Fußball | 2. Bundesliga : Dynamo - viel Feuer in der Hinrunde
Man kann es drehen und wenden wie man will – beim Rückblick auf die erste Dresdner Zweitliga-Hinrunde seit fünf Jahren drängen sich vor allem die nichtsportlichen Randerscheinungen ins Gedächtnis: die Ausschreitungen in Dortmund, die Partie ohne Dynamo-Fans bei St. Pauli, das Geisterspiel in Rostock. Dabei kann sich auch sportlich durchaus sehen lassen, was der Aufsteiger in den vergangenen fünf Monaten gezeigt hat: Einen Bundesligisten im DFB-Pokal rausgeworfen, sich im Mittelfeld der Liga platziert.
Zu Saisonbeginn deutete noch nicht viel darauf hin, dass die Dresdner nun als Tabellenelfter in die Winterpause gehen. Mit einem Rumpfteam startete das Team in die Saison, mit Pavel Fort hatte Trainer Ralf Loose am Anfang nur einen gesunden nominellen Angreifer im Team. Dafür hatten Leistungsträger wie Alexander Esswein (Nürnberg), Timo Röttger (RB Leipzig) oder Dani Schahin (Fürth) den Verein verlassen. Auf dem ersten Mannschaftsfoto Mitte Juni waren gar nur 16 Spieler. Entsprechend "rumpelte" sich Dynamo in die Saison, zu Beginn lief beim Aufsteiger wenig zusammen. Von den ersten sechs Ligaspielen wurde nur eines gewonnen. Aber, und auch das gehört dazu, in diese Zeit fielen auch zwei der besten Dresdner Spiele der gesamten Saison: Leverkusen wurde mit hohem Einsatz und nach Verlängerung aus dem Pokal gekämpft, Union Berlin mit 4:0 aus dem Stadion geschossen.
Der Sieg im Pokal brachte neues Geld und neue Spieler, die spielerisch einschlugen. Vor allem die "French Connection" - Mikael Poté, Cheikh Gueye und Romain Bregerie - belebte und stabilisierte das Dresdner Spiel. Licht mit einer starken Offensive und Schatten wegen einer wackligen Abwehr (34 Gegentore und die viertschlechteste Defensive der Liga) blieben zwar über die gesamte Hinserie Begleiter der Schwarz-Gelben. Das Team wirkte mit zunehmender Saison mehr und mehr gefestigt. Mit zuletzt drei Spielen ohne Niederlage und 22 Punkten auf dem Konto konnten die Dresdner so aber auch halbwegs beruhigt in die Weihnachtspause gehen.
Das sagen die Verantwortlichen
Trainer Ralf Loose: "Wir sind hochzufrieden. Wir hatten viele schwierige Dinge zu erledigen. Ich denke, wir sind gut im Rennen. Dennoch wissen wir, dass der Kampf weitergeht. Aber wir wissen auch, dass unsere Mannschaft immer am Limit spielen muss, um Punkte zu sammeln. Was ich kritisch anmerken muss, sind natürlich die vielen Gegentore. Für weiteren Erfolg und eine bessere Bilanz ist vonnöten, das abzustellen. Für mich liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Defensive."
Das beste Dynamo Spiel
Eigentlich gab es nicht DAS beste Dynamo-Spiel. Aber es gab drei Heimspiele, in denen Dynamo zeigte, was in der Mannschaft steckt. Beim Pokalsieg gegen Leverkusen überzeugten die Dresdner mit einer unglaublichen Moral, glichen einen 0:3-Rückstand zunächst aus, um in der Verlängerung noch 4:3 zu siegen. Bei den Siegen in der Liga gegen Union (4:0) und Karlsruhe (5:1) überzeugten die Schwarz-Gelben auch spielerisch. Hier zeigte sich, dass die offensive Ausrichtung von Dynamo-Trainer Loose durchaus Früchte tragen kann. In beiden Partien konnten sich die Gegner der Angriffswucht der Dresdner nicht entgegen stemmen. Und die Dynamo-Abwehr präsentierte sich ausnahmsweise einmal richtig stabil.
Das mieseste Dynamo-Spiel
Beispielhaft für die Schattenmomente der Hinrunde kann die 1:2-Heimniederlage gegen Erzgebirge Aue gesehen werden. Nicht nur, dass die Schwarz-Gelben in letzter Minute verloren und dabei auch noch eine 1:0-Führung aus der Hand gaben. In der Partie zeigte sich auch, wo die Schwachstellen im Dresdner Spiel sind: Die Kicker waren übermotiviert und zugleich unkonzentriert. Kaum ein Pass kam an, der Spielaufbau wirkte fahrig und die Bindung zwischen Mittelfeld und Angriff fehlte. Auch in anderen Partien der Hinrunde zeigten die Dresdner teilweise Fußball zum Abgewöhnen, wie beim 1:1 gegen Aachen oder der 0:3-Niederlage in Duisburg. Die Niederlage im Derby gegen Aue schmerzte aber besonders.
Der beste Dynamo-Spieler
Klar, dass der beste Spieler der Dresdner ein Angreifer sein muss. Die Offensive war der Mannschaftsteil der Dynamos, der am meisten überzeugen konnte. Der beste Spieler ist ein Neuzugang: Mikael Poté kam Ende August, sah sich das Dresdner Spiel zwei Mal als Ein- und Auswechsler an, und trug sich dann acht Mal in die Torjägerliste ein. Persönliche Höhepunkte dürften der Dreierpack beim 4:2-Sieg bei 1860 München und die beiden Last-Minute-Tore gegen Cottbus (2:1) und in Rostock (2:2) gewesen sein. Neben dem 27-Jährigen Poté spielten auch seine Offensiv-Kollegen Giannis Papadopoulos und Robert Koch eine starke Hinrunde.
Die Dresdner Enttäuschung
Die bisherige Enttäuschung bei den Dynamos ist ebenfalls ein gelernter Angreifer und brachte es in der vergangenen Saison sogar auf zehn Bundesliga-Einsätze. Bei den Dresdnern zeigte Marcel Heller aber bisher nur in der Vorbereitung und zu Saisonbeginn, was in ihm steckt. Zwar brachte er es in der Saison auf 15 Einsätze, nur zweimal ließ Loose den Mittelfeldmann aber durchspielen. Bereits am 4. Spieltag saß Heller draußen, zunächst aus disziplinarischen Gründen, der 25-Jährige war zu spät zur Besprechung gekommen. Später dann aber auch aus Leistungsgründen, der Mann aus Hessen ist noch nicht der erhoffte Mittelfeldmotor und konnte den nach Leipzig gewechselten Röttger bisher nicht adäquat ersetzen.
Was am Rande geschah
Es geschah zwar am Rande, bestimmte über Wochen aber die Schlagzeilen und brachte Dynamo Dresden eine richtig harte Strafe vom DFB: Beim DFB-Pokalspiel in Dortmund im Oktober entzündeten Dresdner Anhänger Feuerwerkskörper und bengalische Feuer und prügelten sich mit der Polizei. Dynamo, das wegen einiger Unbelehrbarer in der Vergangenheit wiederholt in die Negativschlagzeilen geriet, reagierte schnell, verurteilte die Ausschreitungen und verzichtete beim Auswärtsspiel bei St. Pauli sogar auf eigene Fans. Doch weil die Dresdner bereits mehrfach vom DFB wegen ähnlicher Vorfälle bestraft werden mussten, griff der Verband diesmal richtig hart durch: In der kommenden Saison findet der DFB-Pokal ohne die Schwarz-Gelben statt. Dresden hat zwar gegen das Urteil Widerspruch eingelegt. Dass beim Heimspiel gegen Cottbus schon wieder ein "Bengalo" brannte, dürfte den DFB aber nicht unbedingt milde stimmen.
2 Kommentare
Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.
