Verkündigungssendung Das Wort zum Tag

Täglich hören Sie das Wort zum Tag. Montags bis freitags gegen 5:45 Uhr und 8:50 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht diese Woche Dr. Harald Lamprecht.

Mittwoch, 24.05.2017: Religionsfreiheit

Der Beauftragte für Weltanschauungs- und Sektenfragen der evangelischen Landeskirche Sachsen, Harald Lamprecht
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gesprochen von Dr. Harald Lamprecht

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mi 24.05.2017 05:45Uhr 02:21 min

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In unserem deutschen Grundgesetz stehen in den ersten Artikeln die Grundrechte. Diese Grundrechte markieren die Pfeiler, auf denen unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft ruht. Zu diesen Grundrechten gehört auch die Religionsfreiheit.

Religionsfreiheit bedeutet, dass ich meinen Glauben frei und ungehindert leben kann: für mich persönlich und auch öffentlich gemeinschaftlich mit anderen. Auf der anderen Seite gehört zur Religionsfreiheit ebenso die Freiheit, nicht zu einer mir fremden Religionsausübung gezwungen werden zu dürfen.

Religionsfreiheit gehört zu den großen Errungenschaften unserer demokratischen Ordnung und ist prominent im Grundgesetz verankert. Dennoch ist sie gegenwärtig umstritten wie lange nicht mehr. Derzeit buhlt eine Partei um Wählergunst, die die Religionsfreiheit abschaffen will - zumindest im Blick auf den Islam, und zwar mit der Begründung dass der Islam seinerseits die Religionsfreiheit nicht respektiere.

Nun ist es leider wahr, dass in vielen mehrheitlich islamisch geprägten Ländern keine Demokratie herrscht und auch die Religionsfreiheit nicht auf dem Stand ist, dass wir damit zufrieden sein könnten. Aber gibt ein Unrecht, das anderswo geschieht, mir das Recht, dasselbe Unrecht auch zu begehen? Sollen wir unsere rechtlichen Standards wirklich auf den Stand korrupter Regimes herunterziehen lassen? Wir können unsere Grundrechte nicht dadurch verteidigen, dass wir sie für bestimmte Gruppen abschaffen.

Religionsfreiheit fällt schwer, denn sie ist eine Zumutung. Sie bedeutet auch: „Freiheit für den Irrtum.“ Denn sie hat nur dann Sinn, wenn sie auch für Religionen gilt, deren Inhalte ich nicht richtig finde. Deshalb ist sie auch in erster Linie keine Eigenschaft von Religionen, sondern eine Garantie des Staates. Als solche hängt sie nicht an der Zustimmung der jeweiligen Religion.

Es ist schön und hilfreich, wenn auch die Religionen sich zur Religionsfreiheit bekennen. Eine Voraussetzung für ihre Gewährung durch den Staat ist das aber nicht. Im Gegenteil: Historisch hat der Staat die Religionsfreiheit gegen die Religionen durchgesetzt. Auch in Deutschland haben die christlichen Kirchen sich erst etliche Jahre nach der Entstehung des Grundgesetzes offiziell positiv zur Religionsfreiheit gestellt. Es lohnt sich also, beharrlich und mit Geduld dafür zu werben.

Ich wünsche mir, dass Menschen ihre religiösen Überzeugungen frei und offen leben können - überall in der Welt und hier bei uns.

Kurzbiografie Dr. Harald Lamprecht

Dr. Harald Lamprecht

geboren 1970 in Dresden | verheiratet, drei Kinder | 1990 Theologiestudium in Leipzig, Göttingen und Halle | 1996 Wiss. Mitarbeiter am Institut für Ökumenik, Konfessionskunde und Religionswissenschaft der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | 1999 Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Geschäftsführer des Evangelischen Bundes, Landesverband Sachsen

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag ...

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... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.