Die Asylunterkunft in Lunzenau nach einem Brandanschlag
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Lunzenau | Landkreis Mittelsachsen Molotowcocktails auf geplantes Flüchtlingsheim

Die Asylunterkunft in Lunzenau nach einem Brandanschlag
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Auf die geplante Asylunterkunft im mittelsächsischen Lunzenau bei Chemnitz ist in der Nacht zum Freitag ein schwerer Brandanschlag verübt worden. Wie das für Extremismus zuständige Operative Abwehrzentrum mitteilte, warfen Unbekannte drei Molotow-Cocktails in Richtung des Mehrfamilienhauses. Dabei wurde eine Hecke in Flammen gesetzt. Wie die Polizei mitteilte, brannte die Hecke so stark, dass durch die enorme Hitze sechs Fensterscheiben rissen. Auch drei Jalousien seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Zu der Höhe des Schadens konnten aber noch keine Angaben gemacht werden.

Zweiter Angriff in einer Woche

Dies war bereits der zweite Angriff auf das noch unbewohnte Gebäude innerhalb nur weniger Tage. In der Nacht zum Mittwoch hatten Unbekannte das Gebäude unter Wasser gesetzt. Das Mehrfamilienhaus befindet sich derzeit im Umbau. Das OAZ sucht für beide Vorfälle Zeugen. Ab September sollen darin 50 Flüchtlinge wohnen.

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) verurteilte den erneuten Angriff auf eine Asyl-Unterkunft. "Anschläge, wie aktuell in Lunzenau oder gar vor einigen Wochen in Böhlen und anderen Orten Sachsens und ganz Deutschland sind feige und ekelhaft", sagte Köpping. Zum Glück gebe es aber gleichzeitig an allen Orten, wo Flüchtlinge aufgenommen werden, genügend Helfer, "die Weltoffenheit leben und für die dieser offensichtliche Fremdenhass keinen Platz hat".

Immer mehr Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte

In Sachsen nehmen die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte seit Wochen stark zu. In Meißen wurde Ende Juni eine geplante Asylunterkunft in Brand gesetzt, in Böhlen bei Leipzig wurde auf eine bereits bewohnte Unterkunft offenbar mehrfach geschossen. Erst in dieser Woche waren Fensterscheiben einer noch nicht bezogenen Unterkunft in Dresden-Stetzsch mit Steinen eingeworfen worden. Außerdem gab es zwei Angriffe mit Buttersäure auf das Haus. Das OAZ sucht nach Zeugen. Auch das Flüchtlingszeltlager in Dresden-Friedrichstadt ist permanent in Gefahr. Mehrfach haben Rechtsextreme versucht, das Lager anzugreifen.

Der Verfassungsschutz warnte am Freitag vor rechtsextremistischen Anschlägen auch auf bewohnte Flüchtlingsunterkünfte. "Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt", sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, dem Nachrichtenmagazin "Focus". Mehr als 200 Straftaten gegen Flüchtlingsheime allein im ersten Halbjahr zeigten, wie sehr sich die fremdenfeindliche Stimmung in Teilen der Bevölkerung aufgeheizt habe.

Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte Vorra, Bayern: Am 11. Dezember 2014 stecken Unbekannte ein leerstehendes Gasthaus an, das als Unterkunft für 70 Flüchtlinge genutzt werden sollte.

Escheburg, Schleswig-Holstein: Am 9. Februar 2015 legt ein Finanzbeamter Feuer in einer leeren Doppelhaushälfte, in die eine irakische Flüchtlingsfamilie einziehen sollte.

Tröglitz, Sachsen-Anhalt: Am 4. April legen Unbekannte Feuer in einem Mehrfamilienhaus, in dem Flüchtlinge untergebracht werden sollten.

Limburgerhof, Rheinland-Pfalz: Am 6. Mai verüben Unbekannte einen Brandanschlag auf eine Containerunterkunft für Flüchtlinge, die noch im Bau ist.

Zossen, Brandenburg: Am 16. Mai wird eine leerstehende Flüchtlingsunterkunft in Brand gesteckt. Weil Polizisten vor Ort sind, kann das Feuer schnell gelöscht werden.

Meißen, Sachsen: Am 28. Juni wird eine Flüchtlingsunterkunft im Stadtzentrum angezündet. In dem frischsanierten Gebäude sollten etwa 30 Asylsuchende unterkommen.

Lübeck, Schleswig-Holstein: Am 29. Juni, nur einen Tag nach dem Brand in Meißen, wird ein Brandanschlag auf eine Baustelle verübt, auf der Flüchtlingsunterkünfte für etwa 120 Asylsuchende entstehen.

Reichertshofen, Bayern: Am 16. Juli brennt ein als Flüchtlingsunterkunft geplanter, leerstehender Gutshof. Die Behörden gehen von Brandstiftung aus, fremdenfeindliche Motive werden nicht ausgeschlossen.

Remchingen, Baden-Württemberg: Am 17. Juli wird ein Brandanschlag auf ein leerstehendes Gebäude verübt, in dem Flüchtlinge untergebracht werden sollten.

Lunzenau, Sachsen: In der Nacht zum 31. Juli versuchen Unbekannte, ein als Flüchtlingsunterkunft geplantes Mehrfamilienhaus in Brand zu setzen. Mit Molotowcocktails entzünden sie die Hecke des Grundstücks, Fensterscheiben gehen zu Bruch.

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2015, 17:17 Uhr

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67 Kommentare

01.08.2015 01:55 Dietmar Horak 67

Es ist auffällig, das die rechte Szene in Ost-Deutschland immer wieder zu negativen Schlagzeilen führt. Selbst kleinere Dorfgemeinschaften werden durch Drohgebärden und Gewaltvollzug dieser unbelehrbaren Masse eingeschüchtert. Angela Merkel, de Maziere, von der Leyen wollen den Weltfrieden bewahren, geben anderen Ländern immer wieder Lehrstunden in Politik, Versagen aber selbst schon an dem innenpolitischen Problem dieser Unbelehrbaren Nazi-Szene. Es ist ein Trauerspiel sondergleichen. Ich glaube, das diese Rechten auch durch genau diese fehlgeleitete Politik der Merkel-Regierung noch weiter motiviert werden Unruhen und Angst zu verbreiten. Und ich kann es ein Stück weit nachvollziehen, dass die Gewaltbereitschaft steigt. Doch Gewalt ist kein Mittel, um friedlich miteinander leben zu können. Gewalt ist grundsätzlich falsch und perfide. Wir brauchen einen politischen Richtungswechsel, Frau Dr. Angela Merkel sollte abdanken.

01.08.2015 20:57 Kritischer Bürger 66

@62. Hamburger: Abschließend also: Ohne Energie darauf zu verwenden alles oder jegliche Worte nach meinen Vorstellungen hinzubiegen kann das doch nur nachvollziehbar sein oder nicht?Ich hoffe das ich mich hier nun etwas verständlicher gemacht habe ohne selbstverliebt zu sein und keine kritische Abstraktion aufbringe!

01.08.2015 20:56 Kritischer Bürger 65

@62. Hamburger: So komme ich auf meine eigentliche kritische Anmerkung. Sie leben in einer Gegend wo es/bzw. Sie und Ihr Umfeld mit Migranten keine Probleme haben: Also was spricht dagegen noch einige Migranten, Flüchtlinge oder Asylsuchende in diese Gegend, in dieses persönliche Umfeld aufzunehmen? Es wird doch gerade hier im Osten so dringlich nach ehrenamtliche Helfer gesucht,die mit den Zugewanderten Behördengänge machen, diese die deutsche Sprache beibringen möchten, die medizinische Betreuung organisieren und diese werden nur unter großen Aufwand gefunden, also warum nicht dort all dies hin verlagern,wo diese Grundlagen der Zufriedenheit schon Erfolge haben?Wie viele Notlösungen könnten dann ant-akta gelegt werden und die Radikalisierung Einzelner würde sich so gut wie gar nicht aufbauen können,wo es Probleme gibt oder diese selbst zum Problem werden?

01.08.2015 20:43 Kritischer Bürger 64

@62. Hamburger: Warum soll ich viel Energie darauf verwenden irgendjemanden vorzuschreiben was er zu denken hat.Ich hatte nach den Worten(so wie ich noch lesen kann) übermittelt das man sich mit dem Gedanken anfreunden sollte,das es an jeder Stelle hier im Lande anders sein kann.Ist für mich fragwürdig wie man daraus auf Gesellschaft oder ganze Gruppen schließen will?Nur eines möchte ich gern wissen,abgesehen vom Vergleich mit einem Flugzeugabsturz; sind Einzelschicksale so unwichtig,wenn man das ganze Große sehen will?Ich setze auf die Meinung (auch selbst aus persönlicher Erfahrung) das solche Einzelschicksale jeden Betroffenen mehr in Charakter und Einstellung beeinflusst,als das man es sich vorstellen/denken kann,als Außenstehender und daraus eine entsprechende persönliche Meinung bei Betroffenen entsteht. Das hat nichts mit Arroganz oder Selbstgerechtigkeit zu tun!

01.08.2015 14:30 Zentralrat der deutschen 63

@54 ich bin käuflich, sie haben sich das doch selbst beantwortet und der Zeit nach zu urteilen nachts um halb zwei ( nicht auf der Reeperbahn) haben sie offenbar ne Trollposition inne. Der bezahlte SYSTEMTROLL zur Manipulation der Meinungsbildung. Die Straße sagt was anderes das haben auch unsere DDR Funktionäre zu lange ignoriert. So und nun macht hübsch Urlaub, nur nicht hier in Sachsen, bestraft uns....! Ach England baut gerade einen vier Meter hohen Zaun auf der französischen Seite des Eurotunnels. Urlaub in England ist für euch auch noch gestrichen. Lächerlich solche Kommentare!

01.08.2015 14:19 Hamburger 62

@kritischer BürgerNr.44 Nein, aber da haben Sie ja eine erhebliche Energie reinstecken müssen, meine Worte solange zu verbiegen, bis diese in Ihre Wunschrichtung passen. Was ich sagte, war, dass persönliche Schicksale NIEMALS dafür geeignet sind, um ganze Gruppen oder Gesellschaften zu beschreiben. Nur weil Flugzeuge abstürzen ändert das nichts daran, dass Fliegen weiterhin die sicherste Reiseart ist. Aber einige schaffen es offenbar nicht (und in vielen Fällen wollen auch nicht), persönliche Erlebnisse, so schwerwiegend sie auch für einen persönlich sein mögen, von der Gesamtheit zu abstrahieren. Sie unterstellen mir, dass ich damit die Verletzungen als unwichtig bewerten, ein deutliches Zeichen wie ARROGANT und SELBSTGERECHT Sie sind, sich anzumaßen, mir unterstellen zu wollen, was ich denke. Sie sind nicht kritisch, Sie sind dermaßen selbstverliebt, dass Ihnen jegliche kritische Abstraktion unmöglich bleibt. Ihr Nick ist daher reinste Heuchelei.

01.08.2015 13:36 ralf meier 61

@30. Kraben: Guten Tag, Wie sagte doch Claudia Roth --> "Gewalt ist immer auch ein Hilferuf." ( Maischberger, Talk-Show; ARD, 5. Oktober 2004) . Soweit zur 'gerechten' Empörung im RotRotGrünen Umfeld. Zur Sache: Wenn jemand auf ein unbewohntes Gebäude Molotowcoctails schmeist, dann ist das Sachbeschädigung. Sachbeschädigung ist ganz sicher nicht so sehr zu verharmlosen, wie dies in RotRotGrünen Kreisen auch hier im Forum gerne geschieht ( ist ja nur Gewalt gegen Sachen) aber es ist ganz sicherlich auch kein Terrorismus. Es ist schlicht ein Delikt und wird strafrechtlich verfolgt.

01.08.2015 11:17 johannes heinz 60

Vorab: Ich verurteile Terrorismus und Gewalt in jeder Form, aber ich frage mich: Warum diese Entwicklung? Warum gingen Zehntausende für Pegida auf die Straße? Warum unterstützen und befürworten unbescholtene Bürger Fremdenhass und Zerstörungswut?Ich vermute,dahinter steckt pure Angst, geschürt durch eine rechtsradikale Szene, die jahrelang unterschätzt und zu lasch verfolgt wurde. Hinzu kommen mangelhafte Aufklärung seitens der Behörden und verfehlte Sozialpolitik im eigenen Land, die den Menschen suggeriert: "für Einheimische ist kein Geld da, aber Flüchlingen wird es vorn und hinten reingestopft." Vor diesem Hintergrund kann sich keine echte Willkommenskultur entwickeln. Der Bürger wird mit seinen Befürchtungen nicht ernstgenommen. Übergestülpte Politik rächt sich. Wann begreifen das die Verantwortlichen?

01.08.2015 10:58 Bobby Fischer 59

Wieder mal der typisch skrupellose Asyllobbyismus, dem wirklich nur noch die einfältigsten Systemlemminge hinterherlaufen dürften. Die breite Masse hat längst verstanden, welche soziale und gesellschaftliche Krisenschaffung mithilfe von Masseneinwanderung angestrebt wird.

01.08.2015 10:33 kpfritz 58

Wann wacht die Politik in Sachsen (aber auch anderswo) endlich auf? Pegida und Co. als Deckmantel von brauner Gesinnung darf "normale" uninformierte Bürger mit scheinbar nichtbraunen Themen anlocken. CDU & SPD Politiker reden mit Pegida Vertretern und der "Anzug-und-Schlips-Version" der NPD, also der AfD. Terror, Brandstiftung, Sachbeschädigung, Morddrohungen, Sprengstoffattentate, tätliche Angriffe auf Leib und Leben aber werden von der Politik "verurteilt" statt konsequent verfolgt und bestraft! Oder, wie hier manche Kommentare vermuten lassen, gefällt sich Sachsen und seine Einwohner im braunen Mantel? Dann würde es Zeit, sich vom Freistaat in einen deutschlandfreien Staat umzuwandeln. Nur werde ich sicherlich vorher aus Sachsen auswandern!