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Radsport | Doping : Armstrong hat offenbar Doping-Beichte abgelegt

Nach jahrelangem Abstreiten hat Ex-Radprofi Lance Armstrong offenbar die Einnahme von Dopingmitteln eingeräumt. Der Amerikaner soll in einem Interview mit Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey offen die Einnahme leistungssteigernder Mittel bei seinen Tour-de-France-Siegen bekannt haben. Das berichten verschiedene Medien unter Berufung auf mit der Sendung vertraute Quellen.  

Interview wird Donnerstag gesendet

Der US-Amerikaner Lance Armstrong vom Team Discovery neben seinem Hauptkontrahenten Jan Ullrich vom Team T-Mobile bei der Tour de France im Jahr 2005 (Archivfoto vom 06.07.2005).
MDR INFO

Armstrong gesteht offenbar Dopingmissbrauch

15.01.2013, 10:41 Uhr | 02:24 min

Armstrong und Winfrey selbst schweigen noch. Winfrey schrieb nach der Aufzeichnung lediglich über Twitter, sie habe soeben zwei Stunden mit Armstrong unter Dach und Fach gebracht. Der Radprofi sei vorbereitet erschienen. Tatsächlich war Armstrong mit etwa zehn Begleitern darunter seinen Anwälten und Managern ins Studio gefahren. Dies werten Beobachter als ein Indiz für die Dopingbeichte. Als weiteres führen sie an, dass Armstrong vor der Aufzeichnung des Interviews seine Krebsstiftung Livestrong besuchte. Dort soll er sich mit den Worten "es tut mir leid" bei den Mitarbeitern dafür entschuldigt haben, die Existenz der Stiftung aufs Spiel gesetzt zu haben.

Die New York Times will erfahren haben, dass Armstrong angekündigt habe, gegen "mehrere mächtige Personen im Radsport" auszusagen. Somit werden vor allem auch der frühere Präsident des Weltverbandes UCI Hein Verbruggen und der amtierende UCI-Boss Pat McQuaid, die beide stark in der Kritik stehen, gespannt die Aufzeichnung verfolgen. Der UCI wird vorgeworfen, das System Armstrong gedeckt zu haben.

Geständnisse früherer Teamgefährten entscheidend

Lance Armstrong
Die Schlinge um Armstrong wurde immer enger.

Für Armstrong wäre diese Lebensbeichte eine radikale Abkehr von seinen gewohnten Verhaltensmustern. Der 41-Jährige hatte über lange Zeit alles und jeden scharf attackiert, der ihn mit Doping in Verbindung brachte. Er berief sich immer darauf, nie positiv getestet worden zu sein. Armstrong reagierte mit Klagen gegen Dopingvorwürfe, obwohl die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA das Gegenteil bewies. Auch nach der lebenslangen Sperre durch die USADA und der Aberkennung seiner sieben Tour-de-France-Titel durch den Weltverband UCI hatte er das Doping nicht eingeräumt.

Das Netz um Armstrong hatte sich zuletzt immer weiter zugezogen. Nach und nach wechselten frühere Teamgefährten die Fronten. Unter anderem Tyler Hamilton, Levy Leipheimer und der einst treueste Helfer des Texaners, George Hincapie, stellten sich gegen ihren Anführer. Die Schlüsselfigur war dabei wohl Floyd Landis, der nach seinem Tour-Sieg 2006 selbst des Dopings überführt worden war und den Titel verlor. Landis soll Armstrong später gebeten haben, sich für seine Rehabilitation einzusetzen, um ihm ein Comeback zu ermöglichen. Als Armstrong das ablehnte, hatte er eine Art Feindbild geschaffen. Landis beschloss, alles auf den Tisch zu legen, und will jetzt gegen den Texaner vor Gericht ziehen. Derzeit prüft das US-Justizministerium, sich der Klage wegen Betrugs anzuschließen. Darin geht es um den Vorwurf, Armstrong habe in seiner Zeit für das Team US Postal von 1998 bis 2004 die Sponsorengelder des von Steuergeldern finanzierten Unternehmens für Dopingzwecke missbraucht.

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2013, 17:33 Uhr

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