SACHSENSPIEGEL

Holocaust-Gedenken : Zeitzeugen halten Erinnerung wach

Bei den Gedenkfeiern zum Holocaust mahnen Zeitzeugen, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten. In Magdeburg schilderte der Cousin von Anne Frank, Buddy Elias, die gemeinsame Zeit mit dem jüdischen Mädchen. Im Bundestag berichtet Marcel Reich-Ranicki seine Erlebnisse im Warschauer Ghetto. In Dresden und Erfurt forderten Politiker, die Menschenwürde zu bewahren und Verantwortung zu zeigen.

Holocaust Deportation

Zum bundesweiten Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus hat der Cousin Anne Franks, Buddy Elias, im Magdeburger Landtag an die Leiden jüdischer Menschen während dieser Zeit erinnert. Der 86-Jährige ist der letzte Überlebende der Familie Frank. Er mahnte zu "allergrößter Aufmerksamkeit". Die Morde der rechtsradikalen Neonazis, "die immer noch vorhandene NPD" sowie weitere solcher Parteien und Organisationen in anderen Ländern zeigten die Notwendigkeit.

"Ihr seid die Zukunft und gestaltet dieses Land, reicht euch die Hände und nicht die Fäuste."

Buddy Elias in Magdeburg

Von der Schweiz aus leitet Elias den Anne-Frank-Fonds und organisiert Vortragsreisen vor allem zu jungen Zuhörern. Vor seinem Auftritt im Landtag hatte er bereits in den Franckeschen Stiftungen Halle von seiner Erinnerung an seine Cousine erzählt.

Anne Frank-Museum in Amsterdam - Tagebuch
Das Tagebuch im Anne-Frank-Museum Amsterdam

Die Familien hatten gemeinsam in Frankfurt gelebt, bis Buddy in die Schweiz zog und Annes Familie 1934 aus Hitlerdeutschland nach Holland floh. Auch dort nicht vor den Nazis geschützt, musste sich die Familie 1942 auf einem Dachboden in einem Amsterdamer Hinterhaus verstecken. Während dieser Zeit schrieb Anne ein Tagebuch, das inzwischen zum Symbol für den Völkermord an den Juden geworden ist. Vor ihrer Deportation übergab sie ihre Aufzeichnungen an eine Bekannte, die das kleine Buch nach Ende des Krieges an Annes Vater weiterreichte, der es dann veröffentlichen ließ. Inzwischen ist das Tagebuch in 80 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft worden.

Tillich mahnt zur Menschenwürde

In Mitteldeutschland wurde auch an vielen weiteren Orten des Holocaust gedacht. In Dresden mahnte Ministerpräsident Stanislaw Tillich zum Schutz der Menschenwürde. "Es gilt, antidemokratische Kräfte zu schwächen und jeglichem Extremismus den Nährboden zu entziehen", forderte Tillich. Sachsens Gedenken widmet sich in diesem Jahr dem Massenmord an Kranken und Behinderten unter dem NS-Regime. In den Anstalten Arnsdorf, Großschweidnitz und Pirna-Sonnenstein fielen zwischen 1939 und 1945 mehr als 23.000 Menschen dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer, darunter allein 1.100 Kinder.

"Wir sind aufgerufen, als Demokraten jeden Tag für das gleiche Lebensrecht und die gleiche Würde aller Menschen einzutreten."

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich

Auch in Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Görlitz und anderen sächsischen Städten fanden Veranstaltungen statt. Am Abend wurde im Stadtmuseum Riesa eine Ausstellung über die studentische Widerstandgruppe "Die Weiße Rose" eröffnet. Der Auschwitz-Überlebende Justin Sonder aus Chemnitz erzählt am Sonntag um 16.00 Uhr in seiner Heimatstadt aus seiner Zeit als Carlebach-Schüler in Leipzig. Die Carlebachschule war die erste jüdische Schule in Sachsen.

Lieberknecht bekräftigt Forderung nach NPD-Verbot

In Thüringen rief Landtagspräsidentin Birgit Diezel dazu auf, die Opfer auch 67 Jahre nach Ende des Regimes nicht zu vergessen. Es gehe nicht um Schuldgefühle, sondern um Verantwortung. Der ehemalige Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald, Ottomar Rothmann, sagte in seiner Gedenkrede im Landtag, es gehe nicht darum, unser Entsetzen zu konservieren, sondern Lehren zu ziehen, die auch künftigen Generationen dienen.

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht bekräftigte in ihrer Rede ihre Forderung nach einem NPD-Verbot. Sie sagte, die NPD bilde den Nährboden für Fremdenhass, Antisemitismus und auch für die menschenverachtenden Gewalttaten des Zwickauer Terror-Trios. Die Gesellschaft sei es den Opfern schuldig, diese rechtsextremistische Partei zu verbieten. Zugleich kündigte die Regierungschefin an, alle Programme gegen Rechts im Freistaat zu überprüfen. Dazu sollen Experten aus Wissenschaft und Geschichte zu Rate gezogen werden. Nach der Gedenkfeier im Landtag wurden in Weimar und in der Gedenkstätte Buchenwald Kränze niedergelegt.

Literaturkritiker Reich-Ranicki erinnert an das Warschauer Ghetto

Im Bundestag schilderte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in einer bewegenden Gedenkrede die Verfolgung der Juden und den von den Nazis organisierten Völkermord. Der 91-Jährige wuchs in einer jüdischen deutsch-polnischen Familie auf und überlebte die Gefangenschaft im Warschauer Ghetto. In seiner Rede erzählte er, wie er als Protokollant einer Sitzung im Ghetto beiwohnte, mit der die Deportation Tausender Juden in das Vernichtungslager Treblinka eingeleitet wurde. Auch seine Eltern waren dort ermordet worden.

Am Holocaust-Gedenktag wird weltweit der Opfer des Holocaust gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit worden. Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Seit 1996 erinnert auch der Bundestag jährlich in einer Gedenkstunde an die Befreiung des Vernichtungslagers.

Marcel Reich-Ranicki
MDR INFO

Reich-Ranicki im Bundestag zum Holocaust-Gedenktag - die gesamte Rede

Marcel Reich-Ranicki spricht vor dem Deutschen Bundestag als Zeitzeuge. Er berichtet vom Warschauer Ghetto und dem Beginn der Deportation der Juden nach Treblinka.

27.01.2012, 10:41 Uhr | 28:44 min

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2012, 22:26 Uhr

5. Observer:
In Berlin Sonntagsreden halten vonwegen NPD-Verbot und zu Hause in Thüringen die Mauschelbrüder weiter mauscheln lassen. E s ist beschämend, wie hier organisiert vonseiten der Regierung und den nachgeordneten Behörden weiterhin weggeschaut und vertuscht wird. Neben der Sch(l)äferkommission hat man sich jetzt zu einem Untersuchungssausschuß durchgerungen, was für ene Lachnummer!!! Wenn ich den gestrigen Bericht (27.01.) aus der Süddeutschen Zeitung über diese "Thüringer Maschelgesellschaft" lese, dann wird mir ganz übel.
28.01.2012
12:27 Uhr
4. Steuerzahler:
Hallo Herr Meiser, ich bin ganz ihrer Meinung, seit Monaten , nein seit Jahren, liegt das Problem und die Forderung nach einen NPD- Verbotsverfahren auf dem Tisch und was ist pasiert, nichts. Was ist eigentlich mit den anderen Rechtsparteien wie DVU usw. ? Im Bezug zur Sache hat man die anderen Menschen vergessen oder möchte man davon bewusst ablenken, von der wirtschaftlichen Misere in Thüringen und in Deutschland. Für den Aufschwung in Thüringen, in Frage Tourismus- und Rennsteig, könnte im Land Thüringen die Fehlinvestitionen gestoppt werden und als Vorschlag müsste eine "Rennsteig- Tourismus-Bahn" von Neuhaus über Oberhof nach Eisenach gebaut werden. Die Verbindung der Wintersportorte würde einen Aufschwung singnalisieren. Hallo Frau Lieberknecht, machen sie es war und setzen sie ihre Kraft dafür ein, dann wird sich das NPD-Problem in Thüringen von alleine lösen.
28.01.2012
12:06 Uhr
3. Der Rechtsstaat:
So ehrwürdig das Ziel ist, wir leben nun einmal in einem Rechtsstaat. Und da braucht man Beweise. Thüringen hat die mit Sicherheit nicht zusammengetragen. Es hat eher die Diskussion aufflammen lassen. Mit leeren Händen lässt sich der NPD die Verfassungswidrigkeit kaum beweisen, geschweige denn sich die Gesinnung verbieten liese. Die DPN stünde als neu gegründete Partei sofort bereit, um dort weiter zu machen, wo die NPD aufhörte. Das Verbot ist nur ein politisches Alibi für nicht vorhandene Tatkraft. Denkverbote helfen hier nicht weiter, wohl aber Denkanstöße! Der Weg ist zugegebener Maßen steiniger, aber letztlich erfolgreicher!
28.01.2012
09:18 Uhr
2. Frankenthal:
Nicht nur für die, die es für möglich halten, dass es kinderliebe Neonazis gibt, weil sie Kinderschänder „an die Wand stellen“ wollen: http://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Frank Sie möchten eben nur endlich wieder „alle an ne Wand stellen“. So jedenfalls lautet eine ihrer Textzeilen, die sie in ihrem dumpfen Hass vor sich hin grölen. Sie glauben daran, dass sie aus Deutschland wieder dieses „Schlachthaus für Menschen“ machen können, die nicht in ihr abscheuliches Weltbild passen. Für mich ist es eine grobe Verharmlosung und zeugt von wenig Respekt für die Opfer, wenn ein Herr Tillich in diesem Kontext davon spricht, jeglichem Extremismus den Nährboden entziehen zu wollen. Denn es gibt ja auch wieder neue Opfer dieser Hass-Ideologen und sollte es einem Herrn Tillich nicht aufgefallen sein: Es waren Nazi-Terrroisten!
27.01.2012
18:15 Uhr
1. Hans Meiser:
In Aufrufen an die Öffentlichkeit ist die gute Frau Lieberknecht immer sehr schnell. Wie wäre es denn, den selbst verschuldeten braunen Sumpf aus Nazis und Verfassungsschutz aufzuräumen? Wer hat denn die Verantwortung für diese Fehlentwicklung? Darauf eine Diätenerhöhung!
27.01.2012
16:50 Uhr

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Der Anne-Frank-Fonds

Die Stiftung sitzt in der Schweiz und unterstützt Projekte, die zum Verständnis für die Religionen werben. Bsp. ist die Anne-Frank-Shoa-Bibliothek in Leipzig. Der Fonds ist Universalerbe der Veröffentlichungsrechte von Anne Franks Werken.

Warschauer Ghetto

Das Warschauer Ghetto wurde 1940 von den Nationalsozialisten im westlichen Teil Warschaus für polnische und deutsche Juden errichtet. Eine halbe Million Menschen lebte eingesperrt zwischen Ghettomauern auf vier Quadratkilometern. Kommandiert wurde das Ghetto von SS-Offizier und NS-Jurist Heinz Auerswald. Zu Verwaltungszwecken erhielt das Ghetto einen Judenrat mit dem jüdischen Ingenieur Adam Czerniakow an der Spitze. 1943 wurde das Ghetto aufgelöst und zerstört und seine Bewohner erschossen oder in das Vernichtungslager Treblinka deportiert.

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