Sachsen

Straßenbau in Sachsen : Verkehrsminister: Erhalt geht künftig vor Neubau

Sachsen steuert beim Straßenbau um. Wie Verkehrsminister Sven Morlok am Mittwoch mitteilte, soll langfristig mehr Geld in den Erhalt als in den Neubau investiert werden. Seit 1990 seien etwa 30 Milliarden Euro in die Verkehrswegeinfrastruktur des Freistaats geflossen, sagte der Minister bei der Vorstellung der Richtlinien für einen neuen Landesverkehrsplan. Über die Hälfte davon wurde demnach in das mittlerweile sehr gut ausgebaute Straßennetz gesteckt. Nur an einigen Stellen müssen Morlok zufolge noch Lücken geschlossen werden.

Bauprojekte auf dem Prüfstand, Herabstufungen geplant

Der Minister wies gleichzeitig darauf hin, dass in der Vergangenheit zu wenig Geld in den Erhalt der Straße geflossen sei. Dies müsse nun geändert werden. Erst Maßnahme: Die Mittel für Unterhalt und Instandsetzung vorhandener Trassen sollen von derzeit etwa 40 auf 60 Millionen Euro pro Jahr ab 2013 aufgestockt werden. Zudem kommen die Planungen für den Neu- oder Ausbau von Staatsstraßen komplett auf den Prüfstand. Nach Angaben von Morlok handelt es sich um 140 Projekte.

Die Ergebnisse der Überprüfungen fließen in den Landesverkehrsplan ein, in dem die verkehrspolitischen Ziele in Sachsen bis 2025 festgeschrieben werden sollen. Bei dessen Erarbeitung steht zunächst der Straßenbau im Mittelpunkt. Dazu will das Verkehrsministerium in den kommenden Wochen mit den Landkreisen sprechen. Der Grund: Morlok will Straßen in die Verantwortung der Kommunen abgeben, also Staats- zu Kreisstraßen herabstufen. Er begründet dies mit dem Bau neuer Bundesstraßen und Autobahnen sowie dem Rückgang von Bevölkerung und Verkehr.

Werden Standards gesenkt?

Sven Morlok
Minister Morlok schließt geringere Standards bei der Straßensanierung nicht aus.

Konkrete Zahlen und genaue Projekte zur Struktur des Straßennetzes nannte der Minister nicht, verwies aber darauf, dass der Freistaat künftig mit weniger Geld von der Europäischen Union auskommen muss. Mit diesen Mitteln werden Neubauprojekte bisher zum größten Teil finanziert. Da Sachsen bald mehr Landesmittel beisteuern muss, stellt der Minister nicht nur Neubauprojekte, sondern auch die Standards für die Erneuerung vorhandener Straßen infrage. Nicht alles könne "künftig de luxe ausgebaut oder saniert werden", sagte Morlok. An Schlüsselprojekten wie der Verbindung der Autobahnen A72 und A4 westlich von Zwickau sowie einer Ostumfahrung Dresdens von der A17 zur A4 will Morlok aber nicht rütteln.

"Erhalt muss vor Neubau gehen."

Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Sven Morlok

Grüne beklagen Nachholbedarf bei Bahnen, Bussen und Radwegen

Eva Jähnigen
Eva Jähnigen fordert bei der Planung mehr Gleichberechtigung von Bahn, Bus und Rad neben dem Auto.

Der neue Landesverkehrsplan soll im Sommer kommenden Jahres vom Kabinett verabschiedet werden. Kritik gibt es aber schon jetzt. Nach Ansicht der SPD-Landtagsfraktion reicht die geplante Aufstockung der Mittel für den Straßenerhalt bei Weitem nicht aus. Ihr verkehrspolitischer Sprecher Mario Peche verwies auf Winterschäden im Umfang von mehr als 100 Millionen Euro. Seine Grünen-Kollegin Eva Jähnigen warf dem Minister vor, falsche Prioritäten zu setzen. Isoliert mit der Planung des Straßennetzes zu beginnen, sei ein Fehler. So bleibe der immense Nachholbedarf bei Eisenbahn, Bussen, Straßenbahnen und Radverkehrsanlagen bestehen. Nach Ansicht Jähnigens müssten die Planungen für die verschiedenen Verkehrsträger besser miteinander vernetzt werden, um gewünschte Verlagerungseffekte zu erreichen.

"Erst schläft der Minister Monate lang, dann packt er die Erstellung des Landesverkehrsplans falsch an."

Eva Jähnigen, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Sächsischen Landtag.

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2011, 20:28 Uhr

Das sächsische Straßennetz

In Sachsen gibt es 531 Kilometer Autobahnen, 2.433 Kilometer Bundesstraßen, 4.782 Kilometer Landesstraßen (Staatsstraßen) und 5.852 Kilometer Kreisstraßen. Damit kommen im Freistaat auf einen Quadratkilometer Fläche 738 Meter solcher Straßen, bundesweit sind es im Schnitt 647 Meter. Dafür liegt der Autobahnanteil in Sachsen unter dem Bundesdurchschnitt. Seit 1991 flossen insgesamt 30 Milliarden Euro ins gesamte sächsische Verkehrswegenetz. 16,8 Milliarden davon wurden für den Bau oder die Sanierung von Straßen verwendet.

Quelle: Landesverkehrsministerium Sachsen

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