Autofahrer im Auto
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Senioren am Steuer Ältere in Sachsen bauen immer mehr Unfälle

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Senioren ab 65 Jahren verursachen in Sachsen immer mehr Verkehrsunfälle mit Personen- oder Sachschaden. Das geht aus Daten des Statistischen Landesamtes hervor, die MDR SACHSEN vorliegen. Demnach verdoppelte sich in dieser Altersgruppe seit 2001 die Zahl der Unfälle mit Toten und Verletzten auf 1.549. Schwere Unfälle mit Sachschäden wurden von den über 65-Jährigen fast dreimal so viele verursacht - immer häufiger unter Einfluss von Alkohol.

Weniger junge Raser

Die jüngeren Autofahrer von 18 bis unter 25 Jahre sind demnach vernünftiger geworden. Hatten sie 2001 noch über 4.300 Unfälle verursacht, waren es 2015 nur noch etwa ein Viertel davon (1.160). Alkohol als Ursache für schwere Unfälle ist in der Altersgruppe ebenfalls deutlich zurückgegangen. Auch wenn man berücksichtigt, dass sich die Zahl der 18-25-Jährigen in dem Zeitraum in Sachsen fast halbiert hat, ist der Rückgang der Unfallzahlen bei den Jungen auffällig. Diese Gruppe galt bisher landläufig als Hochrisikogruppe im Straßenverkehr.

Die Zahl der über 65-Jährigen ist in Sachsen 2015 fünf mal so groß gewesen wie die Gruppe der Jungen und lag bei über einer Million. Im Vergleich zu 2001 ist die Altersgruppe um knapp 180.000 gewachsen.

Verbindliche Tests für Senioren?

freiwilliger Fahrtest
Fahrtests ab 70 sind in einigen europäischen Ländern Pflicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Forderungen nach Fahrtests für Ältere lehnt das sächsische Verkehrsministerium bisher ab. Auf Nachfrage von MDR "Fakt ist!" sagte ein Sprecher: "Die Fahreignung älterer Autofahrer muss differenziert beurteilt werden. Ob und welche altersbedingten Einschränkungen vorliegen, ist individuell sehr unterschiedlich. Sie können auch durch die größere Erfahrung und Vorsicht der Senioren ausgeglichen werden!" Das Lebensalter allein rechtfertige daher noch keine Zweifel an der Fahrkompetenz der Senioren.

Auch die Autoclubs halten wenig von gesetzlichen Vorschriften eigens für Ältere. Bei Fahreignungsprüfungen bestehe nämlich die Gefahr, dass die Ergebnisse nicht realistisch widerspiegelten, ob jemand noch fahren könne, sagte ADAC-Expertin Barbara Reeh. Der ADAC bevorzuge regelmäßige und freiwillige ärztliche Untersuchungen. Denn im vertraulichen Arztgespräch könne am besten geklärt werden, ob aus etwaigen Alterserscheinungen Konsequenzen gezogen werden müssen, sagte Reeh. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat setzt ebenfalls auf freiwillige Beratungs- und Trainingsangebote.

Versicherer wollen Fahrtests

Unfallforscher fordern seit Jahren verbindliche Fahrtests für Senioren. Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Versicherer sagte: "Ältere Autofahrer merken oft nicht, dass sie ein Risiko für sich und andere geworden sind. Wir brauchen eine Beratung durch geschulte Begleiter - zur Not auch verpflichtend." Senioren über 75 verursachten schon heute drei von vier Unfällen, in die sie verwickelt seien.

Hände am Lenkrad eines Autos
Immer mehr Ältere verzichten freiwillig aufs Auto. Bildrechte: colourbox.com

In einigen europäischen Staaten wie Norwegen, Schweden oder den Niederlanden sind ärztliche Untersuchungen deshalb für Autofahrer ab 70 längst Pflicht. In Spanien muss man sogar schon ab 45 zum Gesundheitstest. Doch viele Ältere haben auch ein Einsehen: Im Jahr 2015 haben - auch ohne jeden Test - fast 9.500 Bundesbürger jenseits des 75. Geburtstags ihre Fahrerlaubnis freiwillig zurückgegeben, weil sie sich nicht mehr fit für den Verkehr fühlten.

Das Thema "Schwer zu bremsen: Senioren am Steuer" ist am Montag um 22:30 Uhr Thema bei "Fakt ist!" im MDR Fernsehen. Zu Gast sind unter anderem Unfallforscher Siegfried Brockmann, Motorjournalist Andreas Keßler, die SPD-Politikerin Simone Lang und eine Fahrlehrerin.

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 21:44 Uhr

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41 Kommentare

21.03.2017 20:22 Walter 41

Ich gebe @38 vollkommen recht - Verkehrsteilnehmerschulung.
Ich glaube kaum, dass ich nach >30 Jahren Führerschein heute die Prüfung im ersten Versuch bestehen würde.

21.03.2017 19:42 Einer, der in der Wüste fest steckt. 40

@ 34 Günter Nuhr: Das ist doch eine gefakte Meinung.
Na was denn nun 50 Jahre Unfallfrei oder 60 Jahre?
Seien Sie doch einfach mal ehrlich, mit den persönlichen Daten - 82 Jahre und hier posten ist doch lachhaft.
Bin auch für eine Art verpflichtende Verkehrsteilnehmerschulung als DDR.

21.03.2017 18:09 Wolfis 39

Wer alles hier schreibt, denkt daran wir alten sind Eure Zukunft. Auch Ihr vermisst mal Bahn und Bus.

21.03.2017 15:10 Uller Jutta 38

Ich bin 70 und fahre fast jedenTag - zum Arzt , einkaufen mit Nachbarn , die kein Auto haben. Gerne würde ich an Schulungen teilnehmen, wenn sie nicht in größere Städten , wenn überhaupt stattfinden. Ich bin in der DDR groß geworden, da gab es jeden Monat eine Verkehrsteilnehmerschulung und 2x im Jahr eine Rotkreuzauffrischung. Die Veranstaltungen waren ohne Druck stets gut besucht. Anfang der 90iger Jahre wurde es von eiem Verein übernommen- verlief dann aber im Sande. Leider

21.03.2017 08:44 Pattel 37

Nur wer sich das nicht eingestehen will ich betone will hat ein gesundheitliches Problem bzw.ist teilweise Überfordert zum Autofahren.
Was aber ganz natürlich ist für die Älteren biologisch.

21.03.2017 08:38 bippus 36

Deutschland muß viel mehr Bürokratie in den Strassenverkehr bringen.bis jetzt war es zu einfach!

20.03.2017 20:14 Loose 35

Ich bin gegen einen Test für ältere Autofahrer. Jeden Autofahrer kann mal ein Unfall passieren. Ob Jung oder Alt es ist egal. Die Fahrer sollen selbst entscheiden, wenn sie nicht mehr fahren sollen. Kenne sehr viel, die die Papiere abgegeben haben.

20.03.2017 19:43 Günter Nuhr 34

Ich bin für freiwillige Tests der Senioren bereits
ab dem 65.Lebensjahr.Aber auch junge Fahrer sollten
2 Jahre nach Erwerb des Führerscheins in einem 3
jährigen Rhythmus ärztlich untersucht und Fahrtästs
unterzogen werden.
Ich bin 82 Jahre,wurde 2016 von der Verkehrswacht mit dem goldenen Lorbeer für 50 Jahre unfallfreies Fahren von der Verkehrswacht Berlin ausgezeichnet.Ich konnte dieses stolze Ergebnis aber nur durch vorausschauendes und besonnenes
Fahren erreichen.Obwohl ich über 35 Jahre Omnibus im Öpnv gefahren habe kann ich bis jetzt auf 60 Jahre unfallfreies Fahren zurückblicken.Jüngere Fahrer fahren vielfach nicht vorausschauend,sondern sehr risikovoll.Sie gefährden dadurch dadurch nicht nur sich,sondern auch vor allem ältere Fahrer,die sich dadurch verunsichert fühlen.
Fazit:Überprüfung auch für Fahrer mit wenig Erfahrung und auch die gesundheitliche Überprüfung.

20.03.2017 19:14 Ralf Förster 33

Mein Gedanke dabei ist, wer setzt die Regeln für diese Tests fest. Bestimmt nicht jene die täglich auch mit dem Auto von A nach B fahren müssen, sondern diejenigen die sich Fahren lassen. Meiner Meinung nach sollte JEDER alle 10 Jahre zu einer Nachschulung. Die Kosten sollten nicht mehr wie der Preis eines Personalausweises betragen, dann ist es im erschwinglichen Bereich und den Fahrschulen geht es auch besser.
Ich selbst bin ein guter Autofahrer (wie mir von meinen Mitfahrern immer wieder mitgeteilt wird) doch finde ich solche Tests von Vorteil für jeden Verkehrsteilnehmer. Fast jedes Jahr ändern sich Regeln für den Straßenverkehr und kaum einer weiß es. Allerdings sollten auch die Fahrradfahrer einen solchen Test machen, da diese kaum die Straßenverkehrsordnung kennen oder sich nicht daran halten und zur Rechenschaft werden sie auch nicht gezogen, oder kaum. Es ist immer nur der Autofahrer der von der Polizei angehalten wird, sei es bei dem kleinsten Verdacht.

20.03.2017 19:05 Baldiger Rentner 32

Warum soll es keine Tests geben? Ich hätte keine Probleme damit, auch wenn ich momentan auf dem Dorfe lebe. Ich kenne genügend Senioren, die ihre Fahrweise besser einschätzen als ihr tatsächliches Fahrverhalten. Es geht ja nicht um Fahrverbote, wie einige dies hier einreden wollen. Es ist nun mal fakt, dass mit jenseits der 70 bestimmte kognitive und auch andere Fähigkeiten nachlassen.Das ist biologisch begründet. Das eigene EGO pflegen ist im "Autoland" Deutschland beliebt.

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