Motorrad-WM | GP von Japan : Herzschlagfinale: Cortese nur fast Weltmeister
WM-Lauf in Motegi
Ein denkwürdiges Rennen erlebten die Motorsport-Fans am Sonntag in Motegi (Japan): In der kleinsten Klasse Moto3 ging es in der letzten Runde drunter und drüber. Für kurze Zeit war Sandro Cortese Weltmeister, nachdem sein ärgster Rivale Luis Salom sich quasi selbst aus dem Rennen katapultiert hatte. Aber auch Cortese schaffte es nicht unbeschadet ins Ziel und musste sich am Ende mit Rang sechs zufrieden geben. Ebenfalls Sechster wurde in der Königsklasse MotoGP Stefan Bradl. Sein Rennen war aber deutlich entspannter als das seines Kumpels Cortese.
Motorrad-Pilot Sandro Cortese hat den vorzeitigen WM-Titel nur um vier Kurven verpasst. Nach einer dramatischen letzten Runde beim Grand Prix in Japan wurde der Moto3-Fahrer am Ende Sechster. Der als Dritter ins Rennen gegangene Schwabe ließ es zunächst ruhig angehen und arbeitete sich erst im Laufe der 20 Runden langsam nach vorne. In der letzten Runde überschlugen sich dann die Ereignisse. Zunächst attackierte der für seinen Endspurt bekannte Salom den Führenden Jonas Folger (Scheidegg) in Harakiri-Manier. Das Resultat: Salom räumte Folger ab, beide schieden aus. Folger war nahe dran, den Spanier noch im Kiesbett zu verprügeln. Das Manöver konnte er auch nach einigen Beruhigungsminuten nicht nachvollziehen: "Da hat Salom sein Hirn ausgeschaltet, das sollte man nicht machen." Das sah die Rennleitung offenbar auch so, denn sie verurteilte den Kalex-Piloten mittlerweile: Beim nächsten Rennen in Sepang (Malaysia) wird er um fünf Ränge zurückversetzt.
Cortese hatte den WM-Titel vor Augen
In Motegi ging Cortese nun in Führung und hatte genau die Konstellation, die er für den Titel brauchte: Denn der WM-Dritte Maverick Vinales war nur Vierter. Die Freude des Berkheimers hielt aber nur rund zwei Kilometer. Dann bremste ihn sein Teamkollege Danny Kent fair und sauber aus. Der Brite war am Sonnabend auf Pole gefahren und noch ohne WM-Sieg. Im Gefolge von Kent versuchte es auch noch der Italiener Alessandro Tonucci. Der Überraschungsmann, der bislang über Rang zehn nicht hinausgekommen war, ging aber allzu optimistisch an die Sache heran. Er wurde deutlich heraustragen. Dies wollte Cortese zum sofortigen Konter nutzen, doch dabei kamen sich beide ins Gehege. Cortese und Tonnucci stürzten. Geistesgegenwärtig hielt Cortese sein Motorrad mit Zwischengas aber immerhin am Laufen, rappelte sich auf und kam so noch auf Rang sechs. Der eigentlich längst nicht so schnelle Vinales nutzte die Chance und wurde unerwartet noch Zweiter. Er ist mit 199 Punkten nun wieder erster Verfolger von Cortese (255). Salom bleibt bei 194 Zählern.
Cortese sauer auf Kent
Nach seinem haarscharf verpassten WM-Titel war Moto3-Pilot Sandro Cortese sauer auf Teamkollege Kent: "Ein bisschen Respekt vor mir hätte er zeigen können, das war nicht nötig", sagte Cortese, der sich den Briten schon auf der Auslaufrunde wild gestikulierend zur Brust genommen hatten: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll, das ist sehr schade." Immerhin baute er seinen Vorsprung in der WM um fünf auf 56 Zähler aus. Nun kann er in Malaysia mit einem Sieg oder einem zweiten Rang aus eigener Kraft Weltmeister werden. Oder er kommt vor Vinales und Salom ins Ziel. Auch das würde Cortese reichen. Insgesamt drei Rennen stehen noch aus. Das frühe Aus kam in Motegi für den Krostitzer Toni Finsterbusch. Der Fahrer des sächsischen Racing Team Germany schied in der vierten Runde mit technischen Problemen aus. Kalex-Pilot Luca Amato (Bergisch-Gladbach) landete auf Platz 22.
MotoGP: Bradl guter Sechster
In der Königsklasse MotoGP fuhr Neuling Stefan Bradl auf einen guten sechsten Rang. Der von Rang acht aus ins Rennen gegangene Zahlinger war schon in der Anfangsphase kurze Zeit Sechster. Dann lag er lange Zeit relativ einsam auf Position sieben. Weil dem Briten Cal Crutschlow der Sprit ausging, verbesserte er sich in der Endphase noch um einen Rang. Es siegte der spanische WM-Zweite Dani Pedrosa (Honda) vor Spitzenreiter Jorge Lorenzo (Yamaha/Spanien). Mit seinem 20. Erfolg in der Königsklasse hielt Pedrosa das Titelrennen offen. Weltmeister Casey Stoner (Australien/Honda), der nach achtwöchiger Pause wegen einer Knöchelverletzung sein Comeback gab, fuhr auf den fünften Platz. Im Klassement verkürzte Pedrosa (282 Punkte) den Rückstand auf Lorenzo (310) auf 28 Punkte. Mit 125 Zählern liegt Bradl weiter auf Rang acht.
Moto2: Schrötter chancenlos
In der Moto2 fuhr Bimota-Pilot Marcel Schrötter (Vilgertshofen) auf den 24. Platz. Der Gesamtführende Marc Marquez aus Spanien machte den nächsten Schritt in Richtung WM-Titel. Obwohl er beim Start den Gang zunächst nicht fand, gewann der Suter-Pilot vor Verfolger Pol Espargaro (Kalex) und führt im Klassement nun mit 283 Zählern vor seinem Landsmann (230).
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