Hintergrund : Hilfe, mein Kind ist hochbegabt!
Sie können mühelos komplexe Rechenaufgaben lösen, lernen wie im Schlaf lesen oder haben außergewöhnliches musikalisches Talent – hochbegabte Kinder. Statistisch gesehen sind rund zwei Prozent der Bevölkerung überdurchschnittlich begabt, d.h. ihr Intelligenzquotient (IQ) liegt über dem Wert von 130. Rein rechnerisch sind damit mehr als 600 der 33.000 Erstklässler in Sachsen hochbegabt. Experten gehen jedoch davon aus, dass jedes zweite bis dritte hochbegabte Kind unentdeckt bleibt.
Ursache dessen ist oft Unterforderung. Hochbegabte Kinder langweilen sich schnell, fühlen sich unverstanden oder ihren Klassenkameraden weit voraus. All das kann dazu führen, dass ein Kind trotz seiner Intelligenz mit besonders schlechten Leistungen auffällt, langsam arbeitet oder sogar absichtlich Fehler macht, um sich anzupassen. Kinder verleugnen ihr Talent und sehen es als Problem nicht als Gabe. Stattdessen versuchen sie, ihr Potential in anderen Bahne zu lenken. Einige, insbesondere Jungen, mimen den Klassenclown oder sind aggressiv. Mädchen wiederum neigen dazu, sich zu verkriechen.
IQ-Test bringt Gewissheit
Um eine Hochbegabung festzustellen, wird ein IQ-Test bei einem Psychologen gemacht, der je nach Alter variiert. Den "einen" IQ-Test gibt es nicht. Es gibt allgemeine Tests oder solche, die eine spezifische Begabung ergründen. Zu 100 Prozent messbar ist Intelligenz nicht. Nicht selten kommt es vor, dass zwei Tests auch zwei völlig verschiedene Ergebnisse liefern.
Begabungen fördern
Wurde eine überdurchschnittliche Begabung erkannt, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, ein Kind zu fördern. Neben der Unterstützung im Elternhaus, gibt es in Sachsen auch viele Schulen, die die besonderen Fähigkeiten ihrer Schüler fördern. Ausgehend von einem Modellversuch an der 16. Grundschule "Josephine" Dresden von 2002 bis 2007 ist in Sachsen seit 2005 ein Netzwerk von 36 Grundschulen entstanden, die besondere Begabungen fördern. Diese Begabung kann im mathematisch-naturwissenschaftlichen, sprachlichen, musischen oder sportlichen Bereich liegen. An den Schulen wurden Lernangebote und Unterrichtsformen entwickelt, die es möglich machen, besonders entwicklungsschnelle Schüler gemeinsam mit anderen Schülern zu unterrichten.
GIFted-Netzwerk
Fortgeführt wird dieses Grundschulförderprogramm an 17 sächsischen Gymnasien mit vertiefter Ausbildung. Die Schulen bilden zusammen das "Gymnasiale Netzwerk individuelle Förderung - GIFted". Neben einer Bildungsempfehlung für das Gymnasium ist hier auch eine Aufnahmeprüfung erforderlich. Bis 2015 werden die GIFted-Schulen Strategien und Materialien zur Förderung Begabter entwickeln und erproben. Die Ergebnisse sollen dann allen sächsischen Schulen zur Verfügung gestellt werden.
Landesgymnasium Sankt Afra
Die erste staatliche Schule für Hochbegabte in Sachsen wurde 2001 in Meißen gegründet. Am Landesgymnasium Sankt Afra lernen 300 Schüler der Klassen 7 bis 12 aus ganz Deutschland. Sie alle leben im Internat. 35 Millionen hat das Land Sachsen in den Ausbau der Schule investiert. 50 Lehrer sorgen für eine besonders günstige Betreuungssituation. 18 von ihnen leben als Internatsmentoren ständig mit den Schülern zusammen. Das Programm an Sankt Afra ist außergewöhnlich: die Unterrichtswoche geht bis Samstag, alle Schüler lernen mindestens drei Sprachen, nehmen regelmäßig an Wettbewerben teil. Doch im zehnten Jahr des Bestehens wird auch Kritik an St. Afra laut. Nach Ansicht des sächsischen Philologenverbands-Vorsitzenden Frank Haubitz hat St. Afra mittlerweile "keinen nennenswerten Leistungsvorsprung" vor den Regelgymnasien mit vertiefter Ausbildung mehr.
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