Leipzig jubelt nach dem Spiel.
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Fußball | Bundesliga Im Stile einer Heimmannschaft - RB Leipzig dominiert auch den HSV

3. Spieltag

von Marcus Teichmann

Leipzig jubelt nach dem Spiel.
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"Ich nutze in der Regel keine Statistiken für die Spielanalyse, aber wenn ich die Zahlen von heute sehe, war das ein verdienter Sieg", urteilte RB-Coach Ralph Hasenhüttl nach dem Spiel auf der Pressekonferenz. 19:8 Torschüsse, mehr als 62 Prozent Ballbesitz und knapp 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind Belege einer großen Dominanz. Die Leipziger können mittlerweile nicht nur kontern, sondern auch Ballbesitz-Fußball spielen.

Ralph Hasenhüttl
Ralph Hasenhüttl Bildrechte: IMAGO

Viel Ballbesitz, viele Pässe und viel Geduld...

Es zeugt von großem Respekt, wenn der einzige Plan einer Heimmannschaft darin besteht, dem Gegner viel Ballbesitz zu lassen und nur durch Konterversuche zum Torerfolg zu kommen. Nichts anderes hatte der HSV am Freitagabend gegen Leipzig vor, wie HSV-Trainer Markus Gisdol nach dem Spiel zugab. Im Direktvergleich würden die Hanseaten "auf jeder Position den Kürzeren" ziehen, daher konnte sein Team nur mit "taktischen Mittel dagegenhalten" analysierte Gisdol nach Abpfiff. Mit dieser Denkweise steht der Coach nicht allein, auch Christian Streich vom SC Freiburg und Domenico Tedesco von Schalke 04 wählten eine ähnliche Taktik gegen RB Leipzig, wobei nur Letzterer damit Erfolg hatte.

Trainer Markus Gisdol steht nachdenklich am Spielfeldrand.
HSV-Trainer Markus Gisdol Bildrechte: IMAGO

Die Herausforderungen für die Leipziger haben sich geändert. Während sie als Aufsteiger in der vergangenen Saison lange Zeit als Underdog aufspielten und sich aufs Umschaltspiel konzentrieren konnten, sind mittlerweile andere Fähigkeiten gefragt. Dazu gehört sowohl ein geduldiges Passspiel am gegnerischen Strafraum als auch ein entsprechendes Zweikampfverhalten bei gegnerischen Kontern.

Anders als noch bei der 0:2-Niederlage in Gelsenkirchen konnten diesmal die Umschalt-Momente des Gegners durch aggressives Gegenpressing frühzeitig unterbunden werden. Zudem war die Innenverteidigung um Willi Orban und Dayot Upamecano aufmerksamer und antizipierte frühzeitig die Laufwege des Gegners. Der HSV kam so kaum zu gefährlichen Abschlüssen, gerade einmal vier Torschüsse im Strafraum standen zu Buche.

Die Leipziger hatten dagegen mehr als doppelt so viele Schüsse abgegeben und dominierten die Partie bis auf eine kurze Phase in der ersten Halbzeit durchweg. Immer wieder gelang es der Mannschaft, über die Flügel für Tempo und Torgefahr zu sorgen. Ihr kurzes und präzises Passspiel sowie die individuelle Klasse einiger Ausnahmespieler (Naby Keita, Timo Werner) sind für den Gegner nur schwer zu verteidigen.

...und kontern können sie auch weiterhin

Nach dem Dosenöffner von Keita mit dem 1:0 konnte die RB-Elf auch wieder ihre alten Stärken unter Beweis stellen. Der HSV war gezwungen, das Spiel offener zu gestalten und bot Räume an, welche die Sachsen nur allzu gerne bespielten. Der Pass von Kevin Kampl aus dem eigenen Strafraum über den halben Platz zu Werner, der im Vollsprint mit Ball immer noch schneller als zwei Hamburger Verteidiger war, zeigte eindrucksvoll, wie sehr sie das Konterspiel beherrschen und mittlerweile perfektioniert haben.

Die Hamburger konnten am Ende froh sein, dass Marcel Sabitzer, Kampl und Co. zum Schluss nachlässig mit dem Verwerten von Torchancen umgingen. Die inzwischen demotivierten und körperlich erschöpften Hanseaten hatten den quirligen und schnellen Leipzigern nichts mehr entgegen zu setzen.

Tor füŸr Leipzig. Naby Keita (8, RB Leipzig) erzielt den Treffer zum 0:1.
Naby Keita erzielt den Treffer zum 1:0. Bildrechte: Picture Point

Es ist noch nicht alles Gold, was glänzt

Trotz des Erfolgs bleibt festzuhalten, dass auch der Ballbesitz-Fußball phasenweise noch Luft nach oben hat. So fiel es RB Leipzig zu Beginn der zweiten Halbzeit trotz erdrückender Dominanz schwer, gegen die tief gestaffelte Defensive des Gegners Lücken zu finden und Torchancen zu erarbeiten. Es fehlte ein konkreter Plan und Ideen, wie Werner und Jean-Kévin Augustin im Strafraum hätten in Aktion gebracht werden sollen. Ohne den Fernschuss von Keita wäre es durchaus interessant geworden, wie lange die Geduld bei den Spielern gereicht hätte, wenn aus dem erdrückenden Ballbesitz-Spiel nur brotlose Kunst entstammt.

Im Bild - Tor für Leipzig. Naby Keita (8, RB Leipzig) erzielt den Treffer zum 0:1 und jubelt.
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Die Kombination aus Ballbesitz- und Konterfußball hat die Mannschaft dennoch auf die nächste Stufe getragen, welche für die Entwicklung der jungen Mannschaft wichtig ist. Während sie in der Champions-League vermutlich wieder auf ihr Umschaltspiel vertrauen und so die Gegner überraschen können, wird es in der Bundesliga immer öfter darauf ankommen, defensiv eingestellte Gegner zu knacken. Dank des breiten Kaders und der enormen Qualität der Mannschaft haben sie zumindest theoretisch alle Möglichkeiten, jeden Kontrahenten erfolgreich zu bespielen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 09. September 2017 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2017, 10:47 Uhr

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9 Kommentare

10.09.2017 12:08 udo98 9

Endlich haben wir in Deutschland wieder einen Stürmer der beim Gegner Angst und Schrecken verbreitet! Sein Treffer am Freitag war allein das Eintrittsgeld wert. Weltklasse! Das erinnert mich an den "Bomber" Gerd Müller oder an Karl-Heinz Rummenigge einfach Klasse.

10.09.2017 10:40 Realist 8

Die Qualität des Trainers Gisdol kommt in seiner Fehleinschätzung als schlechter Verlierer klar zum Ausdruck. Und offenbar gibt es am Lauf der Elbe die primitivsten Fans der Republik. Der Geist, der in die Weststadien aus der Flasche gelassen würde, lässt sich nicht mehr bändigen, auch wenn die, die ihn mit beförderten jetzt bitten, wieder mit der Hetze gegen RB aufzuhören.

09.09.2017 20:52 Monaco Franze 7

Leipzig vor Bayern! Passt! Monaco wird Leipzig unterschätzen und eins auf die Mütze bekommen. Da freue ich mich schon drauf. Augustin hat ja mit Frankreich auch noch eine Rechnung offen.

09.09.2017 18:56 Leonard 6

Wo kommt nur dieser Hass der HSV Fans her. ??? Fußball ist ein Spiel und kein Krieg. Schämt euch !!!

09.09.2017 14:17 Camem Bert 5

Immer diese automatische Rechtschreibkorrektur. Es sollte heißen: ... jeder nach seiner F a s s o n .. Entschuldigt!

09.09.2017 12:05 Camem Bert 4

Schön für Sachsen, allen Fußballfans wird etwas nach ihrer Dass in geboten. Es gibt den Traditionsfussball in Zwickau (Klasseergebnis 2:0) Dynamo (Sieg verschenkt) Aue (Kampf gg. Abstieg bis zum letzten Spieltag) Chemnitz (das Dauer-Sorgenkind) und den modern gemanagten Spitzenfussball von RB Leipzig. So kommt jeder im kleinen Sachsen auf seine Kosten. Einfach Klasse!

09.09.2017 11:58 Peter 3

Es macht einfach Spass, den Jungs zuzuschauen. Es ist eine Mannschaft, die auf dem Platz steht.
Ich freue mich schon auf Mittwoch 1.CL Spiel, unfassbar!!!

"Auf gehts Leipziger Jungs.............."

09.09.2017 11:52 jochen 2

Der Newcomer vs Dino-klarer Ausgang f. unsere roten Bullen.Phasenweise schon erkennbar das ist die Mannschaft der Zukunft!
Am Mittwoch im bestimmt ausverkauften Red Bull Stadion Start in die Cl .Das Event im Fussballosten
Die Vorfreude ist riesig(ausgen. einer Handvoll Wuschis)
Forza RB Leipzig! Die Nr.1 im Sendegebiet!

09.09.2017 10:50 RBLer 1

Man liest in der Presse schon Schlagzeilen, wie "Reifeprozess" und man muss sagen, dass man das gestern der Mannschaft deutlich angesehen hat. Da ist Ruhe und Coolness auf dem Platz, aber wenn´s drauf ankommt fliegen die Fetzen. Das macht richtig Spass der Mannschaft zuzuschauen, wie sie sich entwickelt und jetzt mehr und mehr mit dosiertem Risiko spielt. Und die nächste Herausforderung, im wahrsten Sinne des Wortes, kommt jetzt mit Monaco. Da hoffe ich natürlich, dass man nicht untergeht, sondern ein ordentliches Spiel abliefert in dem jeder sein Leistungsvermögen auf den Platz bringen kann. Das Ergebnis ist da erstmal zweitrangig.