Dienstags direkt | 18.11.2014 "Wer behindert hier wen? Die hohe Schule der Inklusion"

Was passiert mit Menschen, die besondere Fürsorge verdienen? Im alltäglichen Leben, in den Klassenzimmern? Bekommt tatsächlich jeder seine Chance? Was muss unser Bildungssystem leisten? Dienstags direkt suchte Antworten.

Wer heute was werden will, muss sich früh für den "richtigen" Bildungsweg entscheiden. In der vierten Klasse wird bereits das erste Mal gesiebt. Schon an dieser Kreuzung werden die Chancen ungleich verteilt. Landläufig hält sich die These, nur wer Abitur hat, bekommt einen guten Job.

Jedem seine Chance

Ein Mädchen im Rollstuhl mit anderen Kindern.
Allen gerecht werden. Ist unser Bildungssystem dazu in der Lage? Bildrechte: Colourbox

Was passiert also überall dort, wo uns das Leben ausbremst? Dort, wo in die vollen Klassenzimmer zusätzlich Kinder kommen, die besonderer Fürsorge bedürfen, Kinder mit einer Sprachstörung, einem körperlichen oder geistigen Handicap. Plötzlich schlagen Eltern und Lehrer Alarm. Die einen sehen die Bildung ihrer Kinder in Gefahr, die anderen sind kaum noch in der Lage, den Unterrichtsstoff zu vermitteln. Denn unter den 28 Schülern sitzen dann drei mit Aufmerksamkeitsdefizit, zwei, die hochbegabt sind, ein Kind mit Migrationshintergrund und ein Kind mit Handicap. Bleibt  dann für die übrigen 21 keine Zeit mehr? Verdient tatsächlich jeder seine Chance? Wie sieht das im Unterricht aus?

Mittlerweile gibt es eine gesetzliche Grundlage auf internationaler Ebene, die klar festlegt, dass Kinder nicht in Sonderschulen geparkt werden dürfen. Die Mehrheit sagt, das ist in Ordnung. Oft sind das aber nur Lippenbekenntnisse. Wie soll Inklusion in der Praxis aussehen? Müssen wir unser Bildungssystem komplett umgestalten? 

Inklusion versucht, die Herausforderungen unserer Welt menschenwürdig anzunehmen. Dabei handelt es sich nicht um ein Ergebnis, sondern um einen Prozess. Selbst wenn inklusive Prozesse nie wirklich abgeschlossen sind, lohnt sich jeder kleine Schritt.

Silke Hoekstra Geschäftsführerin Lebenshilfe Sachsen e.V.

Unsere Gäste im Studio waren:

  • Brigit Naundorf, Mutter eines zehnjährigen Kindes mit Förderbedarf
  • Prof. Dr. Anke Langner, Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Inklusive Bildung, TU Dresden
  • Silke Hoekstra, Geschäftsführerin Lebenshilfe Sachsen e.V.
  • Antje Leisner, stellvertretende Schulleiterin der Sprachheilschule Dresden; Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik; Vorsitzende der Landesgruppe Sachsen

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2017, 14:04 Uhr