Roland, Oswald und Stefan beim Fußballschauen
Bildrechte: MDR/BR/P. Wiegers

selbstbestimmt! Die Reportage | 23.04.2017 Knochen aus Glas - Oswald und seine Brüder

Der Film von Petra Wiegers erzählt die Geschichte von drei Brüdern, die eines verbindet: die Glasknochenkrankheit. Er gibt Einblicke in ihr Leben, ihren Alltag, ihre Wünsche und Träume.

Roland, Oswald und Stefan beim Fußballschauen
Bildrechte: MDR/BR/P. Wiegers

Die drei Brüder Oswald, Roland und Stefan Utz sind unterschiedlich wie Geschwister eben sind. Nur eines haben sie gemeinsam: ihr Handicap. Alle drei haben die Glasknochenkrankheit und sitzen im Rollstuhl: Ihre Knochen brechen leicht wie Glas.

Zur "Entwöhnung" ins Heim

Oswald, der Älteste, ist der Vorkämpfer. Mit fünf Jahren ist er in ein Heim für behinderte Kinder gekommen, genau wie später seine Brüder. Weit weg vom Elternhaus in einem fränkischen Dorf. "Entwöhnung" hieß das in den 1960er-Jahren. Sein Bruder Roland erinnert sich:

Die ersten zwei, drei Jahre waren hart. Da habe ich schon viel auch ins Kissen geweint. Bei uns war es ja dann so, dass wir nur jedes zweite Wochenende nach Hause durften. Und dann auch nur bestimmte Telefonzeiten hatten. Am Sonntag haben wir dann immer telefoniert mit den Eltern. Hab sie schon vermisst.

Roland

Wille zur Eigenständigkeit

Oswald Utz mit Töchterchen
Magdalena ist da. Alles ist in Ordnung. Und der Papa: Einfach nur glücklich! Bildrechte: MDR/ BR / Petra Wiegers

Alle drei leben heute ein eigenständiges Leben. Für Oswald erfüllt sich nun ein lange gehegter Wunsch: Vor einigen Monaten hat er ein Kind bekommen. Mit seiner Freundin - die nicht behindert ist. Ein Wagnis, auch für sie. Denn allein kann er nur eingeschränkt sein Kind versorgen. So muss Oswald beim Wickeln zuschauen. Auch ins Bett legen oder herausnehmen kann er die Kleine nicht. Doch mit seinem Schicksal hadert er nicht.

Was ich machen kann ist wunderbar. Vermisse nichts. Was ich ihr geben kann muss halt reichen. Mehr geht halt nicht.

Gemeinsame Leidenschaft: E-Hockey

Stefan und Roland haben eine andere Leidenschaft: den Sport. Sie spielen in der Nationalmannschaft Elektrorollstuhlhockey. Stefan will sich einen Traum erfüllen. Er will die E-Hockey-Weltmeisterschaft nach München holen.

Roland hat vor einem Jahr einen neuen Job angefangen. Als Sozialarbeiter arbeitet er mit Schlaganfall-Patienten. Anders als bei ihm haben sie die Chance, wieder laufen zu lernen. Die tägliche Konfrontation mit dem eigenen Schicksal.

Die drei Brüder kämpfen, wie andere Behinderte auch, um ein ganz normales integriertes Leben in einer Gesellschaft von Nichtbehinderten. Aber anders als bei anderen, kämpfen sie auch darum, wer von den drei Brüdern sein Leben besser hinbekommt. Die drei Brüder sind eben auch Konkurrenten.

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2017, 13:39 Uhr