Konflikt in Mali : Funkstille zwischen Timbuktu und Chemnitz
Wegen politischer Unruhen in Mali ist der langjährige Austausch von Chemnitz mit seiner Partnerstadt Timbuktu stark beeinträchtigt. Nach Angaben von Anett Raupach von Chemnitz-Timbuktu e.V. kam der letzte Kontakt im Dezember letzen Jahres durch einen Brief vom Bürgermeister Timbuktus zustande. Auch die dringend nötige humanitäre Hilfeleistung sei derzeit erschwert. Der letzte Geldtransfer konnte im Januar organisiert werden. Man arbeite eng mit den vor Ort ansässigen Hilfsorganisationen Cri de coeur und dem Roten Kreuz zusammen. "Die Rebellen dulden deren Arbeit zum Teil", erklärt Raupach.
Die Gelder werden für die Sicherung des Überlebens gebraucht: "Die Menschen brauchen Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente". Langfristige Entwicklungsprojekte seien zunächst auf Eis gelegt. Die für 2012 geplanten Aktivitäten sind daher bis auf Weiteres nicht umsetzbar. Dazu gehörte unter anderem ein Solarprojekt, Hilfen für Schulen und Krankenhäuser sowie eine Schulpartnerschaft.
Karl Marx in Timbuktu
Seit 1968 ist Timbuktu Partnerstadt von Chemnitz - damals noch Karl-Marx-Stadt. Zu dieser Zeit sollte die Solidarität der sozialistischen Staaten gestärkt werden. Einer Anekdote zufolge entschied man sich in Mali - wo man mit dem Sozialismus sympathisierte - aufgrund des wohl klingenden Namens Karl Marx für die Partnerschaft. Die ostdeutsche Bezirksstadt schenkte Timbuktu ein Kino, die längste Straße der malischen Stadt bekam den Namen "Rue de Karl-Marx-Stadt". Nach der Wende wurde die Städtepartnerschaft neu belebt. Ein Chemnitzer Verein zur Beziehungspflege gründete sich. Zum 50. Unabhängigkeitstag Malis im Jahr 2000 lud man eine Chemnitzer Delegation ein. Die brachte auch einen neuen Straßennamen mit: Die Karl-Marx-Straße wurde umgetauft in "Rue de Chemnitz". Außerdem pflanzten die Chemnitzer Bäume und richteten eine Solaranlage für eine Klinik ein.
Land in Aufruhr
Seit April ist der Norden Malis nach einem Putsch unter Kontrolle mehrerer Extremisten- und Rebellengruppen. Die ideologische Ausrichtung und politische Zielsetzung der Gruppen untereinander ist heterogen. Sie eint der Kampf gegen die Zentralregierung. Auch das 1.000 Jahre alte Timbuktu wurde von Aufständischen eingenommen. Im Sommer zerstörten die Rebellen jahrhundertealte Grabstätten, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählten.
Der Konflikt in Mali
Mit einem Putsch im März 2012 übernahmen islamistische Gruppen die Kontrolle der drei Nordprovinzen im westafrikanischen Mali. Sie entmachteten den Präsidenten Amadou Toumani und führten dort das muslimische Rechtssystem Scharia ein. Der Süden steht seitdem unter der Kontrolle des Übergangspräsidenten Dioncounda Traoré, der den Islamisten mit Krieg drohte. Im Januar verschärfte sich die Situation weiter. Die islamistischen Gruppen verbündeten sich und begannen eine Offensive im Süden. Als sie die strategisch wichtige Stadt Konna einnahmen, startete die malische Armee einen Gegenschlag. Nach einem Hilferuf von Traoré griff Frankreich am 11. Januar militärisch ein. Der UN-Sicherheitsrat hatte im Oktober einen Truppeneinmarsch der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS gebilligt, der aber bis heute keine Umsetzung fand.
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