"Partner Pferd" Ahlmann bringt sein eigenes Heu mit

In den nächsten Tagen steigt bei Springreiter Christian Ahlmann die Spannung. Mit 77 Punkten ist der 41-Jährige derzeit der Führende im Weltcup-Gesamtstand. Wie er im Interview auf MDR.DE verriet, ist er trotzdem vor entscheidenden Wettkämpfen nervös.

Die "Partner Pferd" findet zum 19. Mal statt. Wie oft waren Sie schon bei der Veranstaltung?

"Das weiß ich nicht hundertprozentig. Aber ich habe nicht viele Veranstaltungen ausgelassen. Die "Partner Pferd" ist immer ein großes Erlebnis. Außerdem hat sich das Turnier immer wieder weiterentwickelt. Von Anfang an waren viele Leute da und es herrscht eine super Stimmung. Deshalb macht es richtig viel Spaß dort zu reiten. Wenn das Publikum so begeistert ist, fühlt man sich dementsprechend noch eine Ecke wohler."

2011 feierten Sie mit dem Gewinn des Gesamt-Weltcups einen ihrer größten Einzelerfolge in Leipzig. Wie werden die nächsten Tage in der Messehalle für Sie ablaufen?

"Es fängt mit dem Einlaufspringen ruhig an. Am Freitagabend folgt das erste wichtigere Springen, wobei ich für Sonntag vorqualifiziert bin. Nichtsdestotrotz möchte ich immer vorn mitmischen. Das Finale am Sonntag ist natürlich der Höhepunkt. Die Anspannung ist bei jedem Springen da, weil ich mit dem Anspruch herkomme zu gewinnen. Der Fokus liegt aber bei allen Reitern auf dem Haupttag am Sonntag. Da ist man etwas nervöser."

Bundestrainer Otto Becker lobte Sie: "Er ist in überragender Form. Das ist einfach sensationell, wie er das macht." Wie machen Sie das?

Christian Ahlmann auf Hengst Codex One
Springreiter Christian Ahlmann auf seinem Hengst Codex One (Archiv). Bildrechte: IMAGO

"Ich habe im Moment einfach einen guten Lauf. Ich habe das Glück, viele Pferde tauschen zu können, weil ich zwei, drei Ausnahmepferde unter meinem Hintern habe. Es ist nicht alltäglich, diese Anzahl von Pferden zu haben, die so herausragend springen können. Im Sommer hatte ich nur zwei Turnierpferde zur Verfügung, weil Codex One den ganzen Sommer nicht gehen konnte und Taloubet Z lange verletzt war. Taloubet hat sich aber nach seiner Pause wieder sehr gut entwickelt. Das hatten wir am Anfang nicht zu hoffen gewagt. Das ist Luxus pur, wenn die Pferde so wie jetzt in Form sind. Das kann man nur genießen. Das sind Sportpferde, die zur obersten Liga gehören."

Obwohl der Veranstalter Stroh und Heu stellt, bringen einige Reiter ihr eigenes Heu mit. Wie machen Sie das?

"Grundsätzlich nehmen wir das eigene Heu mit, Späne auch. Bei den Weltcups sind alle Veranstalter professionell und man kann sich auf die Qualität verlassen. Aber bei den Futtermitteln setzten wir auf das, woran die Pferde gewöhnt sind. Bei den Futtermitteln ist das noch wichtiger als bei Späne oder Stroh. Wir wollen einfach sicherstellen, dass es das gleiche Heu wie immer ist. Mit einer Umstellung ginge man ein Risiko ein."

An den vier Tagen fast 500 Pferde in der Messehalle unterzubringen, ist eine logistische Herausforderung. Was ist Ihnen wichtig, um mit dem Veranstalter zufrieden zu sein?

"Wir haben durchweg gute Erfahrungen. Alle sind darauf bedacht, dass die Pferde gut untergebracht sind und Ruhe im Stall ist. Da wäscht eine Hand die andere. Jeder hat seine Sorgen und am Ende steht das Pferd im Vordergrund. Alle ziehen da an einem Strang. Ich habe viele Hengste dabei, die hier und da schon einmal schwieriger sein können. Da ist eine Eckbox hilfreich. Es ist wichtig, dass nicht unbedingt eine Stute direkt in der Box daneben steht."

Leipzig wird als Ihr Heim-Weltcup bezeichnet. Dabei liegt die Stadt etwa 460 Kilometer von Ihrer Heimat Marl entfernt. Inwiefern ist Leipzig trotzdem wie eine zweite Heimat?

"Ich muss ganz ehrlich sagen, dass Leipzig durch das Weltcupfinale (2011, Anm. d. Red.) ganz besonders ist für mich. Es war jedes Jahr ein gutes Turnier."

Vor einem Jahr siegte Hans-Dieter Dreher mit seinem Hannoveraner-Hengst Embassy II. Wie sehen Sie Ihre Chancen auf Platz eins?

"Die Chancen sind auf jeden Fall da. Bei allen Teilnehmern ist eine gute Form entscheidend. Ich versuche, die Form der vergangenen Wochen mitzunehmen. Trotzdem geht es in Leipzig wieder bei null los. Meine Konkurrenten sind sehr stark und sehr motiviert. Ich werde es versuchen. Aber die Aufgabe ist schon sehr schwer."

Beim jüngsten Weltcup-Springen im belgischen Mechelen wurden sie vor drei Belgiern Erster. Sind die Belgier auch in Leipzig ihre ärgsten Konkurrenten?

"In Mechelen waren so viele Belgier vorn, weil dort weitaus mehr Belgier gestartet sind als bei anderen Weltcups. Sie haben im Nationenpreis das Finale gewonnen. Jetzt werden weniger Belgier da sein. Aber die Starter, die anreisen, haben sicherlich auch eine Chance, vorn dabei zu sein."

Ihre Partnerin Judy-Ann Melchior ist auch eine Belgierin und startet im gleichen Wettbewerb wie Sie. Inwiefern haben Sie überhaupt die Zeit, ihr die Daumen zu drücken und ihre Sprünge zu sehen?

Christian Ahlmann
Christian Ahlmann (Archiv). Bildrechte: IMAGO

"Für das Daumendrücken bliebt auf jeden Fall Zeit. Das mache ich auch ausgiebig. Ihre Sprünge zu verfolgen klappt auch, solange wir nicht in der Starterliste direkt nebeneinanderliegen. Manchmal haben wir das Glück, die Sprünge des anderen von A bis Z intensiv zu verfolgen. Nach der Prüfung gucken wir uns alles noch einmal an und werten den Wettkampf aus."

Ihr gemeinsamer Sohn Leon ist inzwischen dreieinhalb Jahre alt. Hat er das Glück der Erde schon kennengelernt und auf einem Pferd gesessen?

"Ja, natürlich. Wir reiten oft zusammen. Er kommt einfach vorn drauf auf den Sattel. Meine Schwestern Bettina und Stefanie haben auch Kinder. Da ist viel Rummel im Stall."

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Ahlmann.

Mit Christian Ahlmann sprach Maria Köhler.

Die "Partner Pferd" ... ... findet seit 1998 jährlich in Leipzig statt. Sie besteht aus drei tragenden Säulen: (Abend-)Shows, dem Ausstellungsbereich - und natürlich dem Sport. Wettbewerbe gibt es unter anderem für die Springreiter, die Gespannfahrer und die Voltigierer.

Ausgetragen wird die "Partner Pferd" auf dem Leipziger Messegelände.

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2016, 15:27 Uhr

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