Sachsen

Gedenken an Opfer rechtsextremistischer Gewalt : Merkel bittet Angehörige um Verzeihung

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die sich bei den Angehörigen der Opfer der rechtsextremen Mordserie entschuldigt. Merkel sagte in der zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin, es sei besonders beklemmend, dass Angehörige der Opfer zu Unrecht unter Verdacht gestanden hätten. "Dafür bitte ich Sie um Verzeihung" sagte Merkel, die die Hauptrede bei der Gedenkfeier hielt. Hintergrund ist, dass die Ermittler während der Mordserie zunächst in einigen Fällen von Straftaten im Drogen-Milieu ausgegangen waren und Ermordete und Angehörige verdächtigt hatten, darin verstrickt zu sein.

Merkel: "Morde waren ein Anschlag auf unser Land"

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im Konzerthaus in Berlin bei der zentralen Gedenkveranstaltung für die Opfer der rechtsextremistischen Gewalt.
Merkel: "Die Morde sind eine Schande für unser Land."

Außerdem versprach die CDU-Chefin ein entschlossenes Eintreten des Staates gegen Rechtsextremismus und Gewalt. Zudem versicherte sie den Angehörigen, dass alles getan werde, um die Morde aufzuklären und die Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Es gelte nun, alles zu tun, damit sich so etwas nie wieder wiederholen kann. Erste Weichen für eine bessere Zusammenarbeit der Behörden würden bereits gestellt. Gegen die Verantwortlichen kündigte sie ein entschlossenes Vorgehen an. Überall, wo an den Grundfesten der Menschlichkeit gerüttelt werde, sei Toleranz fehl am Platz. "Die Morde der Thüringer Terrorzelle waren auch ein Anschlag auf unser Land. Sie sind eine Schande für unser Land." Gefährlich seien aber nicht nur Extremisten, warnte Merkel. Oft stünden Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit am Anfang eines Prozesses einer schleichenden Verrohung. "Aus Worten könnten Taten werden", mahnte die Kanzlerin. Daher müsse der Kampf gegen Vorurteile, Verachtung und Ausgrenzung täglich geführt werden.

Schweigeminuten für die Opfer

Zu Beginn ihrer Rede bei der Gedenkfeier für die neun ermordeten Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie für eine deutsche Polizeibeamtin verlas Merkel die Namen der Getöteten und bat um schweigendes Gedenken. Außerdem wurde im Bundestag und in den Landtagen mit einer Schweigeminute an die Opfer rechtsterroristischer Gewalt erinnert. Dabei geht es in erster Linie um die zehn Opfer einer Mordserie, für die das mutmaßliche rechtsextreme Terror-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe verantwortlich sein soll. Die aus Jena stammenden Rechtsextremisten waren 1998 untergetaucht und hatten jahrelang in Zwickau gelebt. Sie sollen in den Jahren 2000 bis 2006 neun Gewerbetreibende türkischer beziehungsweise griechischer Herkunft sowie im Jahr 2007 eine aus Thüringen stammende Polizistin ermordet haben.

Angehöriger verzichtet auf Entschädigung

Während der Gedenkfeier kamen auch Angehörige der Opfer zu Wort. So äußerte sich Ismail Yozgat, Vater des im April 2006 in Kassel getöteten 21-jährigen Halit Yozgat. Yozgat dankte für die Einladung zu der Gedenkfeier und kündigte an, auf die finanzielle Entschädigung zu verzichten. Stattdessen verlangte er seelischen Beistand. Er wünsche sich, dass alle Mörder sowie Hintermänner und Helfershelfer gefasst würden und dass die Straße, in der sein Sohn ermordet wurde, nach diesem benannt werde.

Rund 100 Zwickauer bei Gedenkminute

Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und verschiedene Organisationen hatten zudem zu einer bundesweiten Schweigeminute für den Mittag aufgerufen. Dafür unterbrachen auch die Landtage von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ihre laufenden Debatten. So beteiligten sich unter anderem 100 Zwickauer an dem stillen Gedenken. Vertreter von Stadt, Kirchen und Gewerkschaften sowie Einwohner versammelten sich vor dem Rathaus zu einer Gedenkminute. Busse und Bahnen standen eine Minute lang still, außerdem wurden im VW-Werk in Mosel die Bänder angehalten. Ähnliche Veranstaltungen gab es in Aue, Chemnitz, Leipzig und Bautzen. In Sachsen und Thüringen wurde für den Donnerstag Trauerbeflaggung für öffentliche Gebäude angeordnet. Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten blieben Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen und S-Bahnen um zwölf für eine Minute an den Haltestellen stehen.


Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2012, 22:12 Uhr

12. PeterD:
Gottseidank und hoffentlich haben Menschen wie Heinz Fassbender für nichts und niemanden Verantwortung. Die "aufrechten Kräfte", die er meint sind in ihrer schlimmsten Realität keine anderen als die Verfassungsfeinde vom andern Flügel. Auf beide soll und muss der Verfassungsschutz ein Auge haben - und das hat er auch, nicht nur in Sachsen!
24.02.2012
15:37 Uhr
11. Heinz Faßbender:
Ob das die beste Rede der "Kanzlerin" war, wage ich zu bezweifeln. Grund: ich glaube ihr kein Wort. - Hintergrund: Heuchelei - Weswegen: Zulassung von staatlichen Verfolgungsmassnahmen von aufrichtigen, gesellschaftlichen Kräften, die sich gegen die Nazis zur Wehr setzen. - (besonders in Sachsen) - Die Zahlen von Opfer rechter Gewalt sind durch die Behörden kleingerechnet. Betrug!
24.02.2012
10:31 Uhr
10. MG:
Wenn Frau Merkel, unsere Bundeskanzlerin um Verzeihung bittet dann ist das wirklich von ganzen Herzen gemeint. Sie kann nicht überall sein und ihr ging das bestimmt auch an die Nieren. Wie jedem anderen wie mir auch. Wie kann es so weit kommen ? Indem wir zulassen das sich solche Leute profilieren und agieren können. Das müsste man schon im Keim ersticken. Also wenn sie sich zeigen gleich bekämpfen, legal nur mit Worten. Oder mit einer Menschenmenge um sie einzuschüchtern. Eine Überzahl von Gegnern würde die schon zum Rückzug bewegen. Zur Einsicht weniger, das wären nur in Einzelgesprächen möglich, bei einer großen Anzahl allerdings sehr aufwändig.
23.02.2012
22:03 Uhr
9. Friedl Schultz:
Ich begrüße die Rede der Bundeskanzlerin. Zumindest scheint sie erkannt zu haben , dass es sich nicht um eine "Zwickauer" Neo-Nazi-Terroristen-Zelle handelt, sondern sie spricht nach deren Herkunft von einer "Thüringer Zelle". Man könnte genau so gut von Jenaer-, Chemnitzer-, Stuttgarter- oder Deutscher Zelle reden. Aber einigen Medien scheint der Name der Stadt Zwickau besonders leicht über die Lippen zu gehen wenn es sich um Negativdarstellung handelt. Allen voran der MDR. Als gebürtiger Zwickauer wundert es mich, dass die Stadtoberen nicht schon längst eine Unterlassungsklage angestrengt hat, sondern nur den schweren Imageschaden beklagt.
23.02.2012
19:55 Uhr
8. PeterD:
Dresdner und Blumenfreund bestätigen alle Vorurteile, die man gegen die Extremen von beiden Seiten hat. Der Quatsch von der "nationalen Opposition" ist genau so dämlich wie die von der anderen Seite propagierte Kumpanei zwischen Staat und Rechten. Die Rechten suhlen sich in ihrer Opferrolle und die Linken beklagen je nach Anlass, dass der Staat auf einem Auge Sehschwächen hätte oder aber auf der Linken zu genau hinschaue. Beide wird er sie im Auge haben müssen. Sie haben sich das redlich verdient!
23.02.2012
17:13 Uhr
7. PeterD:
Bei manchen fragt man sich schon, ob sie den Schuss geh�rt haben. Zum einen hatten diese grausamen Verbrechen keinen erkennbaren gemeinsamen Hintergrund - au�er, dass die Opfer mit Ausnahme der Polizistin einen Migrationshintergrund hatten. Kein Polizist der Welt w�rde bei Gewaltverbrechen zun�chst einen Terrorakt vermuten. Angela Merkel hat sich entschuldigt, dass die Angeh�rigen der Opfer teilweise �ber Jahre als m�gliche Opfer in Verdacht gerieten, was sich im Nachhinein als v�llig unbegr�ndet erwies. Da erwarte ich in jedem Fall von falscher Verd�chtigung eine Entschuldigung. Wenn dies durch die Bundeskanzlerin geschieht, hat das damit zu tun, dass es sich um eine Mordserie handelte, die wegen ihrer rassistischen Motivation und der 10 Opfer eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Darum war das angemessen.
23.02.2012
16:55 Uhr
6. Dresdner:
Verehrter Herr "Blumenfreund", welch geistigen Ursprungs ihre Darstellungen sind, ist ja hinl�nglich bekannt. Interessant sind doch die Worte der Kanzlerin f�r unsere S�chs. Landesregierung. Wer verhindert U- Aussch�sse zum "Thema", die CDU/FDP-Regierung, wer verweigert eine Zusammenarbeit mit den Th�ringern (die haben es begriffen), die CDU/FDP-Regierung, warum gibt es seitens des Innenministers nur Antworten wenn "gebohrt" wird. Wer hat etwas zu verheimlichen oder erkennt noch immer nicht die Ernsthaftigkeit der Lage? Das Argument s�chs. CDU-Politiker die "Rechten" seien das Gegengewicht zu den "Linken" spricht nat�rlich B�nde. Und die Streichung von Mitteln f�r Pr�vention gegen Rechts und Kommunen ist ja in Sachsen an der Tagesordnung. Da werden dann die Orstfeste/Kinderfest durch die NPD veranstaltet.
23.02.2012
16:49 Uhr
5. Bürger:
Ich frage mich, wo ist in diesem Land noch Gerechtigkeit zum B�rger und zu den Familien. Laut Statistischem Bundesamt haben sich 2009 in Deutschland 9616 Menschen das Leben genommen. Und laut Bundesamt f�r Statistik hat sich die Prozentzahl von psychisch Kranken (Burn-out-Depressionen) 2011, auf 14,5 Prozent gesteigert, und auf anderweitige Verwerfungen m�chte ich gar nicht eingehen. Wo ist bitte die Verzeihung und die Wiedergutmachung an den Menschen und ihren Familien? Darauf wie immer eine Di�tenerh�hung, wie sie in Sachsen-Anhalt erneut geplant ist und was ist bitte mit Th�ringen?
23.02.2012
16:31 Uhr
4. Blumenfreund:
So so, Frau Merkel entschuldigt sich bei den Opfern. Warum gerade bei Ausl�ndern? Sind die so wichtig f�r Frau Merkel? Dann sollte sie sich gef�lligst bei allen Mordopfern in Deutschland entschuldigen, ohne Unterschied. Aber das wird sie nicht tun. Hier soll ja geziehlt Stimmung gegen die nationale Opposition erzeugt werden, die wohl zu friedlich war. Deswegen wurden ja auch die sog. V-Leute dort erst eingeschleust, um eben zu Straftaten anzustacheln.
23.02.2012
15:20 Uhr
3. PIROL:
Was ist mit deutschen Opfern? Es sind auch Deutsche durch Menschen mit Migrationshintergrund ermordet worden! Bittet Merkel deren Angeh�rige auch um Verzeihung?
23.02.2012
14:51 Uhr

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