SACHSENSPIEGEL

(Kein) Konzept gegen Lehrermangel : Sachsens Lehrer zunehmend frustriert

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) registriert bei sächsischen Lehrern einen wachsenden Frust. Sollten im Zuge des Lehrermangels junge Kollegen mit Beamtenstatus und besseren Konditionen aus anderen Ländern nach Sachsen gelockt werden, dürfte der Gang in die "innere Emigration" weiter zunehmen, sagte GEW-Chefin Sabine Gerold am Freitag in Dresden. Das Kultusministerium müsse eine ehrliche Analyse der aktuellen Personalsituation vorlegen und den Dialog mit den Lehrern suchen.

Der Sprecher der Nachwuchsorganisation "Junge GEW", Lehramtsstudent Burkhard Naumann, bestätigte die Aussage. Er sprach von einem düsteren Stimmungsbild unter den Lehramtsstudenten. Es werde viel darüber diskutiert, wie man sich in anderen Ländern bewirbt. "Das ist das Hauptthema" sagte Naumann.

Gerold: Hier ist genug Potenzial

Lehrerin steht an der Tafel vor einer Klasse.
In Sachsen werden dringend Lehrer gebraucht.

GEW-Landeschefin Sabine Gerold forderte das Kultusministerium erneut auf, die Nachwuchsprobleme im Land anzugehen. Lehrer seinen keine Hypothek, die den zukünftigen Generationen überlassen werde, sagte Gerold bei MDR 1 RADIO SACHSEN. "Sie sind das beste Startkapital, das wir den jungen Leuten mitgeben können." Doch derzeit setze Sachsen alles daran, die hier ausgebildeten Lehrer nicht zu halten. Unverständlich sei beispielsweise, warum Sachsen 2.400 Lehramtsstudenten nicht in den Vorbereitungsdienst aufgenommen hat. "Hier ist genug Potenzial", betont Gerold. "Und man soll nicht lamentieren, dass sie für die falsche Schulart und die falschen Fächer studieren. Stattdessen müssen rechtzeitig positive Signale für die richtigen Fächer gesendet werden. Das geht nur mit Einstellungsperspektiven." Eine Verbeamtung strebten die sächsischen Lehrer nicht unbedingt an. Aber sie sollten "attraktive Bedingungen" erhalten. Sollten verbeamtete Lehrer aus Bayern nach Sachsen geholt werden, müsse es einen Ausgleich für die bereits hier arbeitenden Pädagogen geben.

Dem Sender MDR INFO sagte Gerold, Sachsen brauche dringend eine bessere Werbung für den Lehrerbedarf. Und auch die Studienquote müsse erhöht werden. Das politische Hickhack der Staatsregierung vertreibe jedoch die jungen Lehrer. Die Staatsregierung erfinde jedes Jahr einen neuen Vorschlag und zerrede sämtliche Ideen. Sie versuche seit zwei Wochen mit dem Kultusminister über die Lehrerpersonalpolitik zu reden, so Gerold. Bisher habe er aber noch keine Zeit dafür gefunden. Darüber sei die GEW sehr enttäuscht.

"Die Bedingungen, unter denen man in Sachsen arbeitet, sind nicht werbend für den Nachwuchs. Wir wollen Maßnahmen, die motivieren und nicht abschrecken."

Sabine Gerold, Landesvorsitzende der GEW Sachsen

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2012, 20:00 Uhr

1. Frank:
Normal bekommt ein Lehrer in Sachsen ein gutes Einstiegsgehalt. In Berlin ist es auch nicht besser. Nur sind eben die Unterschiede zum Westen erheblich. Was den anderen Rahmen, Arbeitsbedingungen angeht alles staatlich gewollt. Von unseren Exportpolitikern und hörigen Gefolgsleuten wird die Marschrichtung umgesetzt der Osten muß unbedingt dümmer werden. Und genau dort liegt die Ursache. Das beste Beispiel dafür ist wo man den Bock zum Gärtner gemacht ist der Sachsen-Geldminister.
04.02.2012
09:45 Uhr

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Lehrermangel in Sachsen

Bis 2020 will Sachsen jede fünfte Stelle im öffentlichen Dienst einsparen. Die Personalstärke soll von 87.000 auf 70.000 Stellen reduziert werden. Sachsens Finanzminister Georg Unland plant, die Stellen bei den Lehrer von derzeit rund 28.000 auf dann 23.000 zu kürzen.

Pro Jahr sollen 1.300 Referendare eingestellt werden, derzeit sind es 650. Die Zahl der Lehramtsstudenten soll von 1.000 auf 1.700 angehoben werden.

Nach Ansicht der Lehrergewerkschaften steigt der Bedarf der jährlich neu eingestellten Lehrer bis 2018 auf rund 1.500.

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