Jonas mit Katharina
Jonas mit Schulbegleiterin Katharina Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

selbstbestimmt! - Die Reportage | 12.11.2017 Das Schulexperiment - Hat die Inklusion eine Chance?

Ein Film von Kadriye Acar

Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam in der Schule lernen können. Das ist der Anspruch. Kadriye Acar begleitet zwei Familien, die mit der Realität klarkommen müssen. "selbstbestimmt" begleitet Eltern und Kinder auf ihrer Suche nach der richtigen Schule und untersucht, woran das "Schulexperiment Inklusion" zu scheitern droht?

Jonas mit Katharina
Jonas mit Schulbegleiterin Katharina Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Mein Sohn hat das Recht, auf eine normale Schule zu gehen!", sagt Antje Halbfas. Jonas ist in der vierten Klasse - und er hat das Down-Syndrom. "Die meisten weiterführenden Schulen trauen sich nicht zu, ein solches Kind aufzunehmen", sagt die Mutter des neunjährigen Jungen. Dabei hat Deutschland 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben und sich damit zur Inklusion verpflichtet: Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam in einer Schule lernen können.

Anspruch und Wirklichkeit

"Mit der Umsetzung hapert es aber!", klagt auch Claudia Berger-Schöne, deren Sohn Finn an Autismus leidet. Seine Behinderung ist nicht sichtbar, doch er braucht Unterstützung. Seine Integrationshelferin, die so genannte I-Kraft hilft ihm, seinen Arbeitsplatz zu organisieren, unterstützt ihn, wenn er sich am Unterricht beteiligen möchte oder wenn er etwas mehr Ruhe braucht, um Aufgaben zu lösen. Sie hilft ihm auch, wenn sich Finn außerhalb des Klassenraums orientieren muss. Für den Neunjährigen kann schon das Essen in der Schulkantine zum Problem werden, wenn es nicht übersichtlich präsentiert ist.

Stellt sich die Frage: Können die Schulen das, wozu sie verpflichtet wurden, überhaupt leisten? Sind sie inzwischen personell dafür aufgestellt oder bringen die zusätzlichen Herausforderungen der Inklusion den ganzen Tagesablauf durcheinander?

Immer wieder kämpfen

Finn mit Mutter und Schwester
Finn mit Mutter und Schwester Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Claudia Berger-Schöne würde Finn auch an einer Förderschule anmelden. Aber viele wurden inzwischen abgeschafft. Fest steht: Finn bräuchte einen Schulbegleiter egal an welcher Schule. "Aber ich muss jedes Mal kämpfen, damit der vom Jugendamt bezahlt wird", erzählt die alleinerziehende Mutter.

Genau wie bei Jonas drängt die Zeit. Denn wenn sie keine passende Schule findet, die ihn aufnimmt, wird das Schulamt eine zuweisen. Finns Mutter nahm deswegen sogar einen Umzug auf sich, um eine größere Auswahl und damit mehr Chancen zu haben. Jonas' Mutter wartet hingegen auf die Zusage der Gesamtschule. Antje Halbfas meint, dass zunächst mal die Haltung zur Inklusion entscheidend für deren Gelingen sei:

Also im Grunde ist jede Schulform geeignet, diese Kinder aufzunehmen, aber sie (die betreffende Schule) muss sich von innen raus damit beschäftigen, auseinandersetzen. Sie muss Ideen entwickeln, sie muss das wollen.

Antje Halbfas, Mutter

Eine Schule für alle?

Jonas mit Schulbegleiterin Katharina
Jonas mit Schulbegleiterin Katharina Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die politische Diskussion um die Inklusion hat sich in den letzten Monaten zugespitzt. Vielerorts sind Eltern und Lehrer frustriert über die schleppende Umsetzung, die alle trifft. Lehrer sagen, die Qualität der Förderung von behinderten Kindern sei in der Regelschule meist gering, weil die Klassen zu groß sind, und zu wenig sonderpädagogische Unterstützung vorhanden. Zugleich litten auch die Nicht-Behinderten unter der Situation. Konstatiert wird außerdem, dass sich die Qualität der verbliebenen Förderschulen verschlechtert, weil viele Lehrer in das gemeinsame Lernen abgeordnet und Klassengrößen teilweise erhöht wurden.

"selbstbestimmt" begleitet Eltern und Kinder auf ihrer Suche nach der richtigen Schule und untersucht, woran das "Schulexperiment Inklusion" zu scheitern droht?

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2017, 15:19 Uhr