Der Dreispringer Max Heß jubelt nach seinem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt.
Bildrechte: IMAGO

Leichtathletik | Deutsche Meisterschaften Heß - Gold mit nur zwei gültigen Sprüngen

Dieser Max Heß hat Nerven wie Drahtseile! Bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt stand er nach zwei ungültigen Versuchen mit dem Rücken zur Wand. Doch statt auf Sicherheit zu gehen, haute der Chemnitzer einen raus. Neben dem Meisterschaftstitel haben viele Starter in der thüringischen Landeshauptstadt noch ein anderes Ziel im Blick: die WM in London im August.

Der Dreispringer Max Heß jubelt nach seinem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt.
Bildrechte: IMAGO

Dreisprung: Heß eine Klasse für sich

Dreispringer Max Heß aus Chemnitz hat es bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt ganz spannend gemacht. Nach zwei ungültigen Versuchen drohte das Aus, doch dann folgte der Paukenschlag mit einem Satz auf 17,24 Meter im dritten Durchgang.

Max Heß
Da spritzt der Sand: Max Heß bei seinem Satz auf 17,24 Meter. Bildrechte: imago/Sebastian Wells

Weil der Wind mit +2,1m/s zu sehr wehte, zählte der Sprung nicht als persönliche Saisonbestleistung. Diese sprang Heß dann mit 17,13 m im letzten Versuch. Dass der erst 20-jährige Heß eine Klasse für sich ist, zeigte die Statistik: Von fünf Versuchen schaffte er nur zwei Gültige, doch die waren mit 17,24 m und 17,13 m deutlich weiter, als die Konkurrenz. "Meine größte Stärke ist, dass ich nicht groß nachdenke", erklärte der Sachse, der "nebenbei" studiert, sein Erfolgsrezept nach dem Wettbewerb.

Felix Wenzel (SC Potsdam) kam mit 16,15 m auf den zweiten Platz, Bronze ging an Tobias Hell (Schweriner SC). Lokalmatador Marcel Kornhardt (ASV Erfurt) sprang bis zuletzt um eine Medaille, wurde am Ende aber undankbarer Vierter und verpasste die erhoffte WM-Fahrkarte.

Dreispringerinnen am Sonntag dran

Die WM-Norm ebenfalls geknackt hat Kristin Gierisch. Die gebürtige Zwickauerin, die für den LAC Erdgas Chemnitz startet, konnte bereits 2014 und 2015 bei den deutschen Meisterschaften triumphieren, dazu kommen zahllose Titel in der Halle. Ihre Konkurrentin Jenny Elbe (Dresdner SC), DM-Siegerin 2012, 2013 und 2016, fällt dagegen mit einer Knieverletzung in Erfurt (am Sonntag ab 17:20 Uhr) und auch in London aus.

Kugelstoßen: Serientäter Storl schlägt zu

Er hat es wieder getan! Kugelstoßer David Storl hat seinen siebten nationalen Titel in Folge gewonnen. Der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister dominierte den Wettbewerb klar und gewann mit 20,98 Metern.

David Storl
Der mit der Kugel spielt: David Storl. Bildrechte: IMAGO

"Ich wollte über 21 Meter stoßen, habe aber meine Vorsätze nicht richtig umgesetzt. Die nächsten Wettkämpfe werden besser", sagte Storl. Der 26-Jährige vom SC DHfK Leipzig zeigte keine Weltklasseleistung. Maßstab ist vor der WM im August in London der US-Amerikaner Ryan Crouser mit 22,65 Meter. Auf Platz zwei kam der Leverkusener Jan-Josef Jeuschede mit 19,31 Meter vor Simon Bayer aus Sindelfingen mit 19,09 Meter. Bitter: Patrick Müller (SC Neubrandenburg) stieß exakt die Weite von Bayer, hatte aber einen schlechteren zweiten Versuch und wurde deshalb Vierter. Auf dem fünften Rang landete Dennis Lewke (Sportclub Magdeburg/19,02 m), Andy Dittmar (Gotha/17,72) wurde 10.

Hochsprung: Przybylko ist die deutsche Nummer 1

Mateusz Przybylko
Der beste deutsche Hochspringer: Mateusz Przybylko. Bildrechte: IMAGO

Eine Premiere feierte dagegen Hochsprung-Hoffnung Mateusz Przybylko. Der Leverkusener präsentierte sich in Erfurt in starker Verfassung und gewann seinen ersten deutschen Meistertitel. Der 25-Jährige übersprang locker 2,30 m. Danach lag die Latte bei 2,36 m und 2,38 m aber noch zu hoch. "Ich hatte nichts mehr zu verlieren und habe mich gut gefühlt, da habe ich es einfach versucht", sagte Przybylko, der eine einfache Erklärung für seine Leistungssteigerung in diesem Jahr hat: "Ich mache mir keinen Druck und will einfach Spaß haben - das funktioniert." Bei der WM in London gilt Przybylko, derzeit die Nummer zwei der Welt, als Kandidat für eine Medaille. Zweiter in Erfurt wurde Eike Onnen mit 2,19 m. Der Hannoveraner hatte aber ebenfalls im Vorfeld schon die für London geforderte Norm von 2,30 m geknackt.

Diskus: WM-Aus für Christoph Harting - Robert holt Titel

Diskuswurf-Olympiasieger Christoph Harting hat die WM-Norm und damit einen Start bei der WM in London verpasst. Der 27-Jährige vom SCC Berlin kam als Vierter nicht über 62,51 Meter hinaus und blieb damit unter den geforderten 65 Metern. Sein fünf Jahre älterer Bruder Robert, der Olympiasieger von 2012, holte sich im Steigerwaldstadion mit 65,65 Metern seinen zehnten nationalen Titel. Als Zweiter sicherte der Magdeburger Martin Wierig (64,29 m) seinen WM-Startplatz ab. Er hatte die Norm bereits erfüllt.

Speerwerfen: Molitor wird Meisterin

Das Speerwerfen der Frauen hat Favoritin und Weltmeisterin Katharina Molitor (Leverkusen) mit 61,16 Metern gewonnen. Überschwänglich feiern konnte sie nicht, denn schon am Sonntag wird sie beim Diamond-League-Meeting in London starten. Die WM-Norm hatte Molitor schon vor der DM in der Tasche. Die Erfurterin Charlotte Müller landete mit 49,10 Metern auf dem siebten Platz. Lotte Reimann (LC Jena) kam auf Rang neun (45,81 m).

Speerwerfer Thomas Röhler mit Zahnstocher
Kann es auch mit dem Zahnstocher: Speerwerfer Thomas Röhler (Archiv). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei den Männern, die am Sonntag antreten (17:25 Uhr), hat Thomas Röhler schon in ganz andere Sphären geworfen. Die 93,90 Meter vom Diamond-League-Meeting in Doha am 5. Mai dieses Jahres bedeuteten einen neuen deutschen Rekord. Der Jenaer Olympiasieger ist damit der große Favorit, auch wenn er erst am vergangenen Sonntag von der deutschen Nummer zwei Johannes Vetter beim Diamond-League-Meeting in Paris entthront wurde.

Obergföll mit Rudolf-Harbig-Preis geehrt

Die ehemalige Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll ist bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Erfurt mit dem Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis ausgezeichnet worden.

Christina Obergföll in Erfurt
Christina Obergföll in Erfurt Bildrechte: IMAGO

Die 35-Jährige hatte nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio ihre Karriere beendet. Neben Gold bei der WM 2013 in Moskau gewann die Offenburgerin, die in Kürze ihr zweites Kind erwartet, auch zwei Olympia-Medaillen - 2008 und 2012 Silber.

Der Wanderpreis wird seit 1950 "an einen würdigen und verdienten Leichtathleten verliehen, der in Haltung und Leistung als Vorbild für die Jugend gelten kann". Namensgeber ist der aus Dresden stammende und 1944 im Zweiten Weltkrieg gefallene Mittelstrecken-Weltrekordler Rudolf Harbig.

100 Meter: Reus erfüllt WM-Norm

Julian Reus
Julian Reus Bildrechte: IMAGO

Der deutsche 100-Meter-Rekordhalter Julian Reus hat seine letzte Chance genutzt und die Norm für die Leichtathletik-WM im August in London erfüllt. In 10,10 Sekunden blieb der 29-Jährige vom TV Wattenscheid 01 knapp unter der geforderten Richtzeit (10,12 s) und sicherte sich seinen fünften 100-Meter-Titel in Serie.

Zweiter wurde der Wiesbadener Michael Pohl (10,26 s) vor dem Leipziger Roy Schmidt (10,28 s). Reus ist bereits für den WM-Start in den Sprint-Staffeln fest eingeplant. Am Sonntag kann er noch die WM-Teilnahme über 200 Meter schaffen.

Sprint-Hoffnung Lückenkemper triumphiert

Deutschlands Sprint-Hoffnung Gina Lückenkemper hat ihren ersten Meistertitel über 100 Meter erkämpft. Die 20-Jährige aus Dortmund siegte in 11,10 Sekunden. "Ich bin einfach überglücklich", sagte die EM-Dritte über 200 Meter. Bereits im Vorlauf war Lückenkemper zur persönlichen Bestzeit von 11,01 Sekunden gestürmt. Zweite im Finale wurde Rebekka Haase vom LV 90 Erzgebirge in 11,22 Sekunden vor Titelverteidigerin Tatjana Pinto aus Paderborn (11,27 s).

Dreispringer Max Heß bei Hallen-EM in Belgrad
Siegerrunde mit Fahne? Kein schlechtes Ziel für Max Heß in London (Archiv). Bildrechte: IMAGO

Über dieses Thema berichtet "MDR aktuell" MDR FERNSEHEN | 08.07.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2017, 11:22 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

09.07.2017 12:55 FKassekert 1

Sport in der ARD: Dopingtour de Apotheke - France; Formel 1 - Tennis aus W ....
Dann gibts da ja auch noch die Deutsche Meisterschaft der Leichtathleten. Man berichtet, nennt aber nicht einmal alle Sieger. Dabei gehts ja nur um die Disziplin Nr. 1 der Olympischen Spiele!
Wozu also noch diese Alibiinfo?