selbstbestimmt! - Das Magazin | 03.09.2017 Verena Bentele und der mühsame Kampf um Teilhabe

Ihr Arbeitszimmer schmückt ein Bild der Mütter des Grundgesetzes, die für Gleichberechtigung gekämpft haben. Politische Teilhabe - dafür engagiert sich auch Verena Bentele als Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung. Zum Beispiel findet sie, das auch Menschen in Betreuung wählen sollten.

Verena Bentele telefoniert in ihrem Büro.
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Selbstbestimmt! So 03.09.2017 08:00Uhr 06:09 min

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Menschen mit Behinderung sollten sich selbst für ihre Belange stark machen, also auch wählen können oder sogar politische Ämter übernehmen, findet Verena Bentele. Sie ist die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung. Fünf Vorgänger hatte Verena Bentele, aber die von Geburt an blinde Frau ist die erste, die selbst ein Handicap hat. Deswegen sind die Erwartungen an sie vielleicht auch besonders hoch, stellt sie nach drei Jahren fest:

Meine Rolle bedeutet schon manchmal einen Spagat; zwischen den Menschen mit Behinderung, denen ich die gesetzgeberischen Notwendigkeiten zu erklären versuche und den Abgeordneten, dem Kabinett, der Bundesregierung, denen ich deren Interessen, Belange und berechtigte Forderungen näherbringen will.

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung

"Auch Menschen in Betreuung sollen wählen dürfen"

Verena Bentele
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Dass sie den nötigen Durchhaltewillen und Ehrgeiz hat, lässt ihre frühere sportliche Laufbahn ahnen, die sie nach 12 Goldmedaillen im Biathlon bei den Paralympics beendete. 2014 holte Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, sie ins Amt der Bundesbeauftragten. Seither sind Verena Benteles Arbeitstage gefüllt mit einer Vielzahl von Terminen, die sie sowohl ins Bundeskanzleramt als auch zu Treffen mit Vertretern von Behindertenverbänden führen. Immer und immer wieder geht es um Barrierefreiheit und Teilhabe, auch politische. Denn - so meint Bentele - nur wenn die gegeben sei, könnten Behinderte als "Experten und Expertinnen in eigener Sache" die selber Politik mitbestimmen, was die UN-Behindertenrechtskonvention auch vorsehe. Schon seit der Europawahl 2014 fordert Verena Bentele konsequenterweise: Auch Menschen, die eine "Betreuung in allen Angelegenheiten" haben, sollen wählen dürfen.

Ich bin da wirklich ja auch sehr hinterher, dass das ein präsentes Thema bleibt und zu Beginn der nächsten Legislatur angepackt wird und nicht erst am Ende, wo dann eben auch alle möglichen Leute sagen, ja wir haben noch Gesprächsbedarf und es ist eigentlich zu spät. Das finde ich schon sehr enttäuschend.

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung
Verena Bentele
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20 Mitarbeiter hat ihr Team, die meisten sind Frauen. Sie bereiten Diskussionsvorlagen vor und organisieren ihre Treffen mit wichtigen Gesprächspartnern. Der Sport hat ihr geholfen, den Arbeitsalltag durchzuhalten. Auch hier suchte sie weiter die Herausforderung: 2013 ist sie auf den Kilimandscharo hinauf gelaufen. Auch das ging nur im Team und im Vertrauen aufeinander:

Das war schon speziell, sieben Tage gleich an einem Berg zu sein, und dort wirklich sieben Tage angewiesen zu sein, auf eine Gruppe, auf jemand, der mich führt, das war schon für mich etwas Besonderes.

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung

Nach der Wahl wird sich entscheiden, ob sie weiter Behindertenbeauftragte sein wird.

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 11:01 Uhr