Mittwoch, 27.09.2017: Bestechender Glaube

Neulich in der Schwimmhalle waren sie wieder da: teils martialische Kämpfergestalten, auch mal ein Totenkopf oder ein Kindergesicht. Das alles auf Waden, Armen und Oberkörpern von mehr oder weniger trainierten Männern. Drumherum Schriftzüge, mal grob gehauen, mal zart und verschnörkelt. Vielleicht die Namen geliebter Menschen. Oder von Verflossenen. Frauenhaut zieren Sterne hinterm Ohr und Blütenteppiche auf Schultern oder Schenkeln. Schmetterlinge flattern über Dekolletés. Seltener geworden sind die geweihähnlichen Ornamente oberhalb des Steißes.

Körperschmuck hat in vielen Kulturen eine lange Tradition. Selbst Ötzi, die Gletschermumie, war tätowiert. Heute unterstreichen Tattoos unsere Individualität. Zeigen, wer wir sind und wo wir stehen - im Leben und politisch. Sind wasserfeste Unterlage für die Narzissten im Schwimmbad.

Für mich sind diese Hautbilder eine sonderbare Welt. Wie für andere die  Religion. Hier wie da kommen Gegensätze zusammen:  Das Tattoostechen tut weh. Doch liegt gerade darin nicht auch Genuss? Und was sind die Bilder - Kunst oder Kitsch? Wollen die Träger rebellieren oder passen sie sich Mode und Zeitgeist an? Fühlen sie sich ausgegrenzt oder Teil einer Gemeinschaft? Letzteres haben schon die frühen Christen erfahren. Sie wurden zum Teil zwangsweise tätowiert, erkannten sich so aber auch untereinander.

Christliche Matrosen nahmen das später auf. Sie ließen sich Kombinationen aus Kreuz, Herz und Anker auf die Unterarme stechen. Die Symbole für Glaube, Liebe, Hoffnung. Heute gibt es noch andere christliche Motive für die Haut: Engelsflügel, betende Hände, Kreuze in allen Formaten oder auch die Lutherrose.

Platz auf der Haut hätte ich, aber hänge mir lieber ein Kreuz an die Halskette. Auch das als Schmuck und Bekenntnis zugleich.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Manuel Füllgrabe

Manuel Füllgrabe

geboren 1978; Pastor und Jugendreferent in Leipzig; davor Pastor in Chemnitz, Kamenz, Quedlinburg; Vater von vier Kindern

Kurzvita Mira Körlin

Mira Körlin

Geboren am 01.10.1976 in Dresden | 1995 Abitur | 1995-1996 freiwilliges Soziales Jahr in Zwickau | 1996-2002 Studium der Germanistik, Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Ev. Theologie an der TU Dresden | 2002-2003 Pressereferentin in der Sächsischen Staatskanzlei | seit 2003 Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für die beiden Dresdner Kirchenbezirke | verheiratet, zwei Kinder

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.