Mundart : Online-Wörterbuch für "Arzgebirgsch"
"Ahaltbrieh", "Raziehglas", "Gack", "Hitsch" und "Tschuck" - die erzgebirgischen Ausdrücke für Bremsflüssigkeit, Feldstecher, Jacke, Fußbank und einen Menschen, der sich wie ein Ferkel aufführt, erobern das Internet. Der 35-jährige Andreas Göbel aus Schlettau hat ein Wörterbuch mit erzgebirgischen Mundartbegriffen ins Netz gestellt. Da es keine offizielle erzgebirgische Schriftsprache gibt und sich die regionalen Dialekte sowieso von Tal zu Tal unterscheiden, liefert Göbel praktische Hörbeispiele. Seine 84-jährige Oma aus Bärenstein, ein erzgebirgisches Original, spricht die Wörter in Mundart ein.
Plan: Eine Art Wikipedia für erzgebirgische Mundart
Göbel erklärt, jeder könne nachhören, wie das Wort in seinem Dorf gesprochen wird, inklusive der Bedeutung. Dafür haben Enkel und Großmutter unzählige Notizen und Hinweise von Erzgebirgern ausgewertet.
Den Enkel, der als Software-Entwickler mehr als zehn Jahre fern der Heimat arbeitete und zu Hause hochdeutsch spricht, treibt vor allem die Liebe zu Sprachen im Allgemeinen um. "Mit dem Erzgebirge verbindet mich meine Kindheit - Wörter und Sprachen haben mich aber schon immer besonders interessiert", sagt Göbel. Mittlerweile umfasst die Sammlung des Duos schon mehr als 300 Wörter und bald schon, so hoffen die beiden, könnte sich das Wörterbuch von selbst erweitern. "Wir alleine kennen viel zu wenige Worte. Die Idee ist deshalb ein Wikipedia der Mundart, bei der jeder Begriffe aus seinem Dorf einträgt", sagt Göbel.
These: Erzgebirgisch stammt von Bayern ab
Die Idee trifft zumindest im Erzgebirge bereits auf großen Zuspruch. Bis zu 200 Mal am Tag wird die Seite angeklickt. Darüber hinaus hat Göbel mit der Sammlung noch einiges mehr vor. So will er den Beweis antreten, dass Erzgebirgisch mitnichten eine Unterform des in Deutschland so oft belächelten Sächsisch ist. "Das Erzgebirge war wegen seiner rauen Natur lange Zeit unbewohnt und wurde erst mit dem Bergbau durch die Bayern besiedelt. Von denen stammt die Sprache", sagt Göbel.
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