Selbstbestimmt! Die Reportage | 22.10.2017 Anders Normal – Der Karikaturist Phil Hubbe

Wann haben Sie das letzte Mal über einen Behinderten-Witz gelacht? Darf man das überhaupt? Ja! Solange der Witz gut ist und das Ganze dazu beiträgt, dass Behinderte und Nicht-Betroffene unverkrampfter miteinander umgehen, meint Phil Hubbe. Der Comiczeichner ist selbst an Multiple Sklerose erkrankt. Im Sommer letzten Jahres erschien sein sechster Comic-Band mit "behinderten Cartoons".

Phil Hubbe
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Ein 22-jähriger Magdeburger erhält die Diagnose Multiple Sklerose. Schlimm genug – doch für einen Zeichner eine Katastrophe, denn die Nervenkrankheit ist unheilbar und schränkt schnell die motorischen Fähigkeiten ein. Genau das ist Phil Hubbe vor 28 Jahren passiert. Doch das Zeichnen an den Nagel hängen? Aufgeben, bevor es angefangen hat? Das kommt für den Karikaturisten nicht in Frage.

Die Diagnose war dann so ein Punkt, wo dann die Frage war: Mache ich nun weiter oder nicht. Zumal mir der Arzt damals geraten hat, ich solle wieder mein Mathe-Studium anfangen, weil ich damit rechnen müsste, eine Behinderung zu bekommen. Und die leichteste würde ausreichen, dass ich nicht mehr zeichnen könnte. Wo ich mir erstmal überlegte: Soll das alles jetzt umsonst gewesen sein mit dem Zeichnen? Aber da es mir relativ gut ging und ich keine Beschwerden hatte, habe ich einfach weiter gemacht und nicht auf den Rat meines damaligen Arztes gehört.

Phil Hubbe

Tabuthema Behindertenwitze

Gegen alle ärztlichen Ratschläge geht er seinen Weg weiter und zeichnet Karikaturen. Aus der Not eine Tugend machen, das scheint sein Motto. Deshalb wagt er sich als erster in Deutschland mit seinem schwarzen Humor an ein Tabu-Thema: Karikaturen über Menschen mit Behinderungen. Witze über Gehandicapte.

Als ich angefangen habe, war auch der Punkt: Naja, Witze über Behinderte, muss man da vielleicht irgendwas reinbringen, irgendwas Pädagogisches? Das funktioniert nicht. Den Zeigefinger da rein, das ist völliger Quatsch. Wenn man zeichnen will, muss erst der Witz funktionieren und bei einigen, die regen dann auch zum Nachdenken an. Und deshalb freue ich mich zu sehen, wenn in Ausstellungen Betroffene und Nicht-Betroffene dann zusammenstehen. Also erst dieses Verkrampfte und dann nachher sind sie ganz locker.

Phil Hubbe

Und Phil Hubbe hat Erfolg. Vor allem bei Menschen mit Behinderung kommen die Karikaturen an. Viele Zuschriften ermuntern den Zeichner, weiterzumachen. Im Sommer 2016 stellte er seinen sechsten Cartoon-Band vor.

Das Portrait zeigt den Menschen hinter dem Cartoon-Zeichner Phil Hubbe, spricht mit Familie, Freunden und Wegbegleitern und zeigt, wie Inklusion humoristisch gelingen kann.


Buchtipp Comic-Band
"Mein letztes Selfie - Behinderte Cartoons"
Lappan Verlag
Größe 20,00 x 23,00 cm
80 Seiten
D: 9,99 €
ISBN 978-3-830-33434-7

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2017, 11:02 Uhr