Sachsen

Kandidaten für das Welterbe bestimmt : Sachsen setzt auf Hellerau und Notenspur

Mit dem Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau verfügt Sachsen bisher über eine einzige UNESCO-Welterbestätte. Mit der Montanregion Erzgebirge könnte es bald einen zweiten Titel geben. Nun hat Sachsen zwei neue Bewerber gekürt, die sich gegen ihre bundesweite Konkurrenz durchsetzen sollen. Dresden soll mit der Gartenstadt Hellerau sein Welterbe-Trauma verarbeiten, Leipzig will mit seiner Musikgeschichte punkten.

Sachsen wird die Gartenstadt Dresden-Hellerau und die "Notenspur" in Leipzig für die UNESCO-Welterbeliste vorschlagen. Das gab der sächsische Innenminister Markus Ulbig am Dienstag in Dresden nach der Kabinettssitzung bekannt. Die Projekte vermittelten ein insgesamt positives und rundes Bild, sagte er zur Begründung.

Hoffnungen kann sich auch noch die Görlitzer Altstadt machen. Wird die Leipziger Notenspur gleichzeitig in die Liste für immaterielles Weltkulturerbe aufgenommen, könnte Görlitz stattdessen nachrücken. Die Kapelle von Schloss Hartenfels in Torgau soll als eine serielle Anmeldung den bestehenden Welterbe-Lutherstätten Sachsen-Anhalts zugeordnet werden.

Bildergalerie: Die Gartenstadt Hellerau

Dresden Hellerau Dresden Hellerau Dresden Hellerau

Deutschlands erste Gartenstadt ist mehr als 100 Jahre alt. Bilder der einzigartigen Wohnanlage finden Sie hier. [Bilder]


Ulbig: Hellerau ist überschaubar

Wie Innenminister Ulbig erklärte, haben die ausgesuchten Kandidaten eine "exzellente Bewerbung" vorgelegt. Die Gartenstadt Hellerau im Norden Dresdens mit Wohnsiedlung, den historischen Werkstätten und dem Festspielhaus sei "lebendiges Welterbe" und erfülle beispielhaft alle Anforderungen für den Titel. Gelobt wurde insbesondere, dass in Hellerau ein "lebendiges Welterbe" an authentischen Orten und in authentischer Gestaltung zu erleben ist. Anders als das Dresdner Elbtal, deren Welterbetitel 2009 aberkannt wurde, sei diese Bewerbung "überschaubar", sagte Ulbig. Er hoffe, dass das "alte UNESCO-Trauma" mit dem neuen Vorschlag aus Dresden überwunden werden kann, sagte Ulbig. Auch habe er keine Sorge, dass die Elbestadt wegen der jüngsten Aberkennung gar nicht erst auf die Liste kommt.

Die Interessengemeinschaft Hellerau, die sich samt Festspielhaus mit dem Titel "Hellerau - Laboratorium einer neuen Menschheit" beworben hat, freute sich über die Entscheidung. "Jetzt werden wir Deutschland von unseren Qualitäten überzeugen", sagte Sprecher Fritz Straub.

300 Jahre Musikgeschichte in Leipzig

Im Fall der Leipziger Bewerbung würdigte die Jury die räumliche Dichte, in welcher die Musikgeschichte aus 300 Jahren erlebbar wird. Es sei einmalig, wie viele Komponisten und Musiker in Leipzig gewirkt haben, heißt es. "Das musikalische Wirken einer Vielzahl international bedeutsamer Komponisten in Leipzig, wie Telemann, Bach, Mozart, Mendelssohn, Clara und Robert Schumann, Wagner und Berlioz sowie Liszt, Grieg, Lortzing, Mahler und Reger wird deutlich im Antrag herausgearbeitet." Die Experten haben jedoch darauf hingewiesen, dass die Welterbekonvention nur das materielle Welterbe regelt. Derzeit sei die Musik, die ein immaterielles Kulturgut darstellt, Mittelpunkt des Antrages. Für einen erfolgreichen Welterbeantrag müssten repräsentierende Gebäude im Vordergrund stehen, die den außergewöhnlichen universellen Wert der Notenspur darstellen.

Fragen in Görlitz

Möglicherweise wird die Notenspur dem immateriellen Erbe zugeordnet, was dem derzeit Drittplazierten, der Stadt Görlitz, zugute kommen würde. Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick gratulierte zunächst Leipzig und Dresden. Er sehe es positiv, dass seine Stadt auf dem dritten Platz rangiert. Das bedeute eine Anerkennung der Arbeit der vergangenen Monate, nicht nur in der Verwaltung, sondern vor allem auch der Einwohner und Hausbesitzer. Unklar sei noch, was von Görlitz erwartet werde, um möglicherweise nachzurücken. "Der Hinweis darauf, dass Görlitz sich auf die Themen Hallenhäuser und Via Regia konzentrieren soll, ist eine Überraschung", schreibt Paulick in einer Stellungnahme. "Aus der eben veröffentlichten schriftlichen Begründung dazu ist nicht genau abzulesen, ob die gründerzeitliche Innenstadt weiterhin Antragsgegenstand bleiben soll oder nicht." Dazu werde es nun intensive Gespräche mit den Verantwortlichen in Dresden geben.

Bildergalerie: Impressionen aus Görlitz - damals und heute

Damals - heute: Demianiplatz 42 Damals - heute: Langenstraße 17 Damals - heute: Neißstraße 17-18

Durch die sogenannte "Altstadtmillion" konnten seit 1995 zahlreiche Gebäude in Görlitz saniert werden. Hier finden Sie ausgewählte Ansichten von damals und heute. [Bilder]


Nächste Hürde Kultusministerkonferenz

Eine Expertenkommission hatte zuvor die Bewerber ausgesucht, die auf die nationale Bewerberliste für die Titelvergabe ab 2016 gesetzt werden könnten. Der Kommission gehörten neben Regierungsvertretern auch Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Denkmalschützer an. Die Prüfung aller Vorschläge aus den Bundesländern will die Kultusministerkonferenz 2013 abschließen und danach die offiziellen deutschen Kandidaten festlegen. Die sächsischen Bewerber werden im Herbst der Kultusministerkonferenz vorgeschlagen. Diese wiederum bestimmt dann die Stätten, die auf die neue deutsche Vorschlagsliste, die sogenannte Tentativliste, für die Welterbeliste kommen.

Von der Gartenstadt bis zum Versteinerten Wald

Interessenten für die wahrscheinlich ab 2016 geltende Vorschlagsliste waren die Gartenstadt Hellerau in Dresden, die Region sächsisch-böhmische Schweiz, das Umgebindeland in der Oberlausitz, die Görlitzer Altstadt und gründerzeitliche Innenstadt, die Schlosskapelle Schloss Hartenfels in Torgau, das Projekt Versteinerter Wald in Chemnitz, das Projekt Leipziger Notenspur, das Westsächsische Textilmuseum in Crimmitschau, die Albrechtsburg in Meißen und das Topasvorkommen Schneckenstein.

Auf der Bundesliste wartet bereits die Montanregion Erzgebirge auf ihre Prüfung durch eine Kommission der UNESCO. Unklar ist noch, ob die zum Teil in Tschechien liegende Region 2013 oder 2014 ins Rennen geschickt wird.

Sachsen richtet sich nach UNESCO-Kriterien

Das Verfahren in Sachsen richtete sich nach den Kriterien, die auch die UNESCO bei der Auswahl bestimmt, erklärte ein Sprecher des federführenden Innenministeriums. Dazu zählten unter anderem ein außergewöhnlicher, universeller Wert und die Echtheit beziehungsweise Unversehrtheit der Stätte. Zudem müsse auch ein Schutz- und Erhaltungsplan vorhanden sein.

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2012, 22:40 Uhr

15. Rudi Werner:
http://www.mdr.de/mdr-figaro/ipg/sendung135832.html Klaus Renft: Ein Leben mit dem Rock'n Roll
27.06.2012
20:20 Uhr
14. Rudi Werner:
Wir erinnern uns zurück: "Während Tausende junge Menschen unserer Stadt in der Volkskunstbewegung Freude, Erholung, Bildung und ästhetische Befriedigung suchen und finden, müssen wir feststellen, daß Ihre Gitarrengruppe der sozialistischen Laienkunstbewegung Schaden zufügt. Das Auftreten Ihrer Kapelle steht im Widerspruch zu unseren moralischen und ethischen Prinzipien."So die Funktionäre der "Stadt Leipzig" 1965 zu der ersten ostdeutschen Beat-Band die Butlers.
27.06.2012
12:40 Uhr
13. Rudi Werner:
"Es sei einmalig, wie viele Komponisten und Musiker in Leipzig gewirkt haben, heißt es. "? Ja, den schnellen Beat haben sie 1965 niedergeknüppelt und dabei einigen noch die Haare gestutzt.Sollte da man die "Butlers" alias die "Klaus-Renft-Combo" nicht auch in die Spur der Noten nehmen.Verdient hätten sie es allemal. Spur der Steine trifft wohl eher zu. Ich stimme für die Hauptstadt der Romantik, Leipzig. Außer die Prinzen ohne Krone ist ja leider nicht mehr viel davon übrig geblieben von den 300 Jahre Musikgeschichte in Leipzig auf dem 5,3 Kilometer langen Weg.Soll einer mal mit dem Zollstock nach messen ob das auch wirklich stimmt.
27.06.2012
11:14 Uhr
12. Sven:
PS: Will noch ergänzen, dass sicher wegen Musikern kein Mensch mehr nach Leipzig fährt und wegen einer Gartenstadt keiner mehr nach Dresden. Das man da wohnen möchte, dass kann ich verstehen. Jedoch, wegen einem 290 Mio. Jahre alten Wald ... den wollen sich bestimmt viele anschauen ...
26.06.2012
20:39 Uhr
11. Sven:
Die Entscheidung fiel zu Gunsten von Leipzig und Dresden. Oh was für eine Überraschung. Und meinen Vorrednern kann ich nur zustimmen: "Sachsen hat mehr zu bieten“! Eben Besonderes! Zu den beiden Gewinnern kann ich neben „Herzlichen Glückwunsch“ nur folgendes sagen: Leipzig: Haben die Musiker sichtbares geschaffen, was nur auf Leipzig begrenzt ist?! Eins ist sicher, den Titel kann Leipzig nie verlieren und aberkannt werden. Wie auch, weil die Musiker dort nichts geschaffen haben. Bitte stellt in Leipzig Schilder auf, wo Mozart & Co. in die Ecke gebullert hat. Sollten die Besucher wissen! Zu Dresden: In Chemnitz gibt es auch eine schöne Gartenstadt. Solltet Ihr mal besuchen. Schade, dass Chemnitz den unbedeutenden 290 Mio Jahre alten – und auf der Welt einmaligen - versteinerten Wald eingereicht hat und nicht die Chemnitzer Gartenstadt, da wären die sicher auch in den Endausscheid gekommen. Aber, dass so etwas Unbedeutendes gewinnen kann, da wären die Chemnitzer nie drauf gekommen …
26.06.2012
19:26 Uhr
10. Rico Richter:
Diese Entscheidung stand sicher schon vorher fest. Und ich denke, beide Ergebnisse wird die Unesco ablehnen. Die haben da ja auch noch was zu sagen. Und eins ist sicher. Sachsen hat weit besseres, als eine Musik-Spur in Leipzig und einen Garten mit Häusern in Dresden. Kurz gesagt: Nichts besonders haben da die Entscheider auf die Reihe gebracht. Besonders haben Sie ja abgewählt, wie z.B. den auf der Welt einmaligen versteinerten Wald in Chemnitz. Das ist was zum anfassen, sehen und staunen. Ach und erst ist Dresden nicht in der Lage seinen altehrwürdigen Titel zu halten, und schwups will man auf Kosten anderer Regionen und Städten einen neuen Titel holen. Diese Entscheidungen des Gremiums sagt viel über den heutigen Zeitgeist aus, der auch in Sachsen lebt. Es ist jedenfalls nicht mein Zeitgeist und ich bin von diesem Bundesland sehr enttäuscht!
26.06.2012
18:23 Uhr
9. klemmi:
Sachsen wird immer langweiliger. Ein Rundweg durch Leipzig, vorbei an Wirkungsstätten von zweifelsfrei hochkarätigen Musikern ist meiner Meinung nach fad und Dresden hat keinerlei Anspruch auf ein neuen Welterbetitel nach dem Dilemma mit der Waldschlösschenbrücke. Schongarnicht mit dieser Gartenstadt. Da hat Sachsen echt anderes zu bieten, vermutlich war wiedermal ein Kriterium der Wahlkreis einiger Politiker um auf die Liste zu kommen und tata wie sollte es auch anders sein Dresden und Leipzig kommen werden aufgestellt ... von mir ein Daumen runter
26.06.2012
17:32 Uhr
8. Thomas Roethel:
Was soll dieser Unfug? Erst wird der Titel aberkannt, weil eine notwendige Brücke gebaut wird und nun biedert man sich wieder an! Wenn unsere Vorfahren nach den gleichen Vorgaben gebaut hätten, wären noch Baumhäuser! Es gäbe kein Dorf, keine Stadt, keine Schlösser und Burgen. Einfach total sinnlos, solche "Verantstaltungen"!
26.06.2012
15:48 Uhr
7. Scherenberg:
Einfach ein neues Welterbe her? Niemals soll vergessen werden das die Provinzpolitiker von CDU und FDP diejenigen als Demokratiefeinde beschimpften die sich für einen Kompromiss, einen Bürgerentscheid zum Erhalt unseres Welterbes einsetzten!
26.06.2012
15:27 Uhr
6. Ringo:
wenn es so ist wie Kommentar 3: müßte Sachsen für alle Zeiten von der Welterbetitelvergabe ausgeschlossen werden, darauf achtet eine Weltgemeinschaft, schon als mahnendes Beispiel das ein Welterbe nie mehr ohne Not zerstört werden kann!
26.06.2012
13:50 Uhr

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Leipziger Notenspur

Die Notenspur ist ein 5,3 Kilometer langer
Rundweg durch die Leipziger Innenstadt und verbindet seit Mai 23 Wirkungsstätten
berühmter Musiker und musikgeschichtlich bedeutende Orte. In den Fußweg eingelassene Metall-Intarsien zeigen den Weg. Ausgangspunkt ist das neue Gewandhaus, nur wenige hundert Meter entfernt steht das Wohn- und Sterbehaus des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy als Station zwei. Musiker, die die Stadt mitgeprägt haben, sind neben Johann Sebastian Bach auch Robert und Clara Schumann, Max Reger, Gustav Mahler und Edvard Grieg. Richard Wagner wurde in Leipzig geboren.

Gartenstadt Dresden-Hellerau

Die Gartenstadt entstand zwischen 1909 und 1913 nach Plänen des Münchner Malers und Architekten Richard Riemerschmidt. Kleine helle Einfamilien- und Reihenhäuser mit je einem kleinen Garten sollten den Bewohnern ein Leben im Grünen ermöglichen. Im Umfeld der gleichfalls künstlerisch angelegten Fabrikanlage des Möbelfabrikanten Karl Schmidt entstanden 800 Gebäude und ein Festspielhaus. Ursprünglich wurden sie genossenschaftlich verwaltet, nach dem Ersten Weltkrieg gingen sie bis auf wenige Ausnahmen in Privatbesitz über. Hellerau gilt als älteste deutsche Gartenstadt. Zudem war es einst Weltzentrum der Avantgarde.

Görlitzer Altstadt

Die Altstadt von Görlitz vereint wertvolle Denkmäler aus der Zeit der Renaissance, des Barock und der Gotik. Schon zu DDR-Zeiten begann die Restaurierung wertvoller Gebäude, 1991 wurde Görlitz Modellstadt der Altstadtsanierung. Mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und privater Spender konnten viele Bauten umfassend saniert werden. Dazu gehören der Kaisertrutz, die Hallenhäuser oder das Biblische Haus mit Reliefs zum Alten und Neuen Testament.

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