Sachsen

Zwickauer Terrorzelle : Weiterer NSU-Terrorhelfer in U-Haft

Bundespolizei und Bundesanwaltschaft haben am 1. Februar einen weiteren mutmaßlichen Unterstützer des rechtsextremen Terror-Trios aus Jena festgenommen. Der 31-Jährige soll den untergetauchten Neonazis eine Schusswaffe besorgt haben. Nach Informationen des MDR soll er bis zum Jahr 2000 enge Kontakte zu dem nach Sachsen verschwundenen Trio gehalten haben. Am Mittwochabend ordneten die Ermittlungsrichter U-Haft für den Mann an.

Der in Düsseldorf festgenomme mutmaßliche Unterstützer der rechtsextremen Zwickauer Neonazi-Zelle sitzt in Untersuchungshaft. Laut Bundesanwaltschaft ordneten Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof die Haft am späten Mittwochabend an. Der 31-jährige Carsten S. soll zuvor umfassend ausgesagt haben. Was konkret, wurde nicht genannt. Eine Polizei-Spezialeinheit GSG 9 hatte den Mann wenige Stunden zuvor in Düsseldorf festgenommen - es ist der fünfte mutmaßliche Helfer der Terror-Zelle, der nun in Haft sitzt. Der Mann steht laut Bundesanwaltschaft im dringenden Verdacht, Beihilfe zu sechs Morden und einem Mordversuch geleistet zu haben.

Carsten S. soll 2001 oder 2002 in Jena eine Schusswaffe und Munition für die Zelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) besorgt und diese dem damaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben weitergegeben haben. Ein Kurier soll die Waffe dann zum Neonazi-Trio nach Zwickau gebracht haben. Diese Informationen decken sich mit dem jüngsten Geständnis des mutmaßlichen Kuriers Holger G. Die Bundesanwaltschaft wirft Carsten S. vor, billigend in Kauf genommen zu haben, dass die Waffe für Morde verwendet werden könnte. Allerdings sei nicht klar, ob die Waffe eingesetzt wurde.

S. war offenbar zentraler Kontaktmann

Der aus Jena stammende S. war laut Bundesanwaltschaft und Verfassungsschutz 1999 und 2000 im rechtsextremistischen Thüringer Heimatschutz aktiv sowie in der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten aktiv. Dem Thüringer Heimatschutz gehörte auch das ebenfalls aus Jena stammende Neonazi-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe an. Carsten S. stand den Erkenntnissen zufolge in enger Verbindung zu den drei 1998 abgetauchten Neonazis und soll ihnen auch finanziell geholfen haben.

Nach Informationen des MDR THÜRINGEN hatte er 1999 und 2000 offenbar als Einziger telefonischen Kontakt. Das geht aus einem Papier des Bundesamtes für Verfassungsschutz vom Dezember 2011 hervor. Mit Verweis auf den Thüringer Verfassungsschutz wird dort von einem Kontakt zwischen S. und dem V-Mann Tino Brandt berichtet: "Carsten S. informierte schließlich am 13. März 1999 Brandt, dass nunmehr er selbst und nicht mehr Wohlleben den telefonischen Kontakt zu den Flüchtigen aufrecht erhalte."

Nach Informationen des Thüringer Verfassungsschutzes soll S. zudem im April 1999 Spendengelder nach Sachsen überwiesen haben. Außerdem soll er versucht haben, für die drei Untergetauchten eine Flucht ins Ausland zu organisieren. Noch bis Anfang 2000 soll er telefonischen Kontakt zu den Dreien gehalten haben. Ab Ende März 1999 wurde S. vom Verfassungsschutz Thüringens und des Bundes überwacht.

"Bin im Jahr 2000 ausgestiegen"

Vor einigen Tagen hatte S. über seinen Rechtsanwalt erklärt, er sei im Jahr 2000 aus der rechten Szene ausgestiegen. Nach seinem Ausstieg habe er auch keinen Kontakt zur rechten Szene gehabt. Er habe außerdem keine Kenntnis von Straftaten, "die von dieser Gruppe ausgehen". Laut einem Bericht des Verfassungsschutzes siedelte S. im Jahr 2003 ins Rheinland über.

Nach bisherigem Erkenntnisstand der Bundesanwaltschaft hatte das Terrortrio mindestens elf Unterstützer. Bereits gefasst wurden die Verdächtigen André E., Matthias D. und Holger G. sowie der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben.

Das jahrelang unentdeckt gebliebene Trio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe soll zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordet haben. Außerdem werden der Gruppe ein Mordversuch, zwei Sprengstoffanschläge in Köln 2001 und 2004 mit insgesamt 23 Verletzten sowie mehrere Banküberfälle zur Last gelegt.

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2012, 15:36 Uhr

5. Frankenthal:
Und so langsam wird sichtbar, dass es sich eben nicht um eine kleinen Terrorzelle handelte, die leicht zu übersehen war, sondern um ein bestens vernetztes und höchst gefährliches Netzwerk. Neben den Morden dieser NSU sind ja auch noch ein paar hundert andere Opfer der faschistischen Hass-Ideologen zu beklagen, die weitgehend unter den „braunen Teppich“ gefegt wurden. In diesem Zusammenhang sollte auch an die Nutznießer und Trittbrettfahrer gedacht werden, die mit ihren umjubelten Kassenschlagern die Furcht vor allem Fremden und dem Untergang des Abendlandes schüren. Ihr Publikum ist die Hoffnung rechtspopulistischer Parteien, die diese Früchte des Hasses ernten wollen und eine breitere Basis für Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und noch mehr Neonazis darstellen.
02.02.2012
12:34 Uhr
4. Günter Büttner:
Wieso darf die "Südthüringer Stimme" die Ermittlungsergebnisse in Frage stellen und behaupten, der Staat hat gemordet.In Ausgabe 6 nachzulesen.Dieses Blatt wurde am 26.01.in unseren Briefkasten gesteckt. Teile des Kommentars wurden wegen Unterstellungen entfernt.
02.02.2012
11:41 Uhr
3. Jurastudent:
Ich lerne gerade an der Uni, dass sich der Vorsatz bei der Beihilfe auf alle Tatbestandsmerkmale einer Haupttat erstrecken muss. Woher will der Waffenhändler wissen, welche Straftaten in der fernen Zukunft seine Waffenankäufer damit anrichten, noch dazu, wenn ein Mittelsmann eingeschaltet wurde. Er kannte auch deren Pläne. Jeder halbwegs gute Anwalt haut den Mann wieder raus.
01.02.2012
20:17 Uhr
2. Röser:
armes Deutschland es geht immer nur um Deutsche. Da werden DEUTSCHE Umgebracht und es wird nichts gemacht.
01.02.2012
17:26 Uhr
1. zelleninsasse:
Laut anderer Medien sei der Mann angeblich 2002 aus der rechten Szene ausgestiegen und heute im linken Milieau aktiv. Da kommt einem doch gleich der Lebenslauf von J�rgen Gerg in den Sinn. Ebenfalls ungef�hr zu dieser Zeit vorgeblich "ausgestiegen", vorher einer der radikalsten NPD-Anh�nger und erkl�rter Neonazi ("B�ndnis Nationale Sozialisten"), anschliessend nach D�sseldorf verzogen und versucht, in der linksradikalen Szene des Ruhrgebiets Fuss zu fassen. Ohne da was unterstellen zu wollen (die Beh�rden werden das hoffentlich schon abgekopft haben), aber diese Parallelen sind schon auff�llig. Da sich die Unterst�tzer dieser Bande offenbar in ganz Deutschland verteilen, wird die Suche nach weiteren Helfern und Helfershelfern uns sicher noch einige Zeit begleiten. Links sind aus rechtlichen Gr�nden nicht erlaubt.
01.02.2012
16:38 Uhr

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