SACHSENSPIEGEL

Hintergrundinformationen : Fakten zur Massentierhaltung in Deutschland

Massentierhaltung - was ist das eigentlich genau? Die Bezeichnung geht zurück auf die "Verordnung zum Schutz gegen die Gefährdung durch Viehseuchen bei der Haltung von Schweinebeständen" aus dem Jahr 1975, die kurz auch Massentierhaltungsverordnung genannt wurde. Heute heißt sie "Tierseuchen-Schweinehaltungs-Verordnung" und gilt für Bestände ab 1.250 Tieren. Doch allein die Zahl der Tiere, die auf einem Hof leben, lässt noch keine Rückschlüsse auf deren Haltungsbedingungen zu. Dennoch steht die Massentierhaltung immer wieder in der Kritik. Bei Umfragen äußern die meisten Deutschen, dass sie eine artgerechte Tierhaltung erwarten und dass Massentierhaltung abgeschafft werden sollte. Aber wie sieht die Realität aus? Einige Fakten zur Massentierhaltung in Deutschland haben wir hier für sie zusammengestellt.

Massentierhaltung von Schweinen

Tiermastanlagen: Produktion und Kosten

  • In Deutschland leben rund 13 Millionen Rinder, 26 Millionen Schweine und 50 Millionen Legehennen, Masthähne und Puten.
  • Die Zahl der Schweinehalter ist im letzten Jahrzehnt um 65 Prozent zurückgegangen, während sich die Schweinebestände pro Betrieb durchschnittlich mehr als verdoppelt haben.
  • In Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind Schweinemastanlagen mit einer Kapazität zwischen 80.000 und 95.000 Mastplätzen geplant. Die Anlagen sind dann fünfmal so groß wie die größte Anlage, die 2001 gebaut wurde.
  • Die Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch in Deutschland geht weit über den Bedarf auf dem deutschen Markt hinaus. Nach Angaben des Deutschen Fleischwarenindustrie e.V. machen Fleischwaren aus Deutschland 26 Prozent der europäischen Produktion aus. Damit ist die Bundesrepublik Spitzenreiter. Der Überschuss der Produktion wird exportiert.
  • In der industriellen Massentierhaltung ist eine Arbeitskraft für rund 40.000 Hühner und 2.000 Mastschweine zuständig.
  • Über 80 Prozent der Hühner in Deutschland leben in Legebatterien – rund 35 Millionen Tiere.
  • 26 Millionen Schweine leben in Ställen von Tiermastanlagen. Wegen des fehlenden Auslaufs und der Enge der Ställe leiden die Schweine häufig an Kreislaufschwäche, Gelenk- und Muskelkrankheiten, Haut- und Klauenverletzungen. Der Stress führt zu Verhaltensänderungen bis hin zum Kannibalismus. Prophylaktisch werden deshalb häufig die Schwänze der Tiere abgeschnitten.
  • Die mittleren Produktionskosten für Schweinefleisch liegen in Deutschland derzeit bei rund 1,30 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht.
  • Die Nutztierhaltung ist das wichtigste wirtschaftliche Standbein der deutschen Landwirtschaft.
  • Viele Mäster in Deutschland arbeiten ohne Kostendeckung. Deshalb werden für Schweinefleisch bereits Exportsubventionen gefordert.
  • Der Bruttoverdienst in der Tierhaltung lag 2010 in Deutschland bei durchschnittlich 1.752 Euro im Monat.
  • Die Zahl der Erwerbstätigen in der Tierhaltung ist von 1998 bis 2008 um 47 Prozent gestiegen.
© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK