Ratgeber

Ratgeber : Richtiges Verhalten bei Gewitter

Blitze sind eindrucksvolle Naturerscheinungen, die aber auch ganz schön gefährlich werden können. Über zwei Millionen Blitze gibt es in Deutschland pro Jahr. Besonders häufig blitzt es in den Sommermonaten Juli und August. Im Januar kommt es dagegen kaum zu Blitzeinschlägen. Versicherungen verzeichnen durch Blitze jährlich Schäden in Millionenhöhe.

Blitze
Blitze sind Lichtbögen, die aufgrund von elektrostatischer Entladung entstehen.

Blitzschutz am Haus

Blitzableiter sind an Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern gesetzlich nicht vorgeschrieben. Schutzvorkehrungen bleiben dem Bauherrn überlassen. Besonders gefährdet sind Gebäude, die über das gewöhnliche Flächenrelief hinausragen. Auch hohe Antennen fördern einen Blitzeinschlag. Die Art der Dachdeckung ist dabei nicht entscheidend. Wer ein Blechdach hat, sollte aber darauf achten, dass ein wirksamer Blitzschutz nur gegeben ist, wenn eine komplette Blitzschutzanlage installiert wurde. Schlägt ein Blitz ein, leiten Fangeinrichtungen wie elektrisch leitfähige Stangen oder Drähte den Blitzstrom in das Erdreich weiter. Die Hauselektrik wird am Verteilerkasten durch Anschluss aller Leitungen auf eine gemeinsame Potentialausgleichsschiene geschützt.

Ratgeber: Wie Sie sich vor Überspannungsschäden richtig schützen

Spannungsschwankungen im Stromnetz, wie sie zum Beispiel durch Blitzeinschläge entstehen, können Überspannungsschäden an Haushaltsgeräten zur Folge haben. Was Sie tun können, um sich zu schützen, erfahren Sie hier. [mehr]


Verhalten im Haus

Wer bei einem Gewitter auf Nummer Sicher gehen will, sollte Elektrogeräte, Antennen und Telefonanlage komplett vom Netz trennen. Überspannungsschutzsteckdosen für elektronische Geräte sind unzureichend. Die metallenen Einrichtungen in Bädern (Leitungen, Wannen etc.) sind in der Regel geerdet, d.h. an einen Potentialausgleich angeschlossen. Ist man sich über den baulichen Zustand eines Hauses nicht im Klaren, sollte man das Baden und Duschen bei Gewitter meiden.

Verhalten im Freien

Während eines Gewitters ist man im Freien – vor allem auf erhöht gelegenen Punkten – der Gefahr des Blitzschlags ausgesetzt. Deshalb sollte man so schnell wie möglich den Schutz eines Hauses suchen. Gewässer sind umgehend zu verlassen, ebenso feuchte Böden. Gibt es keine Unterstellmöglichkeit, sollte man die Füße enge zusammenstellen, in die Hocke gehen und den Kopf einziehen, idealerweise in einem Graben bzw. einer Vertiefung. Auf keinen Fall sollten Sie sich flach auch den Boden legen, gleiches gilt für breitbeiniges Stehen. Beides vergrößert die Spannung nur und demzufolge auch den Stromfluss.

Hände weg von Metallteilen und dem Regenschirm. Auch Metallzäune stellen eine Gefahr dar. Sie können bei unzureichender Erdung den Strom 100 Meter und weiter leiten.

Meiden Sie die unmittelbare Nähe von Bäumen, Masten und Türmen! Blitze schlagen häufig in freistehende, hohe Objekte ein. Wälder sollten nach Möglichkeit verlassen werden. Jederzeit kann der Blitz in einen Baum einschlagen, Gewitterböen können Äste abbrechen lassen oder Bäume entwurzeln.

Autos mit einer Metallkarosserie bieten einen sicheren Schutz. Sie funktionieren in der Regel wie ein Faradayscher Käfig. Das heißt, der Blitz wird über die Karosserie abgeleitet und geht über die Reifen in den Boden. Dasselbe Prinzip gilt für Flugzeuge.

Absteigen gilt hingegen bei Motor- und Fahrrädern. Halten Sie mehrere Meter Abstand.

Vom Blitz getroffen

Bei einem Blitzschlag durchschlägt ein Strom von 20.000 bis 40.000 Ampere den Körper, die Spannung beträgt ca. 200 Millionen Volt. Durch den Strom zieht sich das Herz ruckartig zusammen, Bereiche im Gehirn werden gelähmt. Eine der häufigsten Folgen nach Blitzschlägen sind Atem- und Herzstillstand. Daher sind sofort eine Beatmung und eine Herzdruckmassage erforderlich und ein Arzt muss gerufen werden.

Opfer eines Blitzschlages haben durchaus Überlebenschancen, da sich das Herz relativ schnell erholt. Oft kommt es aber zu Langzeitschäden, Herzarrhythmien, epileptischen Anfällen, gesteigerter Schmerzempfindlichkeit oder psychischen Problemen wie Schlafstörungen, Angstattacken, Depressionen.

Auch wenn ein Blitz in mehr als zehn Metern Entfernung einschlägt, kann er noch Lähmungen hervorrufen oder sogar zum Tode führen.

Versicherung

Bei Überspannungsschäden durch Gewitter besteht kein automatischer Versicherungsschutz durch die Hausratversicherung. Daher sollte man sich bei seinem Versicherer erkundigen, ob Überspannungsschäden in der Police integriert sind oder ob man diesen Versicherungsschutz zusätzlich abschließen muss. Allerdings übernehmen viele Anbieter nur die Schadensregulierung bei Überspannungsschäden durch Blitzeinschläge.

Eine Feuerversicherung deckt Schäden an versicherten Sachen ab, die direkt durch Blitzschlag entstanden sind. Die Versicherung greift auch dann, wenn ein Blitzschlag einen Kurzschluss verursacht und dadurch ein Brand entsteht.

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