Sachsen

NSU-Untersuchungsausschuss Sachsen : Schwarz-Gelb lehnt Vernehmung von Boos ab

Der Untersuchungsausschuss des Sächsischen Landtags zum Neonazi-Terror wird nun doch nicht in der kommenden Woche den scheidenden Verfassungsschutzpräsidenten Reinhard Boos vernehmen. Die schwarz-gelbe Koalition lehnte am Donnerstagabend mit ihrer Mehrheit im Ausschuss den Antrag von Linken, SPD und Grünen für eine Sondersitzung ab.

Schreiber: Ohne Akteneinsicht macht Vernehmung keinen Sinn

Reinhard Boos
Scheidender Verfassungsschutzchef Reinhard Boos

Der Ausschussvorsitzende Patrick Schreiber begründete die Ablehnung damit, dass die Mitglieder derzeit noch nicht jene Akten einsehen können, die jüngst im Landesamt aufgetaucht waren und zum Rücktritt von Boos geführt hatten. Der CDU-Politiker erklärte, dies sei aber zur Vorbereitung auf die Zeugenvernehmung notwendig. Bei den Dokumenten gehe es um eine Telefonüberwachung unter der Regie des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Daher müsse auch das Bundesamt die Akten für die Einsicht im Untersuchungsausschuss freigeben. Vertreter der Opposition nannten das ein vorgeschobenes Argument. Die Freigabe sei nur eine Formalie.

Akten sollen Telefonüberwachung eines Neonazis betreffen

Die Akten aus dem Jahr 1998 waren nach Auskunft des Verfassungsschutzes am Dienstag zufällig im Schrank eines Mitarbeiters gefunden worden. Sie sollen aus rund 100 Seiten bestehen und eine Telefonüberwachung aus dem Jahr 1998 betreffen. Nach Medienberichten war diese gegen ein Mitglied des Neonazi-Netzwerkes "Blood & Honour" gerichtet. Was genau in den Dokumenten steht, ist bislang nicht öffentllich bekannt. Innenminister Markus Ulbig zufolge hätten die Akten jedoch an das Bundesamt zurückgeschickt oder in der Zwischenzeit geschreddert werden müssen. In Sachsen lagerte offenbar eine Kopie der Protokolle. Der Minister vermutet hinter der Aktenaffäre "das eklatante Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter".

Linke in Parlamentarischer Kontrollkommission sieht neue Fragen

Die Mitglieder der Parlamentarischen Kontrollkommission erhielten am Donnerstag hinter verschlossenen Türen Einsicht in die Akten. Danach erklärte Linkenfraktionschef André Hahn, es hätten sich neue Fragen ergeben: "Es gibt Fragen im Dutzend. Wir haben keine Antworten." Es sei nicht klar, wer und in welcher Weise Daten ausgewertet habe und was das Landesamt mit den Informationen gemacht hat. Hahn zufolge geht es um Hunderte von Telefongesprächen und SMS-Mitteilungen. PKK-Mitglied Kerstin Köditz sagte, eine der wichtigsten Fragen sei, wieso Sachsens Verfassungsschutz über Abhörprotokolle des Bundesverfassungsschutzes verfüge. Bislang habe Ulbig stets nur von einer Zusammenarbeit des Landesverfassungsschutzes mit dem Thüringer Verfassungsschutz gesprochen. Bei MDR INFO forderte Köditz Innenminister Ulbig auf, wegen der Panne auf seinen Urlaub zu verzichten. Der Minister solle besser ins Landesamt gehen und dort jede Schublade selbst durchsuchen.

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2012, 23:06 Uhr

8. Don.Corleone :
An d. Staatl.Zensoren d. Deutschen Staatsfernsehens MDR : Wer bestimmt d. Kommentar-Richtlinien ? Ist das Merkel/CDU u. Co. ? Oder wer ist das ? Oder ein Geschäftsführer , der sich Intendant schimpft ? Vertragen sich Ihre Kommentar-richtlinien m.d.GG ? Oder verstoßen sie dagegen ?
13.07.2012
18:22 Uhr
7. Dreuifels:
wer selbst stark involviert ist tut natürlich alles, um weitere, vertiefende Nachforschungen zu verhindern. CDU und FDP in Sachsen waren immer schon braun befleckt (mindestens) und selbstherrlich. Aber geübt in "unter den Teppich kehren" und vertuschen. Sachsen IST seit Anbeginn ein korrupter Sumpf mit einigen mehr oder weniger tiefbraunen Flecken.
13.07.2012
17:19 Uhr
6. orcas:
Wenn die CDU/FDP im Ausschuss mauert, haben sie auch einen Grund dafür. Setzt euch mit dem Untersuchungsausschuss in Berlin in Verbindung. Da gibt es eine andere Mehrheit.
13.07.2012
17:05 Uhr
5. Jürgen G. Gmell:
Ich bitte die Online-Redaktion des mdr ungerechtfertigte Zensurmaßnahmen zu unterlassen und Unterstellungen zu unterstellen. „Wenn Sie es genau wissen wollen – ich war betrunken!“, Roewer vor dem Thrüinger UA.
13.07.2012
12:16 Uhr
4. Jürgen G. Gmell:
Warum war Thüringens LfV-Präsident Roewer so darauf aus, Scheinfirmen zu gründen und was waren das für "Scheinfirmen"? - Und wie wurde das ggf. so erzielte Gehalt oder der Firmengewinn behandelt, kam das noch zu seinen Beamtenvergütungen als Quasi-Zweiteinkommen dazu? - Man kann bekanntlich nur einem Herrn dienen – auch als Staatsdiener. Es ist also keineswegs "anrüchig", danach zu fragen, sondern stinkt zum Himmel, wenn es nicht getan wird. - Die Art "Geheimer" der Roewer-Klasse sind offenbar am liebsten dienstlich und in der reichlichen Freizeit [...] in Kneipen oder Etablissements anzutreffen, wo ihnen von unbekannten Dunkelmännern im Dunkeln Ernennungsurkunden übergeben werden. - Herr Roewer sagte nicht, dass er sie in sein Jackett gesteckt habe, sondern, dass er sie in seinem Jackett am nächsten Tag hat stecken sehen. Also liegt doch die Frage nahe, ob er dieses vielleicht abgelegt hatte und ob er [...] womöglich auch unbekleidet war? (Beitrag wegen Unterstellung gekürzt; MDR.DE)
13.07.2012
11:59 Uhr
3. crabatellis:
Chronischer systematischer Wirrwarr! Wehe wer dagegen verstösst!!!
13.07.2012
09:15 Uhr
2. redaktion ksta:
Angesichts von 10 Morden - eine Polizistin wurde erschossen, mehreren Banküberfällen, einer von Hass motivierten Welle von Straftaten aller Art. Hat die bundesdeutsche Politik, Justiz und Staatsgewalt gegenüber dem rechten Terror komplett versagt. - Schlimm ist es, das jetzt nicht mit aller Kraft an die Aufklärung und gerichtliche Aufarbeitung gegangen wird. Der Anschein kommt auf, das es noch immer staatliche Mittäterschaft gibt. - Was ist ein Leben in diesem Land noch wert?
13.07.2012
07:01 Uhr
1. Ulrike Schüttel :
"Schwarz-Gelb lehnt Vernehmung von Boos ab", selbstherrlicher Helmut Roewer (der mir von Anfang an suspekt war), dem Untersuchungsausschuss bewusst vorenthaltene (denke ich) Akten - all das Stichworte, die einem die Luft nehmen. So viel Schmutz verursacht permanente Übelkeit. Die Bezeichnung "Pannen" bagatellisiert die ganze Misere.
13.07.2012
00:36 Uhr

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