Nicki beim Spazierengehen in seiner Heimatstadt Hamburg.
Bildrechte: Norddeutscher Rundfunk

selbstbestimmt! Die Reportage | 19.03.2017 Nicki wird erwachsen - Ein Mann mit Down-Syndrom

Ein Film von Gesa Berg

Nicki beim Spazierengehen in seiner Heimatstadt Hamburg.
Bildrechte: Norddeutscher Rundfunk

Erwachsenwerden

Nicki Gerlach wurde vor 28 Jahren in Hamburg geboren – mit Down-Syndrom. Für ihn überhaupt kein Grund, auf etwas zu verzichten, ganz im Gegenteil: Er wedelt begeistert auf Skiern die Berge herunter, steht leidenschaftlich mit seiner Theatergruppe auf der großen Bühne und ist gerade wieder frisch verliebt. Doch Nicki wohnt noch zu Hause und das will er seit Jahren ändern. Nicki möchte, so wie andere in seinem Alter auch, selbständig leben.

Vater & Sohn

Vater mit seinem erwachsenen Sohn mit Down-Syndrom
Vater Rainer und Sohn Nicki: "Ich hab Dich lieb, Papa." Ich Dich auch. Ich bin immer für Dich da." Bildrechte: Norddeutscher Rundfunk

Seit Nickis Mutter vor ein paar Jahren an Krebs starb, hat sein Vater Rainer die alleinige Verantwortung für seinen behinderten Sohn. Nicki ist über all die Jahre ein großer Teil seines Lebensinhaltes geworden. Ihn jetzt ziehen zu lassen fällt Papa Rainer sehr schwer, auch wenn er weiß, es wird höchste Zeit. Für Nicki wird der Drang nach Selbständigkeit immer größer. So sehr er die Fürsorge seines Vaters auch genießt, er fühlt sich immer mehr bevormundet und eingeengt.

Seit Jahren wird Nicki mit seinem Wunsch, von Zuhause ausziehen zu wollen, vertröstet. Jetzt reicht es ihm, er will raus. Nicki muss seinen Vater überzeugen und eine geeignete Wohnform finden. Gar nicht so einfach. Zwar können Menschen mit Down-Syndrom mit entsprechend frühkindlicher Förderung ein sehr selbständiges Leben erreichen, aber sie werden immer auch auf Hilfe angewiesen sein. Auch Nicki.

Die Liebe

Nicki mit Freundin Paula
Nicki: "Ich habe einen romantischen Ausflug geplant. Für uns beide. Da wollte ich mit Dir in einen schönen Garten gehen mit tausend schönen Schmetterlingen." Bildrechte: Norddeutscher Rundfunk

Nickis Freundin Paula, die auch mit dem Down-Syndrom geboren wurde, lebt bereits in einer Wohngruppe. Nicki genießt es, sie zu besuchen. Nicki und Paula lieben sich "wie die Großen", sagen sie. Liebe ist eben niemals behindert. Menschen mit einer geistigen Behinderung haben die gleichen Grundbedürfnisse wie andere auch. Sie wünschen sich einen Partner, Liebe und Zärtlichkeit. Nicki und Paula sind seit drei Monaten verliebt. Sie wollen sich bald verloben und planen bereits eine überaus romantische Hochzeit.

Vorbilder

Nicki mit seinem Bruder Christoph und dessen Freundin
"Brüderchen" nennt Nicki seinen großen Bruder Christoph. Bildrechte: Norddeutscher Rundfunk

Christoph Gerlach ist Nickis Bruder - drei Jahre älter und Nickis großes Vorbild. Nicki wäre gern wie er, möchte in seiner Hockey-Mannschaft mitspielen, eine Freundin ohne Behinderung haben und natürlich auch selbständig in einer eigenen Wohnung leben. So wie sein Bruder Christoph. Aber Nickis Leben ist anders. Zwei ungleiche Brüder, die sich aber eng verbunden fühlen. Und eines steht fest: Wenn Vater Rainer es eines Tages nicht mehr bewältigen kann, wird Christoph die Verantwortung für seinen Bruder Nicki übernehmen. Die drei Männer sind eine Familie, die eng zueinander steht.

Ein eigenes Leben

Die Kamera begleitet Nicki über den Zeitraum eines Jahres und zeigt, welche Möglichkeiten es für Menschen mit geistiger Behinderung gibt, wenn sie von Zuhause ausziehen wollen. Trotz mancher Zweifel und Rückschläge - am Ende des Jahres scheint der Traum von der eigenen Wohnung für Nicki greifbar nah.

Selbstbestimmt - Nicki wird erwachsen
Nicki träumt von einem eigenständigen Leben: "Ich muss es selber entscheiden was ich will, es ist ja auch mein Leben." Den ungeheuer fröhlichen Nicki zu kennen und zu erleben empfinden viele als große Bereicherung. Vor allem Nichtbehinderte äußern immer wieder, dass sie viel von ihm lernen können. Denn: Nicki verändert den Blick aufs Leben. Bildrechte: Norddeutscher Rundfunk

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2017, 15:33 Uhr