Jubiläum : Ansturm in Graupa zum Start ins Wagner-Jahr
Sachsen ist am Sonnabend ins Wagner-Jahr gestartet. Anlass ist der 200. Geburtstag des Leipziger Komponisten. Im Jagdschloss Pirna-Graupa ist eine neue Dauerausstellung zu sehen. Im Mittelpunkt steht unter anderem Wagners frühes Schaffen in Dresden und Umgebung. Auch in Leipzig wird gefeiert. Knapp 140 Konzerte und Veranstaltungen stehen auf dem Jubiläumsprogramm.
Im sächsischen Jagdschloss Pirna-Graupa ist am Sonntag die neue Dauerausstellung über Richard Wagner offiziell für die Wagnerfreunde eröffnet worden. Zum Auftakt erlebte das neue Musikmuseum bei freiem Eintritt einen regelrechten Besucheransturm. Der Geschäftsführer der Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna, René Schmidt, sagte, weit mehr als 1.000 Besucher seien gekommen. Die multimediale Ausstellung widmet sich in erster Linie dem Wirken Wagners in Sachsen. Wie der Kurator Michael Hurshell mitteilte, steht dabei die "höchst emotionale Musik" des Komponisten im Mittelpunkt. Schirmherr ist der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann.
Auf den Spuren Wagners wandeln
Die Ausstellung ist in sechs Themenbereiche eingeteilt und nimmt den Besucher mit auf die Reise durch das Leben und den Schaffensprozess des Komponisten. So werden zunächst die sächsischen Lebensabschnitte Wagners beleuchtet - von der Kindheit in Leipzig bis zu seiner Tätigkeit als königlicher Hofkapellmeister in Dresden. Der Besucher lernt auch bekannte Freunde des Komponisten kennen, so zum Beispiel den Architekten Gottfried Semper.
Im weiteren Verlauf der Ausstellung wird der Besucher mit Wagners Dichtung und Komposition vertraut gemacht. Dabei werden beispielsweise die Quellen seiner Operntexte, die zum Teil aus Märchen und Sagen stammen, und deren Verarbeitung in den Opern näher vorgestellt. Auch die Inszenierung der Wagner-Werke wird näher beleuchtet, beispielsweise wie es Wagner gelang, mit neuartigen Bühnenkonzeptionen effektvolle Bühnenstücke zu inszenieren?
Schließlich wird der Ausstellungsbesucher zum Perspektivenwechsel eingeladen, um Wagner aus der Sicht eines Freundes, Weggefährten oder Kritikers zu sehen. Am Ende des Ausstellungsrundganges steht die Wagner-Rezeption im Mittelpunkt. Gezeigt werden zahlreiche Originaldokumente und Fotografien. Audio- und Videostationen machen Wagner erlebbar. Auszüge aus Kritiken veranschaulichen die Sicht auf Wagners Schaffen im Wandel der Zeit. Zudem werden die Beziehungen der Familie Wagner zu den Nationalsozialisten und die Instrumentalisierung von Wagners Musik beleuchtet.
Keine Angst vor Wagner!
Die Dauerausstellung in Pirna soll als repräsentatives Gesamterlebnis für alle Sinne die Botschaft "Keine Angst vor Wagner! Oper ist ein Erlebnis!" vermitteln. Bei MDR INFO sagte Sabine Saft, Leiterin der Richard-Wagner-Stätten Graupa, die Schau verknüpfe althergebrachte Museumskonzepte emotional mit neuen Darstellungsformen. Mittels multimedialer Installationen wie Klangduschen, Tablet-PCs, Hologramme und Animationen könne der Besucher Wagner anfassen, Wagner hören und Wagner erleben. Für die neue Dauerausstellung wurde das Jagdschloss Pirna-Graupa seit 2008 für 5,7 Millionen Euro saniert und umgebaut.
Ausstellung im Lohengrin-Haus
Neben der neuen Dauerausstellung im Jagdschloss wird am Sonntag auch das benachbarte Lohengrin-Haus wieder seine Pforten für Besucher öffnen. Originale Erinnerungsstücke aus Wagners Pariser Zeit, Wagner- und Liszt-Porträts, Festspielsouvenirs aus Bayreuth und vor allem Fotos zeitgenössischer Wagner-Sänger gehören zur Sammlung. Zudem können verschiedene Räume mit Möbeln aus der Wagner-Zeit besichtigt werden. Das Lohengrin-Haus wurde 1982 wiedereröffnet. Wagner hatte in Graupa im Sommer 1846 seine Oper "Lohengrin" skizzenhaft entworfen.
Wagner-Jahr auch in der Semperoper
Die Dresdner Semperoper wird den 200. Geburtstag von Richard Wagner mit zahlreichen Aufführungen von Wagner-Stücken feiern. Am 13. Januar wird die Oper "Lohengrin" zu sehen sein. Am 15. Juni wird "Der fliegende Holländer" Premiere feiern, der 1843 in Dresden von Wagner selbst uraufgeführt wurde. Unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann gibt es zudem zwei Sonderkonzerte am 18. und 21. Mai, einmal in der Frauenkirche sowie in der Semperoper. Zum Opernrepertoire gehören im Jubiläumsjahr außerdem die Oper "Tannhäuser", ebenfalls eine Dresdner Uraufführung, sowie "Tristan und Isolde".
Leipzig feiert seinen berühmten Sohn
Richard Wagners Geburtsstadt Leipzig begeht den 200. Geburtstag des Komponisten in diesem Jahr mit knapp 140 Konzerten und Veranstaltungen. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, sind die Richard-Wagner-Festtage vom 16. bis 26. Mai Höhepunkt der Feierlichkeiten. Neben den vielgespielten Opern "Die Meistersinger von Nürnberg", "Parsifal" und dem "Ring des Nibelungen" stehen auch selten gespielte Frühwerke wie "Die Feen" oder "Rienzi" auf dem Programm.
Bereits am 19. Januar wird es eine "Ring"-Inszenierung für Kinder geben. Im März öffnet im Stadtgeschichtlichen Museum eine Ausstellung mit dem Titel "Wagnerlust und Wagnerlast". Weitere Höhepunkte werden am 21. Mai die Einweihung des Wagner-Denkmals und am 22. Mai der Festveranstaltung anlässlich seines Geburtstages sein.
Öffnungszeiten
Dauerausstellung im Jagdschloss & Lohengrin-Haus
ab 13.01.2013: täglich | 10-16 Uhr
ab 21.01.2013: dienstags geschlossen
1846: Wagner in Graupa
Im Sommer des Jahres 1846 verbrachte der in Dresden als königlicher Kapellmeister angestellte Richard Wagner zehn Wochen Erholungsurlaub in Graupa. Der damals noch völlig unberührte Ort und die idyllische Landschaft am Eingang zur Sächsischen Schweiz vermittelten Wagner die notwendige Muße und Inspiration, die komplette Kompositionsskizze seiner Oper "Lohengrin" anzulegen.
In den von Wagner und seiner Frau Minna bewohnten zwei Räumen des Schäferschen Großbauerngutes richtete der Leipziger Gymnasiallehrer Max Gaßmeyer 1907 eine Ausstellung zum Andenken an den Aufenthalt des großen Erneuerers der deutschen Oper ein. Heute gilt diese einzige authentische Wohnstätte Wagners im Osten Deutschlands als das älteste Wagnermuseum der Welt.
Links ins WWW
Der MDR ist nicht für den Inhalt externer Internetseiten verantwortlich!

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.