Kinderbetreuung in Not In Sachsens Kitas fehlen Erzieherinnen

Sachsens Kindertagesstätten haben viel zu wenige Erzieherinnen. In einer Mitteilung zum "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann Stiftung heißt es, eine Betreuerin müsse sich durchschnittlich um 6,6 Kinder unter drei Jahren kümmern. Darunter leide die Qualität der Kitas, hieß es. Die Experten empfehlen für diese Altersgruppe drei Kinder pro Betreuer. Bei der Altersgruppe ab drei Jahren ist eine Erzieherin durchschnittlich für 13,5 Kinder zuständig, das sind vier Kinder mehr als im Bundesdurchschnitt.

Die Erziehungsgewerkschaft GEW erklärte, Sachsen sei von angemessenen Betreuungsverhältnissen in Kitas weit entfernt und gehöre sowohl im Krippenbereich, als auch für Kinder ab 3 Jahren zu den Schlusslichtern im bundesweiten Vergleich. Lutz Stephan, der stellvertretende GEW- Landesvorsitzender: "Die Personalschlüssel für Kitas in Sachsen ermöglichen weder ein kindgerechtes noch ein pädagogisch sinnvolles Betreuungsverhältnis."

Fachleute sehen auch Bund in der Pflicht

Nach Berechnungen der Stiftung seien insgesamt 16.700 zusätzliche Erzieherinnen im Freistaat erforderlich. Das würde die Personalkosten um 730 Millionen Euro pro Jahr erhöhen - und damit mehr als verdoppeln. Stiftungsvorstand Jörg Dräger erklärte: "Das ist eine gewaltige Kraftanstrengung, die sich aber lohnt, weil die Kita-Qualität entscheidend ist für gutes Aufwachsen und faire Bildungschancen aller Kinder." Die Experten fordern daher mehr finanzielle Unterstützung des Bundes. Bundesweit werden der Studie zufolge in Kindertageseinrichtungen zusätzlich rund 120.000 Erzieher benötigt. Damit zusätzliche Erzieher eingestellt werden können, rechnet die Stiftung mit Mehrkosten von rund fünf Milliarden Euro pro Jahr.

"Der Kita-Rechtsanspruch hat die Bundesländer gezwungen, die Quantität der Kita-Plätze zu erhöhen. Nun sollte ein Bundes-Kita-Gesetz dafür sorgen, dass auch überall die Qualität stimmt", sagte Dräger weiter.

Ministerium räumt Handlungsbedarf ein

Da gebe es nichts zu beschönigen, die Situation ist beklagenswert, sagte Dirk Reelfs, Sprecher  des Kultusministeriums, MDR 1 RADIO SACHSEN.  Man habe zunächst den gesetzlichen Kita-Anspruch umsetzen und dafür viel Geld einsetzen müssen, so der Sprecher. Nun werde man sich der personellen Situation zuwenden. Einen ersten Schritt hat die Regierung bereits getan. Die Kita-Pauschale wurde erhöht: Die sächsischen Kommunen bekommen künftig  pro Jahr und  Kind  2.060 Euro -  185 Euro mehr.

Es wird darüber hinaus einen zweiten Schritt geben, sagte Reelfs. Dieser habe ausschließlich das Ziel, die Betreuungsverhältnisse in den Kitas zu verbessern.   Das Kabinett  wird darüber im Herbst entscheiden.  Denkbar wäre eine Erweiterung des Programms "Kita-Qualität", sagte der Ministeriumssprecher. Dabei bekommen die Träger  sogenannter  Brennpunkt-Kitas Geld, um zusätzliches Personal einzustellen. 

Erst Mitte Juli hatten die Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Chemnitz auf die angespannte Situation in den Kindertagesstätten aufmerksam gemacht. Um hohe Qualitätsansprüche in den Einrichtungen zu gewährleisten, müssen sich dringend die Rahmenbedingungen für das Personal ändern, lautete dabei eine zentrale Forderung.

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2014, 21:37 Uhr

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9 Kommentare

26.07.2014 18:12 Dani 9

@Peter: Logisch, aber Sie sollten etwas mehr für die Zukunft der jungen Generation übrig haben. Das heißt, es müssen allgemein mehr Mittel für diesen Bereich zur Verfügung gestellt werden. Diese unfähige Landesregierung spart seit Jahren an den verkehrten Stellen, mit der Folge das weiterhin junge und gut ausgebildete Fachkräfte das Land verlassen.
Unsere "Volksvertreter" sollten lieber auf die jährliche Erhöhung ihrer Diäten bzw. die überflüssige und völlig geistlose Wahlwerbung verzichten. An dem Punkt können wir Millionen sparen.

26.07.2014 12:51 A. 8

WO ist die viel beschworene INKLUSION??? Habe HPZ, aber keine Chance, Arbeit zu bekommen in KITA oder HORT?????!!!!!!

25.07.2014 22:19 saxonia 7

Es mangelt an Lehrern und erzieherinnen in den Kitas ,bei d er Polizei wird auch eingespart ohne Ende,den Hochschulen werden Mitte gekürzt und und und..........

Liebes Wahlvolk, jagt diese Regierung in Sachsen aus dem Landtag ehe hier noch alles dehn Bach runtergeht und sich unsere CDU-Fürsten nur Beweihräuchern gegenseitig um ihren Stuhl unterm [...] zu behalten....jagt sie am 31.August alle raus aus dem Landtag ....alle
[Löschung einer Formulierung wegen eines Verstoßes gegen die Komm.-Richtlinien - MDR.DE_Redaktion]

25.07.2014 22:00 Peter 6

@ Linkenanhänger: Und mit den Linken fallen die gebratenen Tauben vom Himmel oder was?! Auch die können nicht zaubern und würden ganz schnell in der Realität ankommen. Das würde denen und ihren Anhängern zwar gut tun aber es wäre schade um den Freistaat Sachsen!

25.07.2014 17:44 Strolch 5

Sicher fehlen Fachkräfte, doch ich bin selber Erzieherin und laut Personalschlüssel dürfen gar nicht mehr Erzieher arbeiten. Bei uns sieht es manchmal so aus, dass 3 Erzieherinnen 30 Krippenkinder betreuen. Das darf nicht sein!!! Es muss unbedingt etwas am Personalschlüssel geschehen!!!

25.07.2014 15:10 Linkenanhänger 4

Wenn schon die Lehrer fehlen warum soll es bei den Kitaerziehern anders sein? Wann merkt die Bevölkerung Sachsens, dass die Bildung im Freistaat dem BACH runter geht bei dieser Sparpolitik: ABWÄHLEN!!!!!!!!

25.07.2014 12:58 Andreas 3

Das Sachsen mit den schlechtesten Betreuungsschlüssel in Deutschland hat ist hinlänglich bekannt. Fallen in einer Einrichtung nun noch Erzieher längere Zeit wegen Krankheit aus, was bei dieser Belastung doch häufig vorkommt, kann von Betreuung keine Rede mehr sein. Ich hoffe das sich hier bald etwas ändert und der Schlüssel recht bald erhöht wird...

25.07.2014 09:41 A. 2

Ich warte schon seit 2 Jahren darauf, dass die Qualifikationsverordnung gändert wird - es ist Irrsinn, dass ich als arbeitslose Lehrerin mit HPZ nicht mal in Hort und Kita arbeiten darf - KEINE CHANCE wegen dieser Rechtsvorschrift! Es gibt doch überall "Seiteneinsteiger" - z. B. Frau von der Leyen, ...!

25.07.2014 08:23 Steinbock 1

Wir haben in Sachsen jede menge junge Leute die zur Staatliche anerkannten Kinderpfleger ausgebildet wurden.
Bekommen jedoch in Sachsen keinen Job da es keinen Personalschlüssel gibt. Dadurch werden diese Menschen gezwungen in die alten Bundesländer zu gehen un Arbeit zu haben.
Hier hat unser Landtag geschlafen.
Und dann betteln diese die Menschen sollen hier bleiben, nur wie ohne Perspektive.