Freitag, 29.09.2017: Friedhof im Herbst

Schöne Tage sind es jetzt im Herbst: Morgennebel und goldenes Licht, wenn die Sonne ihn durchbricht. Bunt gefärbtes Laub an den Bäumen. Kinder sammeln glänzende Kastanien. Eine klare Sicht ins Land. Bald wird sich wieder alles wandeln: Die Bäume werden kahl. Der Himmel ist oft trüb. Reif sammelt sich am Morgen auf den welken Blumen in den Parks und Gärten. Auch auf den Friedhöfen.

"Der Sommer geht vorbei", singt Konstantin Wecker in seinem "Kleinen Herbstlied". "Und all seine Lieder legen sich bis zum Mai zum Sterben nieder." Das Vergehen der Natur, Kälte und Dunkelheit erinnern die meisten von uns daran, dass wir alle uns auf einem Weg befinden, der ein Ziel hat. Wenn ich auf einem Friedhof bin, wird mir das auf besondere Weise bewusst. Die Anlagen und Grabmäler erzählen von Menschen. Wo sie herkamen, wie sie lebten, was sie glaubten. Und: Wann sie starben. Geschichten und Geschichte, beinahe mit Händen zu greifen. Wenn ich auf Graswegen zwischen den Grabsteinen wandle, an kleinen Hecken vorbei oder unter mächtigen Baumkronen, höre ich Insekten summen oder sehe Schmetterlinge von Blüte zu Blüte taumeln. Die Zeit scheint langsamer zu vergehen und ich denke dann: So reich ist das Leben und vielfältig. Aber eben auch endlich. Dann ist es tröstlich zu wissen, dass sich im Frühjahr neue Knospen bilden und zartes Grün. Dass Vögel wieder neu brüten und Bienen ausschwärmen.

Für mich ist dieser Kreislauf der Natur ein Sinnbild dafür, dass auch mit meinem Tod nicht alles vorbei ist. Dass etwas anderes, etwas neues kommt. Oder, wie Konstantin Wecker am Ende in seinem Herbstlied singt: "Der Sommer geht vorbei, doch dieses Sterben wird bald, wie nebenbei, ein Blühen werden."

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Manuel Füllgrabe

Manuel Füllgrabe

geboren 1978; Pastor und Jugendreferent in Leipzig; davor Pastor in Chemnitz, Kamenz, Quedlinburg; Vater von vier Kindern

Kurzvita Mira Körlin

Mira Körlin

Geboren am 01.10.1976 in Dresden | 1995 Abitur | 1995-1996 freiwilliges Soziales Jahr in Zwickau | 1996-2002 Studium der Germanistik, Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Ev. Theologie an der TU Dresden | 2002-2003 Pressereferentin in der Sächsischen Staatskanzlei | seit 2003 Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für die beiden Dresdner Kirchenbezirke | verheiratet, zwei Kinder

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.