Eishockey | DEL2 Felski: "Ein Highlight, das man nicht vergisst"

Am Sonnabend (9. Januar) stehen die meisten Spieler der Dresdner Eislöwen und der Lausitzer Füchse vor einer ungewöhnlichen Situation. Zum ersten Mal in ihrer Karriere bestreiten sie ein Pflichtspiel unter freiem Himmel - das Ganze dazu noch in einem Fußballstadion vor mehr als 30.000 Zuschauern. Einer, der sich mit solchen Situation auskennt, ist Sven Felski - Eishockey-Legende der Eisbären Berlin. Insgesamt 20 Jahre stand er für den Klub aus der Hauptstadt auf dem Eis. An diesem Wochenende ist er als Experte am MDR-Mikrofon im Einsatz und wird im Vorfeld des "Winter Derbys" als Schiedsrichter das Legendspiel leiten. Der "Strafenkönig" der DEL kündigt dabei schon mal eine "klare Linie" an.

Frage: Was ist der Reiz an einem Spiel unter freiem Himmel. Warum wird so ein Spiel nach draußen verlagert?

Sven Felski: "Eishockey kommt ja aus dem Freiluftbereich. Es geht eigentlich nur zum Ursprung zurück, so wie es früher normal war und gehandhabt wurde. In der Vergangenheit gab es fast nur Freiluftstadien. Es geht zurück zum alten Stil und das macht den Reiz an der Sache aus."

Was sind die Unterschiede zum Eishockey in der Halle?

"Wenn das Wetter mitspielt und es schön kalt ist, dann hat man natürlich perfekte Bedingungen - auch für die Eisfläche. Schnee wäre auch noch in Ordnung, den kann man zur Not beiseite fegen. Bei Regen wäre das dann eine andere Geschichte. Da muss man damit rechnen, dass die Qualität des Spiels etwas unter dem Wetter leidet."

Macht es einen Unterschied, dass die Zuschauer nicht so nah an der Bande sitzen?

Aufbau der Eisflaeche im Stadion Dresden / Rudolf-Harbig-Stadion; 03. Januar 2016
Die Eisfläche im Dresdner Stadion. Bildrechte: Dehli-News / Frank Dehlis

"Nein, gar nicht. Wenn wie in Dresden knapp 30.000 Leute im Stadion sind, dann ist das natürlich für jeden einzelnen Spieler ein Highlight. Das vergisst ein Spieler auch nicht. Solche Momente muss man einfach aufschnappen. Ich hatte so ein Spiel bei der Weltmeisterschaft 2010 in der Arena auf Schalke, wo ich die deutsche Nationalmannschaft beim Eröffnungsspiel gegen die USA als Kapitän auf das Eis geführt habe. Das werde ich auch niemals vergessen."

Sie haben das Spiel in der Arena auf Schalke angesprochen. Sie haben beim Eröffnungsspiel 2010 vor 78.000 Zuschauern gespielt und die USA 2:1 geschlagen. Was bleibt von so einem Spiel hängen?

"Alles Drumherum war beeindruckend. Bereits das Training einen Tag zuvor, wo man das Stadion im leeren Zustand gesehen hat. Und dann sieht man am Spieltag vom Hotel aus, wie die ganzen Leute kommen und ins Stadion gehen. Es war ja zum damaligen Zeitpunkt ein Weltrekord. Das war für uns in diesem Moment gar nicht nachvollziehbar. Diese Eindrücke nimmt man mit, wenn man Richtung Eisfläche läuft und sich aufwärmt. Während des Spiels dann weniger. Aber diese Zeit muss man in sich aufsaugen."

Das Dach in der Arena auf Schalke war damals im Mai 2010 geschlossen. Kann man das Spiel trotzdem mit einem Freiluftspiel vergleichen?

"Ich weiß gar nicht mehr, ob es offen oder geschlossen war. Offen ist natürlich anders als geschlossen, einfach auf Grund der Wetterverhältnisse. Aber in so einem riesigen Stadion bekommt man das bewusst gar nicht mit."

Im Jahr 2012 haben Sie ihre Karriere bei den Eisbären Berlin beendet. 2013 haben die Eisbären dann in Nürnberg am ersten DEL "Winter Game" teilgenommen… Schade, oder egal?

Eishockey-WM Deutschland in der Arena auf Schalke in Gelsenkirchen.
Die gefüllte Arena auf Schalke beim WM-Eröffnungsspiel 2010. Bildrechte: IMAGO

"Wir 'alte Hasen' waren ja trotzdem auf dem Eis gewesen. Auch damals gab es ein Legendenspiel. In Düsseldorf war es 2015 ähnlich, da haben wir auch gespielt. Man hat alle "Winter Games" irgendwie mitgemacht, auch wenn es nicht die offiziellen Spiele waren. Aber ich habe Schalke erlebt, von daher ist das für mich vollkommen in Ordnung. Ich habe es ja trotzdem mitbekommen. Und dabei sogar noch mehr Spaß gehabt als in einem offiziellen Spiel."

Sie selbst kommen am Sonnabend als Experte am MDR-Mikrofon zum Einsatz. Zuvor stehen Sie als Schiedsrichter beim Legendenspiel auf dem Eis. Gibt es eine spezielle Vorfreude, endlich mal selbst die Zeitstrafen zu verteilen und nicht zu kassieren? Sie haben in ihrer Karriere ja kräftig gesammelt (1907 Minuten = fast 32 Stunden).

"Soweit ich weiß, bin ich immer noch die Nummer eins, was die Strafen in der DEL angeht. Da ist auch keiner in unmittelbarer Nähe, der jetzt schnell herankommen könnte. Das liegt natürlich auch daran, dass ich so lange gespielt hab. Ich stand 20 Jahre auf dem Eis. Außerdem habe ich immer sehr emotional gespielt, da passiert sowas nun einmal. Da der Sport sehr athletisch ist, war es auch nicht so schlecht, ab und zu mal eine Auszeit zu bekommen. (lacht) Natürlich freue ich mich auf Samstag. Da lerne ich mal die andere Seite kennen, das finde ich schon interessant. Da werde ich pauschal mal ein paar Strafen verteilen, einfach mal so. So ein Legendenspiel soll auch eine spaßige Geschichte sein."

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Sie sind ja aktuell Trainer der deutschen U17-Nationalmannschaft.

Sven Felski spricht auf einer Pressekonferenz zu Journalisten.
Sven Felski beendete 2012 seine aktive Karriere. Bildrechte: dpa

"Für mich ist es immer sehr wichtig, dass man die Erfahrungen, die man gemacht hat und die guten Trainer mit denen man gearbeitet hat, weitergibt an die nächste Generation. Es ist von großer Bedeutung, dass die jungen Sportler gut betreut und ausgebildet werden, um unsere Sportart weiterhin attraktiv zu gestalten. Ich bin ja zusätzlich bei den Eisbären Juniors seit zwei Jahren als Vorstandsvorsitzender unterwegs. Auch dort versuchen wir alles, um dem Nachwuchs eine tolle Ausbildung zu ermöglichen."

Zum Abschluss: Wer setzt sich ihrer Meinung nach durch? Das Heimteam mit der vermeintlichen Fanmacht im Rücken oder spielt der Gast den Spielverderber?

"Ich bin da neutral. Für mich geht es in erster Linie darum, dass alle im Stadion ein gutes Eishockeyspiel genießen können. Die Menschen sollen ein Spektakel erleben und veranstalten. Wer dann im Endeffekt als Sieger vom Eis geht, ist mir persönlich egal. Wichtig ist, dass dieses Spiel eine Plattform für unseren Sport ist. Diese müssen wir nutzen, um die Leute wieder näher ans Eishockey heranzubekommen. Ich würde mich einfach freuen, wenn alles rund um das Event passt. Wenn wir dann noch ein tolles Spiel erleben, wäre es umso schöner."

Vielen Dank für das Gesrpäch.

Das Interview führte Raphael Honndorf.

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2016, 16:47 Uhr

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2 Kommentare

09.01.2016 14:40 Jojo 2

Wo ist der Puck zu sehen? Naja, die Hauptsache ist, man war dabei... Das Ereignis in dieser Dimension wird als "Größenwahn" eingestuft. Viel Spaß allen Beteiligten.

08.01.2016 13:08 Gehts noch 1

Eishockey unter freien Himmel im Dresdner Harbig-Stadion vor 30 000 Zuschauern. Geiler geht es bestimmt nicht. Allen Beteiligten, Spielern, Offiziellen und Zuschauern viel Spaß dabei!