Sara Gambetta (SC DHfK Leipzig)
Bildrechte: IMAGO

Leichtathletik | Deutsche Meisterschaften Gambetta siegt mit "Mini-Stoß" - Röhler geschlagen

Die Kugelstoßerin Sara Gambetta hat sich bei den deutschen Meisterschaften den Traum von der Goldmedaille erfüllt. Für den Sieg waren am Sonntag in Erfurt nicht einmal 18 Meter nötig. Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler verpasste indes den sechsten Meistertitel in Serie. Zahlreiche Athleten lösten in Thüringen die Fahrkarte für die WM im August in London.

 Sara Gambetta (SC DHfK Leipzig)
Bildrechte: IMAGO

Kugelstoßen: Gambetta siegt mit "Mini-Stoß"

Sara Gambetta hat in Erfurt ihren ersten deutschen Meistertitel gewonnen. Die Leipzigerin setzte sich in Abwesenheit von Seriensiegerin Christina Schwanitz mit 17,38 m vor der früheren Hallen-EM-Dritten Josephine Terlecki aus Halle/Saale mit 16,89 m durch. Bronze ging an Alina Kenzel (Waiblingen/16,76 m). Mit weniger als 17,38 Metern hat seit der Wiedervereinigung vor 27 Jahren keine Athletin gewonnen. "Das Niveau war nicht sehr hoch. Ich wollte einfach zu viel und habe im Kopf übersteuert", sagte die Siegerin nach dem Wettbewerb. Die Siegerweite hätte nicht für das WM-Ticket gereicht. Die geforderten 18 Meter hat Gambetta in dieser Saison aber schon überboten. Sie ist damit die einzige Deutsche, die sich für die WM in London qualifiziert hat.

Christina Schwanitz
Christina Schwanitz ist im Doppel-Mama-Glück. Bildrechte: IMAGO

Dort wird die beste deutsche Kugelstoßerin fehlen. Die 31-jährige Christina Schwanitz, die in den letzten vier Jahren den Titel abgeräumt hatte und amtierende Weltmeisterin ist, ist am Mittwoch Mutter von Zwillingen geworden. Sie brachte ein Mädchen und einen Jungen zur Welt. "Christina geht es gut. Die Mutter und die Zwillinge sind wohlauf", sagte Vater Tomas Heredia-Schwanitz am Sonnabend.

Speerwurf: Olympiasieger Röhler geschlagen

Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler hat den sechsten Meistertitel in Serie verpasst. Der Favorit aus Jena musste sich mit 85,24 Metern allerdings nur Johannes Vetter geschlagen geben. Der Offenburger gewann mit 89,35 Metern und fährt mit dem Weltjahresbesten Röhler im August zur WM nach London. Dritter wurde Bernhard Seifert: Der Potsdamer erfüllte mit 84,62 Metern auch die WM-Norm (83,00 m). Das hatten vor den Titelkämpfen aber auch schon der Dresdener Lars Hamann und der Mannheimer Andreas Hofmann geschafft. Ein Trio darf bei den Titelkämpfen an der Themse starten. Der DLV gibt sein Aufgebot am Mittwoch bekannt.

Thomas Röhler
Thomas Röhler Bildrechte: IMAGO

Diskuswerfen: Magdeburgerin Zweite hinter Harting

Die Hartings reisen mit zwei Goldmedaillen aus Erfurt ab. Einen Tag nach dem Sieg von Robert Harting legte Ehefrau Julia nach und gewann die Diskusentscheidung. Damit verdrängte sie die Magdeburgerin Anna Rüh auf den Silberrang. Beide Athletinnen schleuderten den Diskus im fünften Versuch am weitesten. Bei Rüh, deren Saisonbestleistung bei 63,90 m liegt, wurden 62,17 m gemessen. Harting kam mehr als einen Meter weiter und gewann am Ende deutlich. Es war nach 2015 ihr zweiter Titel bei deutschen Meisterschaften. Dritte wurde die Neubrandenburgerin Claudine Vita mit 61,56 Meter. Die WM-Dritte Nadine Müller (Halle/Saale) musste den Start bei den nationalen Titelkämpfen wegen einer Verletzung absagen, hat aber die WM-Norm schon mit ihrer Jahresbestweite von 65,76 Meter erfüllt.

Hammerwerfen: Ziegler gewinnt Gold

Hammerwerfer Alexander Ziegler (Dischingen) hat seinen Titel erfolgreich verteidigt. Dabei startete der Favorit mit zwei Fehlversuchen, der dritte Hammwurf saß und war mit 71,66 Meter goldwert. Andreas Sahner gewann Silber (Rehlingen/70,89 m). Nach zwei vierten Plätzen gelang dem Münchner Johannes Bichler (70,65 m) als Dritter der Sprung auf das Siegerpodest.

Alexander Ziegler
Alexander Ziegler reist mit Gold aus Erfurt zurück. Bildrechte: IMAGO

Weitsprung: Rehm am weitesten - Howard vergoldet

Prothesenspringer Markus Rehm (Leverkusen) hat bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt den weitesten Sprung hingelegt. Der Paralympics-Star sprang außer Konkurrenz 8,19 m. Vier Zentimeter kürzer flog Julian Howard. Der Karlsruher bestätigte mit 8,15 m seine Bestleistung aus dem Vorfeld und qualifizierte sich damit auch für die WM.

Markus Rehm
Markus Rehm sprang in Erfurt außer Konkurrenz. Bildrechte: IMAGO

Der 28 Jahre alte Rehm, dessen Bestleistung bei 8,40 m liegt, kämpft seit Jahren um seine Zulassung für Wettbewerbe bei den Nichtbehinderten. Doch noch ist nicht abschließend geklärt, ob er durch seine Prothese einen Vor- oder Nachteil gegenüber den anderen Springern hat. Der Fall beschäftigt mittlerweile eine Task Force beim Weltverband IAAF, mit der Rehm im regen Austausch steht. Der unterschenkelamputierte Rehm war 2014 deutscher Meister bei den Nichtbehinderten geworden, wurde dann aber vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nicht für die anschließende EM nominiert. Seitdem darf er bei deutschen Meisterschaften außer Konkurrenz mitspringen.

Dreisprung: Gierisch triumphiert erneut

Kristin Gierisch hat sich den Meistertitel im Dreisprung gesichert. Mit einer persönlichen Bestweite von 14,40 Metern setzte sich die 26-Jährige vom LAC Erdgas Chemnitz souverän gegen Neele Eckhardt (Göttingen/14,02 m) durch. Dritte wurde Birte Damerius aus Berlin (13,39 m). Für Gierisch war es bereits der dritte deutsche Meistertitel im Freien.

Stabhochsprung: Lita Baehre schlägt Holzdeppe

Stabhochsprung-Teenager Bo Kanda Lita Baehre ist zum ersten Mal deutscher Meister im Stabhochsprung. Der 18-Jährige vom TSV Bayer 04 Leverkusen meisterte 5,60 Meter und brachte dem höhengleichen Favoriten Raphael Holzdeppe eine Niederlage bei. Dritter wurde Titelverteidiger Tobias Scherbarth aus Leverkusen mit 5,40 Metern. Die Norm für die Weltmeisterschaften in London (5,70 Meter) hatte zuvor neben Ex-Weltmeister Holzdeppe auch Torben Laidig (Schwäbisch Hall) erfüllt.

200 Meter: Double für Sprint-Ass Reus

Julian Reus
Julian Reus Bildrechte: Karina Heßland-Wissel

Der deutsche Top-Sprinter Julian Reus hat sich bei den Meisterschaften in Erfurt seinen zweiten Titel gesichert. Einen Tag nach dem Sieg über 100 Meter gewann der 29-Jährige vom TV Wattenscheid 01 auch über die doppelte Distanz. Im Finale über 200 Meter setzte sich Reus am Sonntag in 20,29 Sekunden durch und erfüllte zugleich erstmals die WM-Norm. Als Zweiter in 20,50 Sekunden war Titelverteidiger Robin Erewa vom TV Wattenscheid chancenlos. Dritter wurde Olympia-Starter Aleixo-Platini Menga von Bayer Leverkusen in 20,55 Sekunden. Reus ist bereits für den WM-Start in der Sprint-Staffel fest eingeplant. In Erfurt verzichtete er aber auf die 4 x 100 Meter mit seinem Verein, um für die 200 Meter Kräfte zu sparen.

Über dieses Thema berichtet "MDR aktuell" MDR FERNSEHEN | 09.07.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2017, 21:08 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

11.07.2017 06:51 Jörg Lohmann 2

Warum waren zur DM eigentlich alle Tribünen besetzt wo doch für RWE Spiele eine gesperrt ist!!! Gebt mir mal ne Antwort MDR.

09.07.2017 16:21 Uwe, Dresden 1

Der Bronzeplatz mit 7 cm mehr als Silber???? Da sind sicher die daten vertauscht oder gänzlich anders.
Der "richtige" Durchbruch scheint sich aber in der deutschen Leichtathletik noch immer nicht einzustellen..... Was waren das mal für zeiten.....