscheidet ein Kuratorium, in dem unter anderem die Oberbürgermeisterin, Regierungsvertreter sowie die Ausländerbeauftragten von Stadt und Land zusammenarbeiten.

Der CDU-Politiker zufolge sollte das erste Stipendium an einen Bewerber aus dem Bereich der Biotechnologie vergeben werden. Das ist das Arbeitsgebiet, auf dem der Ehemann von Marwa El-Sherbini damals in Dresden tätig war. Dieser freue sich über das Stipendium, sagte Orosz. Es werde versucht, ihn dabei zu haben, wenn das erste Stipendium vergeben wird.

Der Vorsitzender des Dresdner Ausländerrats, Sebastian Vogel, bezeichnete im Gespräch mit dem MDR das Stipendium "als nette Idee". Es handele sich jedoch allenfalls um ein "Feigenblatt" und nicht um ein adäquates Mittel, den Mord aus Ausländerfeinlichkeit aufzuarbeiten. Der Verein werde sich weiterhin dafür einsetzen, Marwa El-Sherbini öffentlich zu gedenken. Neben einer Tafel im Landgericht gibt es alljährlich um den Jahrestag der Tat herum eine ganze Woche mit multikulturellen Veranstaltungen in der Stadt. Zudem will der Ausländerrat auch einen Gedenkstein oder die Umbenennung einer der in Dresden durchnummerierten Schulen an einem Runden Tisch diskutieren, kündigte Vogel an.

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2012, 21:56 Uhr

1. Heiko Steinmann:
Ganz nette Idee, da stimme ich Herrn Vogl zu. Leider jedoch 'zu wenig, zu spaet'. Die Frau ist tot, der Mann Witwer, ein Kind hat seine Mutter verloren.
17.07.2012
02:00 Uhr

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