Sachsen

NSU-Spur in die Rockerszene? : Bundesanwaltschaft zweifelt an DNA-Beleg

Eine mögliche Verbindung der Neonazi-Terrorzelle NSU zur kriminellen Rockerszene ist von der Bundesanwaltschaft in Frage gestellt worden. Zwar bestätigte die Behörde den Fund einer übereinstimmenden DNA-Spur im Versteck der Terrorzelle in Zwickau und auf einer Patronenhülse in Berlin, hält die Entdeckung aber nicht für einen hinreichenden Beleg.

Ein Sprecher sagte, eine überprüfte DNA-Spur sei nur wenig aussagekräftig. Außerdem belegten die wenigen Merkmalsübereinstimmungen nicht zweifelsfrei, dass die beiden Spuren tatsächlich von derselben Person stammen. Darüber hinaus hätten die bisherigen Ermittlungen "keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Verbindungen" zwischen den Rechtsterroristen und dem Rockermilieu ergeben. Das Material werde aber weiter überprüft.

Übereinstimmende DNA-Spur gefunden

"Spiegel online" und die Nachrichtenagentur dpa hatten zuvor übereinstimmend von Hinweisen berichtet, die ins Berliner Rocker-Milieu führen. Demnach waren nach einer Schießerei vor einem Clubhaus der Bandidos am 5. Juli auf einer Patrone DNA-Spuren gefunden worden, die teilweise mit Spuren aus dem letzten Versteck des Zwickauer Terror-Trios übereinstimmen. "Spiegel online" zufolge wurden die Fragmente in Berlin auf einer Patronenhülse und in Zwickau auf einer Diskette sichergestellt. Nun müsse ein Gutachten abgewartet werden, um zu klären, ob die DNA zu ein und derselben Person gehört.

Bei der Schießerei im Wedding waren zwei Männer verletzt worden, die aber untertauchen konnten. Die Ermittler nehmen an, dass es um Auseinandersetzungen zwischen Bandidos und Hells-Angels ging. Bekannt ist, dass es zwischen der Rocker- und der rechtsextremistischen Szene Verbindungen und Überschneidungen gibt. Engere Verbindungen wurden bislang aber nicht angenommen.

Gesucht werden Helfer und Helfershelfer

Die drei mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe waren im November vergangenen Jahres aufgeflogen. Mundlos und Böhnhardt töteten sich selbst. Zschäpe sprengte noch die zuletzt bewohnte Wohnung in Zwickau in die Luft, um möglichst viele Spuren zu beseitigen. Wenige Tage später stellte sie sich bei der Polizei und sitzt seither in Untersuchungshaft. Den drei Mitgliedern des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) wird vorgeworfen, mindestens zehn Menschen getötet zu haben.

Rockermilieu im Visier der Ermittler

Wegen Verstrickungen ins Rotlicht-Milieu und den Drogen-und Waffenhandel sind die Rockerklubs seit Längerem verstärkt unter der Beobachtung der Behörden. In den vergangenen Monaten gab es in mehreren Bundesländern Großrazzien bei den "Hells Angels", den "Bandidos" und dem "Gremium MC", die zumindest zum Teil der organisierten Kriminalität zugerechnet werden. Ihre Revierkonflikte tragen sie gewaltsam aus, wobei es Verletzte und auch schon Mordanschläge gegeben haben soll. Mehrere regionale Ableger wurden inzwischen verboten.

Experte hält einzelne Verbindungen möglich

Der Rechtsextremismus-Experte Bernd Wagner sagte dem RBB-Inforadio, es gebe schon "seit vielen, vielen Jahren" enge Verquickungen zwischen Personen, die sowohl im politischen Rechtsextremismus als auch im Bereich der Rocker-Kriminalität aktiv seien. Es gebe "Schlüsselpersonen in diesem Feld, die teilweise eine rechtsradikale bis schwer gewalttätige rechtsextremistische Vergangenheit haben", sagte der Gründer der Aussteiger-Initiative "Exit". Strukturelle Verbindungen sehe er aber nicht.

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Zuletzt aktualisiert: 22. September 2012, 16:14 Uhr

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