Joana
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selbstbestimmt! Die Reportage | 26.02.2017 Joanas Traum – Von der Patientin zur Ärztin

Ein Film von Stefan Huck

Joana möchte Ärztin werden. Das ist erst mal nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist, dass Joana trotz ihres Handicaps diesen mühsamen Weg zu ihrem Traumberuf geht. Durch Sauerstoffmangel bei der Geburt wurde ihr Gehirn geschädigt. Bestimmte Muskelgruppen werden nicht richtig gesteuert. Deswegen hat sie Schwierigkeiten beim Laufen. Manchmal sind auch ihre Hände davon betroffen.

Joana
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Joana wurde 1985 in Greifswald geboren,14 Wochen zu früh. Eine Krankenschwester sagte den Eltern, dass sie nie laufen lernen würde. Durch Komplikationen bei der Geburt erlitt sie eine frühkindliche Hirnschädigung. Für Joana heißt das, dass sie einige Musklelgruppen nicht richtig bewegen kann. Besonders bemerkbar macht sich das an den Füßen und Händen. So hat Joana besondere Schwierigkeiten beim Laufen.

Joana ist seit ihrer Geburt Dauerpatientin. Immer wieder liegt sie lange Zeit im Krankenhaus. Keiner weiß, ob sie je sprechen und sehen wird, ob sie schwer geistig behindert ist. Joanas Leben ist stark risikobehaftet, jede Infektion oder Kinderkrankheit ist für sie sehr bedrohlich. Doch als sie vier Jahre alt ist, geschieht ein Wunder. Sie steht auf und macht erste Schritte. Viele Operationen folgen, damit sie weiter laufen kann.

Das ist auch eines meiner größten Ziele, warum ich mich immer wieder auf Operationen einlasse: Dass die Gehfähigkeit so lange wie möglich erhalten bleibt. Ich sitz nicht gern im Rollstuhl, ich möchte wirklich laufen, alleine gehen. Und das ist auch für meinen Beruf wichtig

Joana

Ein Leben für die statt mit der Medizin

Joana im an einem Krankenbett im Krankenhaus
Joana hat sich für die Medizin entschieden. Bildrechte: openhouse media

Inzwischen ist Joana eine junge Frau. Eigentlich sollte sie Beamtin werden. Der Arbeitsplatz als Rechtspflegerin war bereits reserviert. Joana entscheidet sich aber für ein Medizinstudium in Magdeburg. Sie will Ärztin werden. Sie erntete dafür nicht überall Begeisterung. Einige wollten ihr abraten. Es sei ein sehr schwieriges Studium, bei dem man auch körperlich sehr viel leisten müsse. Doch sie wollte es wissen und war überzeugt davon, dass sie das schaffen würde.

Doch es ist kein leichter Weg. Neben dem extremen Lernaufwand muss Joana noch ganz andere Dinge bewältigen. Schwere Türen, fehlende Geländer, Stufen, Glatteis. Erst seit 2003 müssen Universitäten auch Studenten mit Behinderung zum Medizinstudium zulassen. Doch nicht alle Wege und Gebäude entsprechen den besonderen Anforderungen von Studenten mit Handicap. Für alle Wege brauchen sie mindestens doppelt so viel Zeit wie andere Studenten.

Meine Behinderung ist ja nicht nur Nachteil. Ich bin vielleicht nicht so schnell und kann vielleicht einige Sachen feinmotorisch nicht so gut. Aber es hat den Vorteil, dass ich ganz genau weiß, wie es ist, Patient zu sein. Ich glaube, das geht vielen Medizinern verloren, dieses Gefühl.

Joana

Zum Arzt muss sie selbst immer wieder. Erst vor kurzem hatte sie selbst eine Operation. Bei der Operation haben die Orthopäden ihren linken Oberschenkelknochen durchsägt, gerade gedreht und mit einem speziellen Implantat wieder verschraubt. Mit solchen aufwendigen Eingriffen kämpft sie immer wieder gegen den drohenden Rollstuhl.

Die Mühe hat sich gelohnt

Joana
Joana hat sich ihren Traum erfüllt. Bildrechte: MDR/openhouse media

Joana hat sich durchgebissen. Sie hat ihr Studium geschafft, sechs anstrengende Jahre, und nun einen Job als Stationsärztin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Magdeburg angenommen. Doch einfacher wird es für sie nicht. Der Ausgang ihrer Krankheit ist ungewiss. Der Rollstuhl schwebt wie ein Damoklesschwert über ihr. Sie muss ständig zu Kontrolluntersuchungen.

Doch Joana hat schon wieder neue Pläne. Für sie beginnt gerade ein neuer Lebensabschnitt. Neben ihrem neuen Job möchte sie ihren Facharzt abschließen. Außerdem interessiert sie sich für die Pädiatrie, möchte Hirnströme auswerten und vieles mehr.

Das war ja eine lange Zeit meines Lebens – dieses Studium – und es ist komisch, das jetzt in Form von Büchern in eine Kiste zu packen und zu sagen: Es ist jetzt fertig! Es ist ja auch im wahren Leben so: Ich hab die Prüfung jetzt geschafft, dieser Lebensabschnitt ist jetzt vorbei. Jetzt muss was Neues kommen!

Joana

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2017, 16:32 Uhr