Verkündigungssendung Das Wort zum Tag

Täglich hören Sie das Wort zum Tag. Montags bis freitags gegen 5:45 Uhr und 8:50 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche Pfarrer Armin Luhmer.

Sonnabend, 18.11.2017: Geduld

Armin Luhmer
Bildrechte: MDR/Armin Luhmer

gesprochen von Armin Luhmer

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Sa 18.11.2017 08:50Uhr 02:31 min

Audio herunterladen [MP3 | 2,3 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 4,6 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/sachsenradio/podcast/wort/audio-538604.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

"Es will noch nicht krabbeln" erzählen mir die Eltern. Das Baby dreht sich mit Freude hin und her aber trotz mancher Versuche der Eltern krabbelt es noch nicht. Es können noch Tage und Woche vergehen, bis es sich einmal alleine fortbewegt und eigenständig die Welt weiter entdeckt. Die Eltern können etwas nachhelfen, aber letztlich bestimmt es der kleine Mensch selbst, wann es soweit ist. Es braucht Geduld, etwas Neues zu Lernen. Manches Kind überrascht seine Eltern, wenn es plötzlich begriffen hat, wie es geht, und dann munter über den Teppich krabbelt.

Du kannst noch so oft an der Olive zupfen, sie wird dadurch nicht schneller reif, sagt ein Sprichwort aus der Toskana. Zeit und Geduld sind gefragt. Immer wieder gibt es Dinge im Leben, die fühlen sich wie "Krabbeln lernen" an und brauchen ihre Zeit, damit etwas Neues entsteht und reift - wie eine Olive. Ich muss mich nach einem Wechsel in ein neues Arbeitsfeld einfinden. Ich trainiere für eine Sportart oder ich lerne ein neues Musikinstrument. Es benötigt Geduld und Zeit.

Das sind äußere Dinge, die ich mir aneigne. Daneben gibt es auch ein inneres Wachsen:  ein Verständnis für Menschen mit denen ich mich schwer tue, die Geduld mit mir selbst, die Besonnenheit bei Entscheidungen, eine Gelassenheit mit den ernsten Dingen des Lebens umzugehen. Auch dafür gibt es ein eigenes Tempo, bis etwas in mir wächst. Ich kann es nicht herbeizwingen. Es gilt aufmerksam und beharrlich zu sein für das, was in mir entsteht.

Jesus erzählt in der Bibel vom Wachsen der Saat und vom Fruchtbringen. Das Wachsen kann man nicht machen. Das Wachsen geschieht von alleine. Ich kann nur für gute Bedingungen sorgen, dass es etwas wachsen und reifen kann. Ich kann darauf hoffen, dass etwas gute Frucht bringt. Jesus vergleicht es mit dem, was er Reich Gottes nennt. Es ist ein Zustand des Verstehens, der Gerechtigkeit und des Annehmens. Dieser Zustand ist nicht einfach herstellbar. Er wächst, und nach und nach werden die Früchte sichtbar. Zeit und Geduld sind gefragt wie beim Baby das krabbeln lernt. Auf einmal ist es soweit und es zeigen sich die Früchte der Geduld und des Wartens.     

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Armin Luhmer

Armin Luhmer

1966 geboren in Bonn | verheiratet, drei Kinder | Theologiestudium in Bonn und Innsbruck | Auslandsjahr in Paraguay | Pfarrer in Köln, Blumberg, Frankfurt/Main | seit 2015 Pfarrer in Dresden

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.