Sachsen

NSU-Untersuchungsausschuss : Linke, SPD und Grüne stimmen sich ab

Die Bildung eines Untersuchungsausschusses des Sächsischen Landtags zur rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) wird immer wahrscheinlicher. Vertreter von Linkspartei, SPD und Grünen einigten sich am Montag in Dresden grundsätzlich darauf, das Gremium in der nächsten Landtagssitzung Anfang März einzusetzen. Die Rechtsexperten Klaus Bartl (Linke) und Sabine Friedel (SPD) erklärten, den Fraktionen werde Anfang kommender Woche ein entsprechender gemeinsamer Entwurf zur Abstimmung vorgelegt.

Wie weit sollen die Untersuchungen gehen?

Waffen, die im Wohnhaus der Täter der Neonazi-Mordserie in Zwickau sichergestellt wurden
Sachsens Grüne wollen wissen, wie Neonazis im Freistaat an Waffen gelangen.

Allerdings haben sich die drei Parteien noch nicht endgültig über den konkreten Untersuchungsauftrag des Ausschusses verständigt. Das Gremium soll vor allem klären, ob der schwarz-gelben Landesregierung und Sachsens Sicherheitsbehörden Fehler bei den Ermittlungen zur NSU unterlaufen sind. Die Grünen fordern jedoch einen möglichst breiten Auftrag, der sich über die gesamte rechte Szene in Sachsen erstreckt. Als Beispiel nannte der demokratiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Miro Jennerjahn, die Waffen- und Sprengstoffbeschaffung. Sollte ein gemeinsamer Antrag doch noch scheitern, könnte die Linkspartei den Untersuchungsausschuss bei der Landtagssitzung am 7. März auch allein auf den Weg bringen. Für die Einsetzung sind 27 Stimmen im Plenum notwendig, die Linke hat 29 Abgeordnete.

Schwarz-Gelb hat Vorbehalte

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig
Innenminister Ulbig sieht keinen Bedarf für einen NSU-Untersuchungsausschuss in Sachsen.

Die Regierungsparteien CDU und FDP lehnen ein solches Gremium generell ab. Es sei überflüssig, da bereits der Thüringer Landtag und der Bundestag U-Ausschüsse zum Rechtsterrorismus eingesetzt hätten. Innenminister Markus Ulbig erklärte zudem, die im Sächsischen Landtag sitzende NPD könne auf diesem Weg möglicherweise an Unterlagen gelangen, die für sie bei einem Verbotsverfahren nützlich wären. Die Linken-Abgeordnete Kerstin Köditz bezeichnete diese Aussage in der "Süddeutschen Zeitung" als Unsinn. Dann müsse Ulbig auch den Innen-, Verfassungs- und Rechtsausschuss abschaffen, weil die NPD in ihnen vertreten ist.

Die Opposition geht allerdings davon aus, dass die schwarz-gelbe Koalition gegen die Einsetzung des Untersuchungsausschusses klagen wird - obwohl dieser einiges zu klären hätte. So hielten sich die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe nach ihrem Rückzug in den Untergrund die meiste Zeit in Sachsen auf, begingen hier auch mehrere Raubüberfälle. Zudem führte der Landesverfassungsschutz Überwachungsaktionen im Umfeld der NSU durch und mehrere mutmaßliche Unterstützer der NSU leben im Freistaat.

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Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2012, 20:02 Uhr

4. Heinz Faßbender:
Innenminister Ulbig sieht keinen Bedarf f�r einen NSU-Untersuchungsausschuss in Sachsen? Jetzt fehlt nur noch das Spr�chlein: "Ich hab doch von nix gewusst". Warum dann der monatliche Versorgungsscheck?
22.02.2012
09:20 Uhr
3. daweed:
gut gekontert von Frau Köditz. Ulbig verweigert einfach die Einsicht das Rechtsextreme ein Alltagsproblem sind, aber eine bessere Bildung verweigert er allen Sachsen, um mit den Vorurteilen aufzurämen. die CDU ist eben auch von diesem Alltagsproblem direkt betroffen, aber zugeben möchte es keiner... Ein Teufelskreis!
21.02.2012
11:15 Uhr
2. Dresdner:
Ist es nicht an der Zeit Herr Ulbig ,der Öffentlichkeit die wahren Gründe für Ihre starrsinnige Haltung zu erklären.Wer wird hier geschützt oder wer hat Angst ?Warum geht in Thüringen was in Sachsen von zwei Partein nicht gewollt ist. Geht es hier wie fast immer in Sachsen bei Entscheidungen nach dem Prinzip wenn die "Einen dafür sind ,sind die Anderen aus Prinzip dagegen" Man nennt dies kleinkarierten Machtkampf auf dem Rücken der Bürger.
21.02.2012
10:28 Uhr
1. Frankenthal:
Das ein Innenminister, der vor dem Scherbenhaufen seiner Politik steht, gegen einen Untersuchungsausschuss ist, wundert keinen Menschen. Das sich die Neonazi-Terrortruppe in Sachsen so wohl gefühlt hat, kommt doch nicht von ungefähr. Während mit kleinlicher Akribie den Gegnern der rassistischen Hetzer das Leben schwer gemacht wurde, „übersah“ man diese Mördertruppe samt Anhang ganz einfach über ein Jahrzehnt. Zu klären ist nun, was an dieser Politik Unfähigkeit und was Absicht war.
20.02.2012
21:35 Uhr

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