Selbstbestimmt! Jung genug, um die Welt zu verbessern!
Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch

Selbstbestimmt! Die Reportage | 15.01.2017 Jung genug, um die Welt zu verbessern!

Ein Film von Andrea Gentsch

Behindertenhilfe für die Ärmsten der Armen, das haben sich Hans-Peter Dentler und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter auf die Fahnen geschrieben. Die Reportage begleitet den heute 68-Jährigen nach Sri Lanka, wo die von seinem Team gesammelten und instand gesetzten Second-Hand-Rollstühle den Alltag vieler Familien erleichtern und den Betroffenen völlig neue Perspektiven eröffnen.

Selbstbestimmt! Jung genug, um die Welt zu verbessern!
Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch

In einer ehemaligen Kirche in Karlsruhe stapeln sich Berge von Rollstühlen, Krücken und Rollatoren. Hans-Peter Dentler hat hier zusammen mit 20 anderen Rentnern das Lager und die Werkstatt für ein außergewöhnliches Hilfsprojekt eingerichtet: Hersteller von Rehatechnik, Krankenkassen und Privatpersonen spenden gebrauchte oder fehlerhafte Rollstühle, Toilettenstühle, Prothesen, Hörgeräte und Brillen. Dentler und Co. reparieren die Hilfsmittel und bringen sie dorthin, wo sie dringend gebraucht werden: nach Sri Lanka, Peru, Bolivien, Burundi und Afghanistan.

"Leute, die ehrenamtlich arbeiten, sind eigentlich alle sympathisch"

So unkompliziert wie möglich wollen sie helfen. Die Karlsruher Ehrenamtlichen sind kein Verein, keine Organisation – einzig ein Spendenkonto bei der Diakonie gibt es und einen Namen: "Rollstuhlhilfe für die Ärmsten der Armen". Die Pensionäre kommen aus den unterschiedlichsten Berufen: vom Versicherungsvertreter bis zum Elektroingenieur. Alles, was irgendwie zu gebrauchen ist, wird verwertet, jede Spende effektiv genutzt. Die Rollstühle statten die Männer mit Vollgummireifen aus. Damit sind sie für die Straßen in den Entwicklungsländern besser gerüstet.

Das Schöne ist eben auch, wenn Sie bei einer großen Firma einen Verbesserungsvorschlag machen, dauert das Wochen, Monate, bis was passiert. Ich kann jetzt entscheiden, ich mache da eine zweite Stütze aus einem anderen Teil, und dann habe ich innerhalb von ein, zwei Stunden mein Erfolgserlebnis. Das ist sehr befriedigend.

Hans-Peter Dentler

Dass die Hilfe ankommt, dafür sorgt Hans-Peter Dentler selbst. Der ehemalige Elektrotechniker fliegt auf eigene Kosten in die Entwicklungsländer und verteilt die Hilfsmittel persönlich vor Ort. Bis zu seinem Vorruhestand war er viele Jahre im Ausland tätig. Doch noch immer bewegt ihn, was er auf seinen Reisen sieht.

Den Menschen ihre Würde zurückgeben

Nicht alle Familien gehen offen mit ihren Behinderten um. Viele schämen sich für ihre gehandicapten Kinder oder Geschwister, die häufig als Strafe Gottes angesehen werden. "In diesen Ländern haben behinderte Menschen, die arm sind, keine Hilfsmittel, keine Rollstühle. Sie kommen nicht aus ihren Hütten heraus und sehen kaum Tageslicht. Und wenn, dann robben sie auf dem Boden", erzählt Hans-Peter Dentler. Er signalisiert den Angehörigen, ihre Kinder am Leben anderer teilhaben zu lassen. "Ich will diesen Menschen ein Stück Würde wiedergeben."

Religion

Bildergalerie: Jung genug, um die Welt zu verbessern!

Die Reportage begleitet den ehrenamtlich tätigen Hans-Peter Dentler nach Sri Lanka, wo er mit Second-Hand-Rollstühlen den Alltag vieler Familien erleichtert.

Das Karlsruher Lager. Krankenkassen, Reha-Vereine und Privatpersonen haben Rollstühle, Krücken und Rollatoren gespendet. Sie werden in die ganze Welt verschickt – an die ärmsten der Armen.
In einer ehemaligen Kirche in Karlsruhe stapeln sich Berge von Rollstühlen, Krücken und Rollatoren. Von hier aus werden sie in die ganze Welt verschickt, an die Ärmsten der Armen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Karlsruher Lager. Krankenkassen, Reha-Vereine und Privatpersonen haben Rollstühle, Krücken und Rollatoren gespendet. Sie werden in die ganze Welt verschickt – an die ärmsten der Armen.
In einer ehemaligen Kirche in Karlsruhe stapeln sich Berge von Rollstühlen, Krücken und Rollatoren. Von hier aus werden sie in die ganze Welt verschickt, an die Ärmsten der Armen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Hans-Peter Dentler
Der ehemalige Elektrotechniker Hans-Peter Dentler hat zusammen mit einigen Rentnern das Lager und die Werkstatt für ein außergewöhnliches Hilfsprojekt eingerichtet: Firmen, Krankenkassen und Privatleute spenden gebrauchte oder fehlerhafte Rollstühle, Toilettenstühle, Prothesen, Hörgeräte und Brillen. Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch
Selbstbestimmt! Jung genug, um die Welt zu verbessern!
Dentler und seine Mitstreiter reparieren die Hilfsmittel und bringen sie dorthin, wo sie dringend gebraucht werden. Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch
Selbstbestimmt! Jung genug, um die Welt zu verbessern!
Manche Gehhilfen werden sogar an die speziellen Bedürfnisse der künftigen Besitzer angepasst. Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch
Hans-Peter Dentler (rechts im Bild) sucht zusammen mit einem Helfer die Rollstühle aus, die im Container mit verladen werden sollen. Diesmal hofft er darauf, mindestens 500 Menschen helfen zu können.
Demnächst wird wieder ein Container nach Sri Lanka verschifft. Gemeinsam suchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Rollstühle aus. Dentler wird die Hilfslieferung begleiten und die Geräte vor Ort verteilen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei Helfer beladen den Container für Sri Lanka möglichst platzsparend, damit viele Rollstühle und Gehhilfen mit auf die Reise gehen können.
Die Helfer beladen den Container möglichst platzsparend, damit viele Rollstühle und Gehhilfen mit auf die Reise gehen können. Jede noch so kleine Lücke wird genutzt. Dann geht es los. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Selbstbestimmt! Jung genug, um die Welt zu verbessern!
Bei der Verteilung sucht Dentler solange, bis er für jeden eine passende Hilfe gefunden hat. "In diesen Ländern haben behinderte Menschen, die arm sind, keine Hilfsmittel, keine Rollstühle. Sie kommen nicht aus ihren Hütten heraus und sehen kaum Tageslicht. Und wenn, dann robben sie auf dem Boden", sagt Dentler und fügt hinzu "und ihre Familien verstecken sie oft, weil sie sich für sie schämen. Ich will diesen Menschen einfach ein Stück Würde wiedergeben." Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch
Selbstbestimmt! Jung genug, um die Welt zu verbessern!
Für diese alte Frau wählt Hans-Peter Dentler eine Gehhilfe aus. Sie probiert zum ersten Mal ein solches Hilfsmittel. Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch
Selbstbestimmt! Jung genug, um die Welt zu verbessern!
Dieses Dreirad wäre in Deutschland entsorgt worden. Dem 13-jährigen Jungen mit deformierten Beinen wird es ein neues Leben ermöglichen: Er wird damit künftig seinen Schulweg bewältigen können. Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch
Selbstbestimmt! Jung genug, um die Welt zu verbessern!
Auch Brillen aller Art bringt Hans-Peter Dentler aus Deutschland mit, um sie in Sri Lanka zu verteilen. Sie sind heiß begehrt. Hunderte Menschen kommen, weil sie sich von Hans-Peter Dentler Hilfe erhoffen. Nicht alle Erwartungen wird er erfüllen können. Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch
Alle (10) Bilder anzeigen

Über Verbindungsleute vor Ort findet Hans-Peter Dentler die Menschen, die dringend Hilfsmittel brauchen. Umso gezielt wie möglich zu helfen, lässt er sich Fotos von den Behinderten schicken. Seine Hilfe soll so persönlich und individuell wie möglich sein – so gut es trotz der Entfernung eben geht.

Der Rollstuhl als Tor zur Welt

Selbstbestimmt! Jung genug, um die Welt zu verbessern!
Auch Brillen aller Art bringt Hans-Peter Dentler aus Deutschland mit. Bildrechte: MDR/Andrea Gentsch

Sri Lanka ist eines dieser Länder, für welches sich die Karlsruher Pensionäre engagieren. In weiten Teilen des im Indischen Ozean gelegenen Inselstaates herrscht Armut. Für Menschen mit Behinderungen ist das Leben besonders hart, Rollstühle oder andere Hilfsmittel sind unerschwinglich. Die mittlerweile 17-jährige Dulanjali wurde ohne Beine geboren. Bis sie einen Rollstuhl aus Deutschland bekam, lag sie viel im Bett. "Es war so hart, weil ich mich nicht bewegen konnte. Aber jetzt ist es sehr gut. Ich kann Fotos machen, ich schreibe, ich nutze den Computer", erzählt sie. Auch Jeban konnte geholfen werden. Er ist halsabwärts gelähmt. Der Rollstuhl und der Laptop von Hans-Peter Dentler sind für ihn das Tor zur Welt geworden. "Ich bin immer online: Facebook, Chat, dann auch Skype, Friends und andere. Ich denke, das Leben ist schön", berichtet er dem Filmteam.

Das Militär in Sri Lanka unterstützt Hans-Peter Dentler bei der Auslieferung, es bringt seine Hilfsmittel per Lkw zu den Bedürftigen.

Das Militär will ja auch zeigen, dass es was tut für die Bevölkerung, und will ja auch helfen. Also, es ist nicht der Dentler, der letzen Endes die Hilfe gibt, sondern das Militär steht schon im Vordergrund. Aber das ist ja unwichtig. Wichtig ist, dass die Menschen die Sachen bekommen.

Hans-Peter Dentler

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2017, 17:49 Uhr