Hintergrund : Impfen: Training für das Immunsystem
Das Immunsystem ist lernfähig. Deshalb hat man zum Beispiel Kinderkrankheiten nur einmal. Könnte man diese Lernfähigkeit so ausdehnen, damit gegen gefährliche Seuchen eine ähnliche Immunität entsteht wie gegen Röteln oder Masern? Genau das ist das Prinzip der Impfung.
Beim Impfen wird der Körper mit einem ihm unbekannten Erreger quasi bekannt gemacht. Indem man dazu geschwächte oder tote Erreger verwendet, droht keine Erkrankung. Das Abwehrsystem aber kann den bis dahin unbekannten Feind als Sparringspartner nutzen und entwickelt Strategien zur Bekämpfung. Kommt es danach zu einer Attacke durch gefährliche Bakterien oder Viren desselben Typs, ist die Abwehr gewappnet und kann den Feind eliminieren. Eine Impfung ist Schule und Trainingslager für das Immunsystem.
Neben dieser aktiven Impfung gibt es noch ein zweites, als passiv Impfprinzip, bei dem man nicht geschwächte Erreger, sondern Antikörper gegen diese injiziert, dem Körper also quasi unter die Arme greift.
| Welche Impfungen werden empfohlen? |
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Nach der Geburt:
Hepatitis A und B (3 Impfungen) |
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Kinder ab 7 Wochen:
Rotaviren |
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Kinder ab 3. Monat:
Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten (4 Impfungen), Kinderlähmung (3 Impfungen), Haemophilus influenza Typ B (3 Impfungen), Pneumokokken, Meningokokken |
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Kinder ab 13. Monat:
Mumps-Masern-Röteln (2 Impfungen), Windpocken (2 Impfungen), Influenza |
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Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren:
HPV-Viren/Gebärmutterhalskrebs |
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Erwachsene:
Influenza (jährlich), Auffrischung von Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten sowie Kinderlähmung alle 10 Jahre ggf.: Mumps-Masern-Röteln, Windpocken |
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ab 60 Jahren (bei immungeschwächten oder chronisch kranken Menschen):
Pneumokokken |
Stichwort: Herdenimmunität
Impfungen schützen auch Menschen, die selbst gar nicht geimpft sind. Wenn alle Menschen in einem Dorf geimpft sind bis auf einen, ist auch der sicher, da er sich bei niemandem anstecken kann. Diese Unterbrechung möglicher Ansteckungsketten funktioniert je nach Krankheit ab Impfraten von etwa 80 Prozent der Bevölkerung. Im Idealfall ist die Effizienz so hoch, dass Krankheiten komplett ausgerottet werden können.
So ist es zu erklären, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO 1980 die Pocken für besiegt erklären konnte, obwohl natürlich nicht jeder Erdenbürger dagegen geimpft werden konnte. Auch die Kinderlähmung (Polio) ist bis auf wenige Restregionen eliminiert. Dasselbe Ziel wird für Masern verfolgt.
Impfmüdigkeit und Impfgegnerschaft sind nicht nur ein Risiko für die Betroffenen selbst, sondern gefährden auch den Effekt der Herdenimmunität. Darum ist auch die Rückkehr schon fast besiegter Krankheiten nicht ausgeschlossen. Ältere Ärzte, die noch die Hilflosigkeit gegen Infektionskrankheiten miterlebt haben, erschreckt die heutige Sorglosigkeit.
| Impfungen für besondere Risikogruppen: |
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Hepatitis A und B:
Gefährdete Berufe, besonders im Gesundheitswesen |
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FSME:
Bei erhöhter Gefahr von Zeckenbissen in Süddeutschland |
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Tollwut: Bei Umgang mit Tieren, z.B. Jäger |
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Cholera, Gelbfieber, Typhus:
Bei Reisen in Risikogebiete |
Keine Vorbildwirkung: Impfmüde Mediziner
Zu den Berufsgruppen, für die Impfungen besonders wichtig sind, zählen vorneweg Ärzte und Krankenschwestern. Sie haben mit vielen Menschen zu tun, haben zwangsläufig körperlichen Kontakt mit Kranken. Umso erstaunlicher die Ergebnisse einer Studie der Universität Dresden: Obwohl gerade das medizinische Personal es besser wissen müsste, wird der eigene Impfschutz oft vergessen.
Das betrifft nicht nur die jährlich aufzufrischende Grippeimpfung, an die man vielleicht nicht unbedingt denken mag, wer in einer Zahnarztpraxis oder Frauenklinik tätig ist. Selbst gegen Masern und Röteln, die für Erwachsene sehr gefährlich sein können, ist fast die Hälfte der Hausärzte nicht oder nicht mit den notwendigen Wiederholungen geimpft. Besonders erschreckend: Selbst Hepatitis B wird von viel zu vielen nicht ernst genommen. Die gefährliche Leberentzündung wird durch Blut übertragen, mit dem in Kontakt zu kommen medizinisches Personal besonders gefährdet ist.
Infizierte Ärzte können leicht ihre Patienten anstecken. Trotzdem gibt es auch für sie in Deutschland keine Impfpflicht. Fragen Sie Ihren Arzt, ob er sich – und damit Sie! – schützt.
