Montag, 25.09.2017: Eine Frau wie ein Baum

Ihr Holz ist hell und samtig. Und dunkelt später rötlich nach. Es ist härter als Eiche. Möbel werden daraus gebaut, aber auch Klarinetten, Blockflöten oder Dudelsäcke. Ihre Früchte sind jetzt reif: nicht größer als mein Fingernagel, rotbraun mit kleinen gelben Sprengseln. Die Elsbeere. Sie gilt als Lieblingsbaum Katharina von Boras. Wie viele Frauen vor 500 Jahren wusste auch Martin Luthers Gattin um die Heilkraft von Bäumen und Kräutern. Katharina sah zu, dass sie stets Elsbeeren in ihrer Hausapotheke hatte. Wenn nicht, schrieb Ehemann Martin Briefe an seinen Freund Agricola, er solle ihm Elsbeerfrüchte schicken. Seine Frau brauche sie. Am nördlichen Harzrand würden sie wachsen. Katharina verabreichte sie ihrem lieben Dr. Martinus, wenn er Bauchschmerzen hatte oder an Koliken litt. Aber auch Saft, Sirup, Gelee oder Likör ließ sich aus den kleinen aber feinen Beeren machen.

Manchmal stelle ich mir Katharina vor: Wie sie jeden Tag wirbelt, dass Essen auf den Tisch kommt. Dass es ihrem Mann und den Kindern gut geht. Dass Gäste sich willkommen fühlen. Dass die Tiere gefüttert und Haus und Hof sauber sind. Wie sie den Garten pflegt. Pflanzt, gießt und erntet. Und dass sie ihrem Mann den Rücken frei hält, ihn stützt, ihm Mut macht. Das alles kann sie, weil sie selbst auf einen Gott vertraut, der sie und ihre Familie hält und der die Dinge wohl machen wird. Trotz allen Leids, als zum Beispiel Tochter Magdalena stirbt. Ich glaube, dieses Gottvertrauen macht sie selbst stark wie einen Baum. Ein Vers im Alten Testament der Bibel beschreibt das: Gesegnet ist der [Mann], der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte. (Jeremia 17, 7+8)

Ein Mann wie ein Baum. Bei Katharina würde ich sagen: Eine Frau wie ein Baum. Beherzt, zupackend, stark, lebensfördernd und tief verwurzelt im Glauben.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Manuel Füllgrabe

Manuel Füllgrabe

geboren 1978; Pastor und Jugendreferent in Leipzig; davor Pastor in Chemnitz, Kamenz, Quedlinburg; Vater von vier Kindern

Kurzvita Mira Körlin

Mira Körlin

Geboren am 01.10.1976 in Dresden | 1995 Abitur | 1995-1996 freiwilliges Soziales Jahr in Zwickau | 1996-2002 Studium der Germanistik, Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Ev. Theologie an der TU Dresden | 2002-2003 Pressereferentin in der Sächsischen Staatskanzlei | seit 2003 Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für die beiden Dresdner Kirchenbezirke | verheiratet, zwei Kinder

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.