Fußball | Bundesliga "13 Punkte sind sensationell" - RB Leipzig ist zufrieden

von Marcus Teichmann

Der deutsche Vizemeister hat den ersten Block englischer Wochen mit sieben Spielen in 21 Tagen erfolgreich abgeschlossen. Der 2:1-Erfolg beim 1. FC Köln sorgte für viel Erleichterung und Freude bei den Sachsen. Die bevorstehende Länderspielpause soll nun dafür genutzt werden, an den "Basics" zu arbeiten. Ansatzpunkte gibt es genügend.

Bundesliga okay, Champions League mit Luft nach oben

Nach der Auftaktpleite auf Schalke hatten sich die Leipziger gegen Freiburg und den Hamburger SV mit zwei Siegen wieder rehabilitiert. In den englischen Wochen sah die Bilanz mit dem 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach und der 0:1-Niederlage in Augsburg zunächst mager aus, doch der Heimerfolg gegen Frankfurt (2:1) und jetzt der Sieg in Köln lassen die Statistik freundlicher aussehen: Sieben Punkte aus den letzten vier Ligaspielen sind während der englischen Woche in Ordnung, zumal die Konkurrenz in der Liga bis auf Dortmund auch nicht überragend auftritt. Das sieht auch Sportdirektor Ralf Rangnick so: "Wenn man sich den Punkteschnitt anschaut - vor allem, da wir das erste Spiel auf Schalke verloren haben - sind wir absolut im Soll." Im Vergleich zur Vorsaison sind das nach sieben Spieltagen lediglich zwei Punkte weniger. Auch RB-Coach Ralph Hasenhüttl zeigte sich zufrieden: "Die Punkteausbeute ist mehr, als ich mir erhofft hatte. 13 Punkte sind sensationell, ich bin sehr stolz!"  

Tortschütze Yussuf Poulsen, Marcel Sabitzer, Kevin Kampl und Emil Forsberg
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Lediglich in der Champions League sind die Auftritte der Leipziger noch etwas ernüchternd. Trotz Überlegenheit gab es zu Hause gegen Monaco nur ein 1:1, im zweiten Spiel setzte es gegen Besiktas eine nicht unverdiente 0:2-Niederlage. Damit steht die Mannschaft nach zwei Spielen mit nur einem Punkt da und muss als nächstes gegen Porto unbedingt gewinnen, um noch realistische Chancen auf das Achtelfinale zu haben. Damit das gelingt, muss an den Schwachstellen gearbeitet werden, die auch das Spiel in Köln offenbarte.

Fehlende Stabilität, Probleme beim Pressing, mangelnde Chancenverwertung

"Viel Aufwand, wenig Ertrag" - dieses Fazit war in den vergangenen Wochen vermehrt aus dem Kreise der Mannschaft zu hören. Auch gegen die Domstädter wurde es aufgrund des Anschlusstreffers plötzlich wieder unnötig spannend und es hat auch nicht viel gefehlt, da hätten die Leipziger zum Schluss wieder nur mit einem Punkt dagestanden (wie bereits gegen Gladbach und Monaco). Marcel Sabitzer kritisierte die fehlende Konzentration nach eigener Führung: "Wir müssen ganz klar ansprechen, warum es hinten raus so eng wurde. Das ist das Traurige an der ganzen Sache. Du denkst, das Spiel ist entschieden und dann holst du den Gegner zurück ins Spiel. Das war gegen Frankfurt genauso. Das müssen wir abstellen, sonst kostet uns das bald Punkte."

Ursprünglich wollte Hasenhüttl den Fokus darauf legen, gegen Köln "zu Null" zu spielen. Dass dieser Plan kaum zu halten war, zeigte sich sehr früh im Spiel. Insgesamt 16 Torschüsse gaben die Kölner ab, so viele Möglichkeiten lässt RB selten zu. Gegen kein einziges Team in den englischen Wochen stand am Ende die Null, stattdessen gab es acht Gegentore in sieben Spielen. Rangnick weist auf die Probleme hin: "Wir müssen das Spiel gegen den Ball verbessern. Dass wir da Probleme haben, zeigt sich an der Anzahl an Gegentoren und Torchancen. Wir verteidigen als Mannschaft noch nicht so, wie wir das in der vergangenen Saison getan haben. Weder gegen Istanbul noch gegen Köln. Da haben wir noch Luft nach oben."

Das dritte Problem ist die fehlende Effizienz. Auch wenn sie bei vielen Spielen die bessere Mannschaft waren, mangelte es am Ende an der passenden Belohnung. Das lag unter anderem auch daran, dass sie es öfter frühzeitig verpassten, den Sack zuzumachen oder aus den zahlreichen Torchancen Kapital zu schlagen. Auch gegen den 1. FC Köln sind zwei Tore im Verhältnis für 24 Torchancen zu wenig. Allein Angreifer Yussuf Poulsen vergab drei klare Möglichkeiten, auch Forsberg und Bruma hatten die frühzeitige Entscheidung auf dem Fuß. Mehr Kaltschnäuzigkeit, Konzentration und Coolness werden für die nächsten Spiele aber dringend benötigt.

Ausblick

Nach der Länderspielpause geht es direkt zu Borussia Dortmund, der derzeit besten deutschen Mannschaft, die mit begeisterndem Hurra-Fußball die Nation entzückt. Drei Tage später steht schon das vorentscheidende Heimspiel in der Champions-League gegen Porto an, danach kommt ein Heimspiel gegen Stuttgart. Es folgen zwei Spiele gegen Bayern München, das Rückspiel in Porto und zum Abschluss erneut ein Heimspiel gegen Hannover. Das sind erneut sieben Spiele in 22 Tagen - und mit Verlaub: Deutlich anspruchsvolleren Gegnern als bisher. Sollten sie bis dahin nicht an ihren Schwachstellen gearbeitet haben, kommen bittere Wochen auf die Leipziger zu. 

Mit Blick auf das schwere Programm zeigt sich auch Hasenhüttl froh, noch einmal durchschnaufen zu können: "Wir konnten nur wenig trainieren in den letzten Wochen, das war das größte Problem. Unter der Woche konnten wir den Jungs wenig Hilfe anbieten. Wir waren mental müde und nicht frisch. Wir müssen jetzt mal wieder zwei Wochen an den Basics arbeiten." Nach diesem "heißen Herbst" werden dann alle Beteiligten wissen, wohin die Reise in dieser Saison gehen wird. 

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 02. Oktober 2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2017, 08:20 Uhr

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7 Kommentare

03.10.2017 08:25 Manni 7

In diesem Jahr lassen die meisten Gegner RB kommen und versuchen selber über schnelles Umschaltspiel nach vorne zu marschieren. Dies war letztes Jahr anders. Dies hat Schalke und Augsburg sehr gut gemacht. Das der Gegner selber das Spiel macht, habe ich über längere Phasen nur bei Besiktas und Köln gesehen. Die waren dann aber nach 30 Minuten platt. Die hatten aber dafür noch eine bärenstarke Verteidigung. Ich bin zwar kein Trainer aber man kann im Spiel mehrmals die Taktik ändern. Mal tief stehen, mal Gegenpressing. Da kann man sich auch mal erholen. Da braucht es natürlich einen Chef auf den Spielfeld und das Team was auf den hört. Demme spielt für mich auch dieses Jahr sehr gut. Bruma und Kampl gefallen mir auch sehr gut.

03.10.2017 07:36 Bernd 6

Dass zwei 18jaehrige in der IV standen war schon bemerkenswert, und die beiden haben es dafuer dass sie das erste Mal zusammen spielten gut gemacht. Es war aber auch sehr mutig, denn wer weiss wie dieser Cordoba Fussball "spielt" (hat der nun mehr Tore erziehlt oder Karten provoziert?), da braucht's jemanden mit Erfahrung. Aber Upa und wohl auch Konate werden die Zukunft sein.

02.10.2017 15:28 RBLer 5

Wir reden über Abwehrprobleme und haben gestern mit zwei 18-jährigen (!) in der Innenverteidigung gespielt. Da kann man doch nicht meckern. wenn so ein junger Spieler mal in der ein oder anderen Situation zu unclever oder zu stürmisch rangeht. Also ich hab nichts zu meckern und bin zufrieden. Mir macht das richtig Spass beobachten zu können, wie die jungen Spieler mit den Herausforderungen wachsen.

02.10.2017 15:08 heino 4

2. der Alex, an deiner Einschätzung ist etwas Wahres dran. Aber diese Spielweise ( ständiges Pressing ) ist sehr kräftezehrend. Das hält man in
englichen Wochen nicht lange durch und der Aku ist schnell lehr. Deshalb muß man mit weniger Aufwand und spielerischen Mitteln versuchen die Punkte einzufahren. Das ist bestimmt ein richtiger Ansatz, denn die Spieler sind ja keine Maschinen.

02.10.2017 09:36 Klatschpappe 3

War ja wieder spannend gegen Köln. Sabitzer, Gulasci und Ilsanker stark. Mir gefällt, dass RH auch hinten in der Abwehr rotiert und die Jungen ranlässt (Konate). Poulsen wieder irgendwie unglücklich (außer beim Tor). Aber das wird auch noch.
Auch wenn es dieses Saison nicht für die ersten drei Plätze reicht, Hauptsache es bleibt bei Volldampf Fußball.
Vor dem Tor von Köln kleine Slapstick Einlage von RB. War ja ganz lustig. Bloß blöde, dass dies das Gegentor bedeutet hat.
Köln hat auch nicht wie ein Absteiger gespielt. Die kommen wieder. Da bin ich mir sicher.

02.10.2017 09:24 der alex 2

@Bernd,
Sehe ich nicht ganz so. Der Unterschied zu letztem Jahr besteht meiner Meinung nach darin, daß nicht mehr so gepresst wird. Letztes jahr sind im Mittelfeld 3 mann auf den balkführenden Gegner. Das sieht man dieses jahr so gut wie gar nicht mehr und deshalb ist unser Mittelfeld schnell mal überspielt und die Abwehr bekommt mehr Arbeit als letztes Jahr. Meine Meinung ist, dass nicht mehr genügend nach hinten gearbeitet wird und Leute wie demme letztes jahr ein Zacken besser waren. Die Abwehr macht schon ihr Ding aber alles verhindern kann man meist nicht.

02.10.2017 08:28 Bernd 1

nimmt man die Spiele gegen die bisherigen Gegner aus der Vorsaison haben wir die gleiche Punktausbeute erreicht. Nur das Torverhaeltnis ist schlechter. Also alles im Rahmen.
Aber die Abwehrleistung gestern, da gibt es Luft nach oben. Komisch am besten stand die Abwehr im Vorjahr als die Vetrletzungsausfaelle kompensieren mussten. Aber die Mannschaft hat gezeigt, dass man auch ohne Keita, Werner, Orban (und Augustin) Spiele gewinnen kann. Das ist ein gutes Zeichen.