Sachsen

Gegen Rechtsextremismus in der Sächsischen Schweiz : "Aktion Zivilcourage" feiert 15. Geburtstag

Mit 200 Gästenhat der Verein "Aktion Zivilcourage" sein 15-jähriges Bestehen im Landratsamt Pirna gefeiert. Die 100 Mitglieder stellen sich in der Sächsischen Schweiz gegen rechtsextremes Gedankengut und kämpfen für eine weltoffene Region. Zu den Gästen der Jubiläumsfeier gehörte auch Sachsens Innenminister Markus Ulbig.

Langjährige Verbindungen zu Sachsens Innenminister

Der CDU-Politiker war zur Gründung des Vereins noch Oberbürgermeister von Pirna. Der Chef der "Aktion Zivilcourage", Sebastian Reißig, sagte dem MDR, Ulbig habe von Anfang an die Arbeit des Vereins unterstützt und stehe auch als Minister noch in Kontakt zu den Aktivisten für eine "bunte" Sächsische Schweiz. Inzwischen habe sich in der Region vor den Toren Dresdens ein "Klimawandel" vollzogen, erklärte der 34-jährige Vereinschef. Das Wissen des Vereins sei bundesweit gefragt. Rechtsextreme Übergriffe gänzlich ausschließen, könne er aber nicht, das könne aber auch in Dresden oder Berlin niemand. Reißig sagte, rechtsextremes Gedankengut werde jedoch in der Sächsischen Schweiz nicht mehr toleriert, die anfängliche Verunsicherung der Bürger sei einem entschiedenen Einsatz gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus gewichen. Mit Projekten und Aktionen an Schulen und bei Behörden leistet die "Aktion Zivilcourage" seit 15 Jahren Aufklärungsarbeit.

Verein: Zu viel Energie bei Demokratieerklärung verschwendet

Die umstrittene Demokratieerklärung mit dem sogenannten Bekenntniszwang zur freiheitlich demokratischen Grundordnung hat auch bei der "Aktion Zivilcourage" für heftige Diskussionen gesorgt, sagte der Vereinschef und fügt hinzu: "Es wird in Deutschland zu viel Energie bei der Diskussion um die Extremismusklausel verschwendet. Diese Energie könnte sinnvoller in wirksame Projekte fließen."

Die Sächsische Schweiz selbst muss aber noch immer gegen das Image als einstige Hochburg von Rechtsextremen ankämpfen. Regelmäßig fragten potenzielle Gäste bei der "Aktion Zivilcourage" nach, ob sie sicher im Elbsandsteingebirge Urlaub machen könnten, berichtete Reißig. "Natürlich können Sie das", sei seine Antwort. In den Übernachtungszahlen des regionalen Tourismusverbandes spiegelt sich insbesondere die Zurückhaltung ausländischer Gäste wider. Deren Anteil liegt seit Jahren im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Zur Zeit der Vereinsgründung war die Sächsische Schweiz bundesweit in den Schlagzeilen: Die später verbotene rechtsextreme Gruppe "Skinheads Sächsische Schweiz" verunsicherte durch gewaltsame Übergriffe die Bevölkerung und Gäste der Ausflugsregion. Später sorgte die NPD mit ungewöhnlich hohen Wahlergebnissen für Unverständnis. Zu dieser Zeit regte sich jedoch auch Widerstand gegen die rechtsextremen Aktivitäten, der Verein "Aktion Zivilcourage" wurde gegründet.

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2013, 13:58 Uhr

3. Joko:
"Es wird in Deutschland zu viel Energie bei der Diskussion um die Extremismusklausel verschwendet." - da spricht der Innenminister aus dem Mund der Handlanger :D
01.07.2012
21:08 Uhr
2. Heinz Faßbender:
@Frank, die Politiker haben es so ansich, die mutigen zivilgesellschaftlichen Arbeiten am Gemeinwohl, bei Erfolg, immer als ihre Eigenen auszugeben oder für sich selbst zu vereinnahmen.
01.07.2012
16:21 Uhr
1. Frank:
Ulbig wurde erst 2001 OBM in Pirna, da gab es die AZ bereits drei Jahre.
30.06.2012
22:29 Uhr

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