Bobsport | WM in St. Moritz : Ein Sachse schreibt Geschichte
Francesco Friedrich ist neuer Weltmeister im Zweierbob. Der 22-Jährige vom SC Oberbärenburg und sein Anschieber Jannis Bäcker setzten sich auf der Natureisbahn von St. Moritz in vier Läufen vor Lokalmatador Beat Hefti durch. Thomas Florschütz aus Riesa holte Bronze.
Der gebürtige Pirnaer ist nun der jüngste Zweierbob-Weltmeister aller Zeiten. Den bisherigen Altersrekord, der aus dem Jahre 1935 stammt, hatte der Schweizer Reto Capadrutsch inne. "Ich habe einfach nur meinen Job gemacht. Wir waren gut vorbereitet, haben das Material optimiert und sind konstant gut gefahren. Und am Ende wollte ich auch noch den Starterpreis mitnehmen", sagte Friedrich, der nach seinem Triumph nicht nur jubelte. Er tröstete auch Teamkollege Thomas Florschütz, der trotz seiner Bronzemedaille emotional zusammenbrach und viele Tränen vergoss. Friedrich: "Er hatte sich mehr ausgerechnet und tut mir leid. Zum Glück hat er noch Bronze geholt."
Angriff auch im letzten Lauf
Friedrich zeigte sich äußerst nervenstark. Mit 33 Hundertstel Vorsprung war der Juniorenweltmeister in den letzten Durchgang gegangen. "Das wird ein Lauf wie jeder andere", versuchte der Youngster vor dem Finallauf noch tiefzustapeln. Dann lieferte er eine blitzsaubere Fahrt ab. Nach neuem Startrekord von 4,98 Sekunden baute er seinen Vorsprung auf Hefti kontinuierlich aus und distanzierte mit Laufbestzeit den Schweizer Routinier um die halbe Ewigkeit von 0,56 Sekunden. Bundestrainer Christoph Langen war begeistert: "Unglaublich, man muss die Jungen einfach drauf loslassen." Er habe eher gedacht, Friedrich mache bei dem großen Vorsprung einen auf Sicherheit, "doch dann zünden die beiden oben noch einen Startrekord".
Möglich war Friedrichs Sieg aber nur durch einen eher ungewöhnlichen Umstand. So hatte der Bundestrainer den Potsdamer Manuel Machata zum Verzicht auf einen Start im kleinen Schlitten überredet. Friedrich rückte damit zum Deutschland-Bob III auf und durfte deshalb mit seinem Stammanschieber Bäcker die WM-Rennen bestreiten. Dabei hatte er eher schlechte Erinnerungen an St. Moritz: Vor einem Jahr war sein Anschieber beim ersten Schritt ausgerutscht und schaffte es nicht mehr in den Bob. Friedrich bemerkte das Missgeschick lange überhaupt nicht. Erst im Ziel, als mehr als 3,5 Sekunden auf den Spitzenreiter fehlten und der Bob mit rasender Geschwindigkeit in die gummierten Auslaufmatten fuhr, wurde auch dem Fahrer das Fehlen des Bremsers bewusst. Diesmal jedenfalls lief alles glatt.
Wut und Tränen bei Florschütz
Das kann man von Thomas Florschütz nicht behaupten. Im Ziel kämpfte der für Riesa startende Thüringer mit den Tränen. "Es ist alles so bitter, hier wäre so viel mehr dringewesen. Ich kann es alles nicht fassen", meinte der Olympia-Zweite von Vancouver. Am Sonnabend hatte sich sein etatmäßiger Anschieber Kevin Kuske im ersten Lauf schwer verletzt. "Die Saison ist gelaufen, wir müssen auf das nächste Jahr hoffen", erklärte Teamarzt Christian Schneider, der einen Muskelabriss oberhalb des Oberschenkels diagnostizierte. Mit "Wut im Bauch" und Andreas Bredau an der Bremse verbesserte sich Florschütz im dritten Lauf vom sechsten auf den vierten Platz und verdrängte im letzten Lauf auch noch den US-Amerikaner Steven Holcomb vom Podium. Ersatzmann Bredau war überglücklich: "Nach dem Ausfall gestern bin ich glücklich, dass es noch Bronze geworden ist und ich Flori noch helfen konnte, auch wenn er schwere Zeiten durchmacht."
