Sachsen

Leipzig : Urteil gegen mutmaßlichen Sexverbrecher vertagt

Am Landgericht Leipzig ist der Prozess gegen einen mutmaßlichen Sextäter vertagt worden. Vladislav B. wird vorgeworfen, in insgesamt drei Fällen junge Mädchen mit K.O.-Tropfen betäubt und danach vergewaltigt zu haben. Eigentlich sollte am Freitag das Urteil gesprochen werden, aber der Verteidiger zweifelte ein Gutachten zum Einsatz des Betäubungsmittels an, sodass jetzt ein neues erstellt werden soll. Sicher nachgewiesen werden konnte dagegen der Geschlechtsverkehr bei den Opfern. Der Angeklagte bestreitet jedoch sowohl den Einsatz der K.O.-Tropfen als auch die Vergewaltigungen.

Erster Versuch konnte noch vereitelt werden

Bereits im April 2009 soll der heute 23-Jährige das erste Mal zugeschlagen haben. Dabei hatte das Opfer noch Glück im Unglück. Vladislav lud sein späteres Opfer zu einem gemeinsamen Abend mit einem Freund ein. Die damals 15-jährige Nancy stimmte zu, da sie Vladislav gut kannte. Die drei verbrachten den Abend in der Wohnung eines Freundes in Liebertwolkwitz, sahen fern, tranken etwas Alkohol. "Ich konnte nicht sehen, wie die Getränke zubereitet wurden oder was ich zu trinken hatte. Mir wurde schwindelig und übel, danach kann ich mich an nichts mehr erinnern", erzählt Nancy. Vermutlich betäubte der gebürtige Ukrainer das Mädchen mit K.O.-Tropfen. Nancy wurde bewusstlos, aufgewacht ist sie in der Notaufnahme.

Laut Zeugenaussage soll der mutmaßliche Täter Nancy in das Schlafzimmer gebracht haben, um sie zu vergewaltigen. Die Tat konnte verhindert werden. Nachbarn verständigten die Polizei, da sie laute Schreie von dem Mädchen wahrnahmen. Die 15-Jährige zeigte den Mann wegen versuchter Vergewaltigung an.  

Das hielt ihn aber nicht davon ab, weitere Straftaten zu begehen. Vladislav B. soll in drei weiteren Fällen, am 28. April, 12. Mai und 3. Juni 2010, jungen Mädchen K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt haben. Anschließend soll er seine Opfer in eine Wohnung gebracht und sie dort vergewaltigt haben.

Nachweisbarkeit sinkt mit jeder Stunde

Sogenannte K.O.-Tropfen werden häufig gezielt eingesetzt, um Frauen gefügig zu machen. Dabei spielt das farb- und geruchslose Mittel GHB eine maßgebliche Rolle. "Die Wirkstoffe, die geeignet sind, um diese Ziele zu erreichen, sind Schlafmittel, illegale Drogen oder Pflanzenwirkstoffe", erklärt Dr. Heiner Trauer von der Forensischen Toxikologie der Universität Leipzig. "GHB war ursprünglich ein Narkosemittel, seit vielen Jahren wird es aber auch als Rausch- bzw. Partydroge verwendet. Es eignet sich aufgrund seiner Eigenschaften dazu, es anderen unter ein Getränk zu mischen."

Die  Nachweisbarkeit von K.O.-Tropfen sei gut, wenn zeitnah nach der Tat Blut- und Urinproben untersucht würden. "Häufig kommen solche Fälle aber erst nach zwei oder drei Tagen zur Anzeige, da sind die Substanzen schon wieder ausgeschieden", erläutert Dr. Trauer. Denn der Einsatz von GHB kann zu einem Gedächtnisverlust führen. Die Frauen können sich nicht mehr erinnern, was mit ihnen geschehen ist und warten einige Tage mit einer Strafanzeige oder einem Arztbesuch.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter und seinen 20-jährigen Komplizen Daniel P. begann bereits im September 2011. Wenn Nancy an den Täter denkt, empfindet sie Hass, Angst und Wut. "Vom Urteil erwarte ich mir, dass er die Strafe bekommt, die er verdient", sagt Nancy. Die beiden Männer erwartet eine Freiheitsstrafe. Nach der Vertagung wird allerdings frühestens in einigen Wochen ein Urteil gefällt.

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2012, 17:39 Uhr

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