Ein Mädchen mit Down-Syndrom
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selbstbestimmt! Die Reportage | 26.03.2017 Sophie findet ihren Weg - Leben mit Down-Syndrom

Ein Film von Annette Wagner

Sophie ist 20 Jahre alt und möchte Erzieherin werden. Doch dafür muss sie mehr Hürden überwinden als andere in ihrem Alter, denn sie hat das Down-Syndrom. Annette Wagner begleitet die junge Frau auf ihrem Weg in ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben.

Ein Mädchen mit Down-Syndrom
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Als erstes inklusiv beschultes Kind in Baden-Württemberg ging Sophie in eine normale Stuttgarter Grundschule und lernte dort Rechnen, Schreiben und Lesen. Durchgesetzt hatte das ihre Mutter. Damals stand der kleinen Schülerin im Unterricht eine zweite Pädagogin zur Seite, die von Sophies Eltern selbst bezahlt wurde.

Sophies Weg in ein selbstbestimmtes Leben

Heute geht Sophie in eine berufsvorbereitende Klasse in Stuttgart. Sie will einen Beruf, der ihr Spaß macht und ihr ein unabhängiges Leben ermöglicht. Erzieherin für Kindergartenkinder möchte sie werden. Eine Praktikumsstelle in einem Kindergarten hat sie schon. In ihrer Berufsschule wird sie darauf vorbereitet. Hier ist Sophie eine von zwölf Schülern in einem auf fünf Jahre beschränkten inklusiven Modellprojekt, in dem Theorie und Praxis eng verzahnt sind. So lernen die Jugendlichen viele Berufe und ihre Herausforderungen kennen. Ziel ist es, ihnen eine Arbeitsstelle auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Ein Mann mit Brille
Kurt Zeyher, Sophies Lehrer. Bildrechte: SWR/MDR

Für die Lehrer der Berufsschule sind die Schüler nicht nur eine Herausforderung. Denn die Jugendlichen im Inklusionsprojekt wollen etwas lernen. Bei Berufsschülern ist das keine Selbstverständlichkeit. Sophies Lehrer Kurt Zeyher unterrichtet gerne in ihrer Klasse. Auch Sophies Stärken kennt er inzwischen.

Sie kann sich im Kindergarten schon einbringen und die Kinder mitziehen, wenn es jüngere sind als sie. Ich denke, ihr Bereich ist eher, mit Kindern was zu machen als im Erwachsenenbereich.

Kurt Zeyher, Sophies Lehrer

Und dann ist es soweit, das Berufspraktikum in einem Kindergarten steht an. Hier ist es nun Sophie, die Kindern etwas beibringt. Sie spielt mit ihnen, übt das ABC, deckt den Tisch, räumt auf. Eine Erzieherin unterstützt sie dabei. Sophie hat nun drei Monate Zeit herauszufinden, ob Kindergartenhelferin das richtige für sie ist.

Sophies Leben besteht aber nicht nur aus Schule und Praktikum. In ihrer Freizeit ist sie ständig unterwegs. Ein Jugendhaus ist mittlerweile Sophies zweites Zuhause geworden. Dort besucht sie regelmäßig Mal- und Tanzkurse und trifft sich alle zwei Wochen mit Jugendlichen mit und ohne Handicaps. Außerdem spielt Sophie Theater bei der "Freien Bühne Stuttgart".

Herausforderungen des Alltags

Ein Mädchen mit Down-Syndrom
Abends skypt Sophie gerne und oft mit ihren Brüdern. Dann erzählt sie von den Erlebnissen de Tages. Bildrechte: SWR/MDR

Zu Hause ist Sophie mit ihren zwei großen Brüdern und ihrer Mutter aufgewachsen. Die Brüder sind längst ausgezogen, und den Alltag zu Hause stemmen Sophie und ihre Mutter gemeinsam. Das ist nicht immer einfach - für beide Seiten. Die eine muss lernen, ihre Gefühlsausbrüche im Zaum zu halten, die andere muss ständig Grenzen neu abstecken.

Ich kann mich nicht verstecken, ich bin gefordert. Ich muss mich ständig hinterfragen. In allen Reaktionen, die ich mache, kriege ja auch eine Rückmeldung nonverbal: Das war nicht so ganz in Ordnung.

Sophies Mutter Sylvia

Bald muss die Mutter auch ihre gehandicapte Tochter loslassen. Denn Sophie hat Umzugspläne. Eine Wohngemeinschaft soll bald ihr neues Zuhause werden.

Ein Mädchen mit Down-Syndrom mit einer Frau an einem Tisch
Sophies Mutter arbeitet wieder. Nebenher muss sie nun Sophies neuen Lebensabschnitt organisieren. Eine enorme Belastung. Sophie aber ist voller Tatendrang: "Allein Essen kochen, allein saubermachen, allein arbeiten, alles auspacken. Das wird was!", freut sie sich. Bildrechte: SWR/MDR

Drei Fakten zum Down-Syndrom Menschen mit Down-Syndrom besitzen in jeder ihrer Zellen 47 Chromosomen statt 46. Dabei ist das Chromosom 21 dreifach statt doppelt vorhanden. Daraus leitet sich die Bezeichnung Trisomie 21 ab.

Es war der englische Arzt Dr. Langdon Down (1828-1896), der 1866 erstmals dieses Syndrom wissenschaftlich beschrieb. 1959 beanspruchte der französische Genetiker Jérome Lejeune die Entdeckung der Ursache des Syndroms - die veränderte Chromosomenanzahl. 2009 beanspruchte die französische Forscherin Marthe Gautier die Entdeckung der Trisomie für sich.

2011 riefen die Vereinten Nationen den 21. März zum offiziellen Welt-Down-Syndrom-Tag aus. In diesem Jahr fand er unter dem Motto "Meine Stimmen, meine Gemeinschaft" statt.

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2017, 16:34 Uhr