Sonnabend, 30.09.2017: Teller statt Tonne

Was geschieht zu Hause mit saurer Milch, der schrumpeligen Paprika oder den Resten vom Abendessen? Oft genug: Ab damit in den Biomüll. Hin und wieder auch bei uns zu Hause. Auch Supermärkte und Restaurants entsorgen verderbliche Ware auf diese Weise. Jährlich kommen so elf Tonnen zusammen. Pro Person sind das über 80 Kilogramm Lebensmittel.

Krieg und Not sind lang vorbei oder weit weg. Hier ist alles zu haben. So scheint es. In Wirklichkeit landet – weil wir so verschwenderisch sind – ein Drittel aller hergestellten Nahrung in der Tonne statt auf dem Teller. Dabei wurde auch dafür Boden gedüngt und Wasser verbraucht. Bauern sind zeitig aufgestanden. Für Brot, Gemüse und Fleisch, das in die Tonne wandert. Und fast eine Milliarde Menschen auf der Welt hat nicht genug zu essen.

Das alles macht mich betroffen. Gerade jetzt. Im Herbst feiern Christen das Erntedankfest. Die Erträge, das Wachsen und Gedeihen der Natur nicht als selbstverständlich hinzunehmen – das war zu allen Zeiten ein religiöses Grundbedürfnis. Morgen werden deshalb viele Altäre in den Kirchen geschmückt sein: Mit Obst, Gemüse, Gebackenem, Eingekochtem. Diese Lebensmittel werden dann oft gespendet, zum Beispiel an Tafeln für Bedürftige. Danken und Teilen gehören nach christlichem Verständnis zusammen. In vielen Kirchgemeinden sammeln die Menschen deshalb auch zusätzlich Geld für Notleidende anderswo.

Auch ich werde mit meiner Familie einen Erntedank-Gottesdienst besuchen. Und zu Hause werden wir beginnen, aufmerksamer mit den Resten umzugehen: Aufschreiben, wenn etwas übriggeblieben ist. Dann wächst das Gefühl für die Mengen, die wir wirklich brauchen. Und wenn es doch einmal zu viel war: Einen Auflauf backen aus den Kartoffelresten und der sauren Milch. Arme Ritter zubereiten aus dem Brot von vorgestern oder eine Suppe aus dem schrumpeligen Gemüse. Wir könnten zudem noch viel mehr essbare Teile verwerten: Mit Möhren-, Radieschen- oder Sellerieblättern lassen sich Suppen und Salate wunderbar verfeinern.

Jetzt aber ab zum Frühstück: Auch da will ich Gott danken für mein Brötchen mit selbst gemachter Marmelade.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Manuel Füllgrabe

Manuel Füllgrabe

geboren 1978; Pastor und Jugendreferent in Leipzig; davor Pastor in Chemnitz, Kamenz, Quedlinburg; Vater von vier Kindern

Kurzvita Mira Körlin

Mira Körlin

Geboren am 01.10.1976 in Dresden | 1995 Abitur | 1995-1996 freiwilliges Soziales Jahr in Zwickau | 1996-2002 Studium der Germanistik, Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Ev. Theologie an der TU Dresden | 2002-2003 Pressereferentin in der Sächsischen Staatskanzlei | seit 2003 Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für die beiden Dresdner Kirchenbezirke | verheiratet, zwei Kinder

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.